Interview
Warum Woifeschdkänisch Monji El Beji nach Pennsylvania reiste
Monji, wie kommt es, dass Sie beim zweiten Teil von „Hiwwe wie driwwe“ dabei sind?
Ich habe während Corona den Regisseur Benjamin Wagener kennengelernt. Ich hatte ein Streaming-Konzert mit Fine R.I.P. und die Veranstalter haben Benni damit beauftragt. Da hatte er schon den zweiten Teil geplant und er suchte einen Protagonisten, der Mundart macht. Also hat er mich gefragt.
Und Sie spielen die Hauptrolle?
Ich spiele eigentlich keine Rolle, sondern bin einfach als der Pfälzer dabei, der ich ja tatsächlich bin. Im ersten Teil ging es darum, wie ein Amerikaner aus Pennsylvania, Douglas Madenford, die Pfalz sieht, jetzt sollte ein Pfälzer nach Pennsylvania – und das bin ich geworden.
Das ist der Grund für Teil zwei?
Ja, es waren nach dem ersten Teil ja noch viele Fragen offen und Benni war überzeugt, dass unbedingt ein zweiter Teil folgen muss.
Und was war Ihre Aufgabe?
Ich gehe erst in der Pfalz auf Spurensuche, Westpfalz, Musikantenland. Unterschiede zur Vorderpfalz. Ich spreche mit ein paar Leuten und fange Stimmen ein. Dann geht es darum, was man in Pennsylvania noch findet in der Gegend, wo das Pennsylvania Dutch gesprochen wird, das ja vom Pfälzischen kommt und ganz eng verwandt ist.
Das heißt, Sie konnten die Nachfahren der Auswanderer verstehen und umgekehrt auch?
Ja, wenn ich richtig breites Pfälzisch gesprochen habe, haben sie mich verstanden. Ich habe anfangs den Fehler gemacht, wenn ich nicht verstanden wurde, Hochdeutsch zu sprechen – wie ich das als Pfälzer gewohnt bin. Aber das war genau die falsche Richtung. Je breiter mein Pfälzisch war, desto besser haben sie mich verstanden.
Das war vermutlich Ihre erste „Forschungsreise“ nach Pennsylvania. Wie haben Sie sich vorbereitet?
Wir waren ein großes Team und haben alle recherchiert und ich habe mir auch den ersten Film mehrmals angesehen. Ich habe auch öfter mit Doug Madenford gesprochen. Wir haben uns viel ausgetauscht.
Und wie wurde daraus ein Drehbuch für einen Film?
Benni hat kein klassisches Drehbuch geschrieben mit Text für mich. Er hat die Stationen aufgeschrieben, die wir besuchen wollen und die Themen, die wir ansprechen wollen. Ansonsten haben wir geschaut, was passiert und vieles hat sich erst vor Ort ergeben. Wir haben in der Pfalz Gespräche gemacht mit dem früheren Ministerpräsidenten Kurt Beck und mit Chako Habekost, haben die Burg Lichtenberg besucht und das Musikantenland-Museum. Ein besonderer Teil ist der Kalmit-Klapprad-Cup, den wir besucht haben, daraus ist dann eine Art Roter Faden geworden. Die Klappräder haben wir nach Amerika mitgenommen und sind dort gefahren. Ich habe einen Liedermacher kennengelernt, der auf Pennsylvanisch Deitsch singt und vieles mehr.
Hat Sie in Pennsylvania etwas besonders beeindruckt?
Ja, das war vor allem, wie die alte Kultur dort noch gepflegt wird. Es gibt viel altes Handwerk, was dort noch lebt, die alte Art, wie die Häuser gebaut werden. Dann kennen die Leute dort noch viele alte Bauernregeln. Die Sache mit dem Murmeltier-Tag, was man aus dem Film „Und ewig grüßt das Murmeltier“ kennt, ist eigentlich eine Pfälzer Tradition, angepasst für die Verhältnisse dort.
Gibt es auch Unterschiede?
Die Elwetritsche sind dort anders als bei uns. Bei uns sieht man das eher lustig und macht sich einen Spaß draus mit der Elwetrische-Jagd und behauptet, dass es sie gibt. Dort drüben ist die Elwetritsch ein eher unheimliches Tier und es gibt sie nicht wirklich. Und bei uns hier weiß ich nicht, wie viele Kinder noch den Belzenickel kennen, das werden weniger. Drüben ist er noch bekannt. Und dort gibt es auch noch Chöre, die alte Volkslieder singen.
Während hierzulande unsere Chöre lieber Pop oder Gospel singen?
Dort singen die zum Beispiel „Ich bin der Doktor Eisenbart“, was hier kaum noch einer kennt. Oder sie singen traditionelle Schlaflieder für die Kinder. Das fand ich sehr schön.
Sie sind doch auch der „Woifeschdkänisch“. Wie ist es in Amerika mit Riesling, Schorle und Dubbeglas?
Boah, da haben die tatsächlich Probleme (lacht). Weinberge gibt es keine, obwohl die Landschaft ganz ähnlich wie in der Pfalz ist. Wir sind zum Kutztown Folk Festival und dort gibt es keinen Alkohol. Ich hatte immer das Schorleglas dabei, aber keine Schorle drin. Es gab ein abgegrenztes Zelt, dort durfte man Wein und Bier trinken, aber sonst nirgends.
Das war eine Umstellung?
(lacht) Allerdings, ja. Und Schorle gibt es dort nicht. Das Dubbeglas kennen sie auch nicht. Wenn, dann trinken die mal Bier. Aber meine Bedürfnisse wurden berücksichtigt (lacht). Als der Bürgermeister von Kutztown uns eingeladen hatte, gab es bei ihm auch Wein.
Das ist aber unpfälzisch, oder?
Naja, bei uns hier gehört das schon dazu. Aber natürlich kann man auch ohne Alkohol feiern.
Was ist Ihr persönliches Resümee, nach der Reise?
Wenn Du mehr über die Pfalz wissen willst, geh mal rüber und guck Dir das dort an – wäre mein Fazit. Man sieht, wo wir herkommen und was es bei uns mal gab. Sehr schön ist, dass wir viele Bekanntschaften gemacht haben, mit Kontakten, die weiter bestehen. Das ist sehr freundschaftlich geworden und das ist schön.
Gab es eine besondere Erkenntnis für Sie?
Die Pfalz war mal ein Auswanderungsland. Es waren Wirtschaftsflüchtlinge, die von hier nach Amerika gegangen sind. Oder Pfälzer, die wegen des Glaubens verfolgt wurden, sind ausgewandert. Es wäre schön, wenn sich das wieder mehr Leute bewusst machen würden.
Zur Person und zum Film
„Hiwwe wie driwwe“ Teil Eins war 2019 ein riesiger Erfolg, nicht nur in den Pfälzer Kinos, sondern sogar in den USA. Da kam ein Nachfahre Pfälzer Auswanderer, Douglas Madenford, über den großen Teich in die Pfalz. Aber es gab danach noch viele offene Fragen, fand Regisseur Benjamin Wagener und organisierte einen Gegenbesuch. Dieses Mal war Monji El Beji auf Spurensuche. Monji El Beji ist Sohn einer Pfälzer Mutter und eines tunesischen Vaters und in der Pfalz 1976 geboren und aufgewachsen. Als Sänger von Mundart-Bands wie Fine R.I.P. und Woifeschdkänisch kennt er sich mit Pfalz, Pfälzern und Mundart bestens aus. Für den zweiten „Hiwwe wie driwwe“-Film schrieb er mit seinem Band-Kollegen Christoph Erbach auch die Musik. Am Montag, 15. April, um 17.30 Uhr und um 20.30 Uhr läuft „Hiwwe wie driwwe“ Teil Zwei im Rex Kino Schifferstadt. Vor Ort und gerne zum Gespräch bereit sind Regisseur Benjamin Wagener und Darsteller Monji El Beji.