VG Römerberg-Dudenhofen
Windkraft: Naturschützer sehen Artenschutz in Gefahr
Zehn Flächen mit einer Größe von rund 660 Hektar hatte das Planungsbüro Piske im vergangenen Jahr präsentiert, auf denen Windenergieanlagen prinzipiell möglich wären. Alle anderen Gebiete in der Verbandsgemeinde schieden aus verschiedenen Gründen aus. Im Dezember leitete der Verbandsgemeinderat einen Teilflächennutzungsplan „Windenergie“ in die Wege, in dem sechs der zehn Flächen enthalten sein sollen. Sprich: Dort sollen künftig grundsätzlich Windkraftanlagen möglich sein. Von Ende Januar bis Anfang März lag der Planentwurf öffentlich aus und Bürger hatten die Möglichkeit, sich dazu zu äußern. Auch die sogenannten Träger öffentlicher Belange konnten dazu Position beziehen.
In einer gemeinsamen Stellungnahmen üben gleich mehrere Naturschutzorganisationen aus der Region nun deutliche Kritik an der Auswahl der Flächen: Vier davon halten sie für nicht geeignet für den Bau von Windkraftanlagen und sehen dabei insbesondere die Artenvielfalt in Gefahr. „Wir befürworten prinzipiell den Ausbau der regenerativen Energien und damit auch der Windenergieanlagen als notwendigen Beitrag zum Klimaschutz“, heißt es in der Stellungnahmen, die von den Vorsitzenden der Natur- und Vogelschutzvereine aus Dudenhofen, Harthausen und Hanhofen sowie der BUND-Kreisgruppe unterzeichnet wurde. Auch der Vizepräsident der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie (Gnor) Rheinland-Pfalz steht hinter dem Schreiben. Die Unterzeichner finden, dass beim Windkraft-Ausbau „auch die Biodiversitätskrise und damit der Arten- und Biotopschutz berücksichtigt werden“ müssen.
Vögel und Fledermäuse
Die Naturschützer monieren, dass ein im November erschienener „Fachbeitrag Artenschutz für die Planung von Windenergieanlagen in Rheinland-Pfalz“ des Landesamts für Umwelt nicht bei der Entscheidung für die Flächen berücksichtigt wird. Die größten Bedenken hegen sie dagegen, eine rund 128 Hektar große Fläche nördlich von Hanhofen für Windkraft freizugeben. Das Gebiet liegt teilweise im Wald. Es sei in großen Teilen Vogel- und Landschaftsschutz- sowie FFH-Gebiet. „Windenergiesensible“ Vogelarten wie Ziegenmelker und Wiedehopf kämen dort vor oder könnten dort Lebensraum finden, ebenso wie Fledermäuse. Es sei „weder nachvollziehbar noch vermittelbar, weshalb auf die anderen Teilflächen im Wald aus naturschutzrechtlichen Gründen verzichtet wurde“, auf diese aber nicht.
Ebenfalls nicht einverstanden sind die Naturschützer damit, eine 90 Hektar große Fläche südwestlich von Heiligenstein zwischen Bahnlinie und B9 für Windkraft freizugeben. Zwar liege das Gebiet, das derzeit landwirtschaftlich genutzt wird, nicht in einem Naturschutzgebiet. Allerdings diene es Vogelarten als Nahrungsfläche, bei denen die Gefahr bestehe, dass sie mit Windrädern kollidierten – wie Rot- und Schwarzmilan, Rohrweihe oder Weißstorch. Außerdem sei die Fläche Teil eines landesweit bedeutsamen Rastgebiets für windenergiesensible Vogelarten wie Saatgänse. Der Bereich um die benachbarten Schwegenheimer Windräder werde von nordischen Saat- und Blassgänsen bereits gemieden. Insbesondere auch für den Wert der nahen Mechtersheimer Tongruben als Rastplatz für Wintervögel sei die Fläche wichtig. Ähnlich ist die Begründung der Naturschützer für die Ablehnung einer zirka 32 Hektar großen Fläche ebenfalls auf Römerberger Gemarkung, zwischen Bahnlinie, K5 und L507.
Bei den letzten beiden Flächen, welche die Verbandsgemeinde im Teilflächennutzungsplan für Windenergie freigeben will, handelt es sich zum einen um zirka 124 Hektar rund um die bereits bestehenden drei Windräder zwischen Dudenhofen, Harthausen und Römerberg und zum anderen um knapp 23 Hektar auf Ackerland südlich von Harthausen. Bei beiden Flächen sehen die Naturschützer zwar auch Gründe, die gegen Windkraftanlagen dort sprechen, dennoch stimmen sie angesichts der „bestehenden Vorbelastung“ der Ausweisung der Gebiete für Windkraft zu.
Wie es weitergeht
Der landesweite Zielwert, 2,2 Prozent Fläche für Windkraft bereitzustellen, werde für die Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen mit diesen beiden Flächen bereits deutlich übertroffen. Die Naturschützer bitten die politisch Verantwortlichen daher, die übrigen Flächen aus dem Plan herauszunehmen. „Wenn ich Alternativen habe, nehme ich doch andere Flächen“, findet Christiane Brell, Vorsitzende des Natur- und Vogelschutzvereins Dudenhofen und eine der Unterzeichnerinnen der Stellungnahme. Insbesondere zur Freigabe des Waldgebiets nördlich von Hanhofen sagt sie: „Das verstehe ich überhaupt nicht, dass man da hineingeht.“
Ob die Flächen im Plan bleiben, entscheidet letztlich die Politik. Doch folgt sie dabei wahrscheinlich der Empfehlung, die sich aus der Abwägung der eingegangenen Stellungnahmen ergibt. Diese werden sich das Planungsbüro Piske und die Verbandsgemeindeverwaltung in den kommenden Monaten genauer anschauen. Laut Ulrich Villinger vom Büro Piske haben auch Kreisverwaltung und Verband Region Rhein-Neckar artenschutzrechtliche Bedenken angemeldet. Außerdem haben laut VG-Bauamtsleiter Andreas Lochbaum rund 20 Bürger ähnliche Einwände wie die Naturschutzverbände geäußert.
Der Frage, wie berechtigt diese sind, soll nun nachgegangen werden, wie Villinger berichtet. Es soll beispielsweise auch geprüft werden, ob eine Abschaltautomatik für Windräder diese in den betreffenden Gebieten unter Artenschutzgesichtspunkten verträglicher machen würde – und ob sie dann noch wirtschaftlich zu betreiben seien. Bis das Thema zur Abstimmung wieder in den Rat kommt, dauere es voraussichtlich bis nach der Sommerpause, schätzt Lochbaum.
