Böhl-Iggelheim RHEINPFALZ Plus Artikel Verwilderter Vogelpark wird zum Hühner-Paradies

Wo einst Ziegen meckerten, gackern und picken nun Hühner friedlich vor sich hin.
Wo einst Ziegen meckerten, gackern und picken nun Hühner friedlich vor sich hin.

Einst lebten Tiere aller Art im Böhl-Iggelheimer Vogelpark, nun bevölkern zahlreiche Hühnerrassen das Gelände. Das war zuletzt stark verwildert.

Vor knapp einem Jahr hat der Geflügelzuchtverein Böhl-Iggelheim den Vogelpark übernommen. Vieles hat sich seitdem getan. Doch bis im Park wieder alles in Ordnung ist, werde noch einige Zeit vergehen, sagt Kurt Hofsäß vom Vorstand des Geflügelzuchtvereins: „Alle Volieren waren beschädigt, das Gelände ungepflegt, Zäune kaputt oder nicht mehr vorhanden und der Weiher voll mit Wasserlinsen“, beschreibt er den Zustand des Geländes, als die Gemeinde ihn an den Geflügelzuchtverein übergeben hat.

Den Park gibt es seit 1961, im Zeitraum 2016/17 wurde er geschlossen. Der Vogelschutzverein, der sich inzwischen aufgelöst hat, war nicht mehr in der Lage gewesen, das Gelände und die Tiere zu pflegen. Für die weitere Nutzung des Parks gab es verschiedene Vorschläge und Ideen, letztendlich entschied sich der Gemeinderat, diesen dem Geflügelzuchtverein zu übergeben.

Extra Erlaubnis notwendig

„Wir haben uns um das Gelände beworben, weil einige unserer Vereinsmitglieder nicht mehr genug Platz für ihre Hühner hatten“, erzählt Kurt Hofsäß. Seine Vereinsmitglieder züchten ausschließlich Rassehühner. Die Vielfalt der Rassen, die in den Volieren herumläuft, gackert, kräht und Futter pickt, ist beeindruckend: Es gibt braun-weiße Zwerg-Friesenhühner, schwarz-weiß gefleckte Amrocks oder plustrige Zwerg-Seidenhühner, um nur einige Sorten zu nennen. Der Vogelpark ist eigentlich auch den Rassehühnern vorbehalten. Doch derzeit leben in einer der Volieren auch Haushühner, die hier vorübergehend Asyl gefunden haben.

Kurt Hofsäß zeigt die Filteranlage, die das Weiher-Wasser säubert.
Kurt Hofsäß zeigt die Filteranlage, die das Weiher-Wasser säubert.

Nach der Übernahme des Geländes stand nicht nur viel Arbeit an, auch lernen war angesagt. Mehrere Mitglieder des Vereins mussten beim Veterinäramt eine Prüfung für eine „Zur Schaustellungserlaubnis“ ablegen, damit die Hühner im Vogelpark öffentlich ausgestellt werden dürfen, erzählt Kurt Hofsäß. Gelohnt habe sich der Aufwand allemal: Der Vogelpark ist nun mittwochs bis sonntags von 11 Uhr bis zum Beginn der Dunkelheit geöffnet. „Es kommen viele Besucher, gehen hier spazieren, zeigen ihren Kindern oder Enkeln die Tiere“, erzählt Kurt Hofsäß. Außerdem hat die Gemeinde den Spielplatz, der ebenfalls in schlechtem Zustand gewesen war, wieder hergerichtet und hält ihn auch in Ordnung.

Handwerker im Team

Der Geflügelzüchter ist selbst fast jeden Vormittag auf dem Gelände. „Es ist immer etwas zu tun“, sagt der Rentner. Einmal im Monat gebe es einen festen Arbeitseinsatz, bei dem meist vier bis sechs Helfer dabei seien. „Andere kommen, wenn sie Zeit haben“, erklärt er. Viele Vereinsmitglieder haben zum Glück handwerkliche Berufe – was eine große Erleichterung beim Herrichten des Parks sei. So habe ein Elektriker die elektrischen Anschlüsse erneuert und ein Schlosser Zäune und Gitter in Ordnung gebracht. Andere Mitglieder konnten mit Arbeitsgeräten aushelfen. Von Vorteil sei auch, dass es auf dem Gelände eine große Werkstatt gibt.

Viel Arbeit habe die Instandsetzung der Volieren gemacht. Die Dächer wurden repariert oder erneuert, Türen ausgetauscht, elektrische Anschlüsse gelegt, Gitter installiert. Die Volieren sind inzwischen alle mit Tieren belegt, dabei ist jeder dafür verantwortlich, seine Voliere in Ordnung zu halten. Großen Wert lege man auf Sauberkeit, betont der Geflügelzüchter. So werde beispielsweise das Futter dicht verschlossen, damit keine Ratten angezogen werden.

Von den drei Freigeländen für Hühner sind zwei sehr schön angelegt, unter anderem mit Unterständen für die Tiere und mit Rohren, in denen sie sich vor Raubvögeln verstecken können. Das dritte Freigelände ist noch nicht genutzt. Der Zaun um dieses Areal war verschwunden. „Durch Zufall haben wir erfahren, dass der Zaun seit fünf Jahren bei den Gemeindewerken Haßloch liegt“, erzählt Hofsäß. Nun haben die Geflügelzüchter ihn wieder geholt.

Sorgenkind Weiher

Um das teils stark verwilderte Gelände von Gestrüpp und Ähnlichem zu befreien, halfen unter anderem Schafe. Zudem mussten umgestürzte Bäume entfernt und große Bereiche freigeschnitten werden. Es sei noch einiges zu tun, sagt Kurt Hofsäß. So müsse zum Beispiel noch ein Zaun gesetzt werden, der den Teil des früheren Vogelparks, der wieder Wald werden soll, vom Vogelparkgelände abgrenzt.

„Unsere größte Sorge ist aber der Weiher. Der ist trotz aller Versuche immer noch voll mit Wasserlinsen.“ So wurde bereits von einem Brunnen und einer zufällig entdeckten Zisterne Wasser in den Weiher geleitet, das Wasser mit einem selbstgebauten Kohlefilter gereinigt, und es wurden Pflanzen am Rand des Weihers entfernt. Bisher vergeblich. Das trockene und heiße Wetter sei günstig für die Wasserlinsen, bedauert Kurt Hofsäß. Zwar verhindern diese die Ausbreitung von Algen, doch wenn sie einen dicken Teppich bilden, dann haben Pflanzen und Tiere nicht genug Licht, um im Wasser zu überleben. Er hofft, dass man mit der Zeit das Problem in den Griff bekommt.

Noch keine Pläne habe der Geflügelzuchtverein für ein Gebäude, das vom Vogelschutzverein als Vereinsheim genutzt wurde. „Wir haben unser Vereinsheim beim Liederkranz, da wollen wir erst einmal bleiben“, sagt Kurt Hofsäß.

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