Römerberg RHEINPFALZ Plus Artikel Um kurz nach sechs fallen die Türme

Fällt im Morgengrauen gegen 6.05 Uhr in sich zusammen: der Kühlturm des ersten Kraftwerksblocks. Wenige Sekunden später wird der
Fällt im Morgengrauen gegen 6.05 Uhr in sich zusammen: der Kühlturm des ersten Kraftwerksblocks. Wenige Sekunden später wird der zweite Turm gesprengt.

Eigentlich sollte wegen der Corona-Pandemie geheim bleiben, wann die Kühltürme des Atomkraftwerks in Philippsburg gesprengt werden. Der Zeitpunkt war teilweise aber doch durchgesickert. Am frühen Donnerstagmorgen verfolgten deshalb im benachbarten Römerberg einige Schaulustige das Spektakel, das in wenigen Sekunden beendet war. Polizei und Ordnungsamt ziehen Bilanz.

Mitarbeiter des Ordnungsamts der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen hatten nach Angaben von Bürgermeister Manfred Scharfenberger (CDU) ab 4 Uhr das Mechtersheimer Rheinufer und die Natostraße abgesperrt. Unterstützt wurden sie von vier Feuerwehrleuten. Der Bürgermeister sagte auf RHEINPFALZ-Anfrage, dass es Personen gegeben habe, die das Rheinufer über schmale Waldwege doch erreicht hatten, der Großteil der Schaulustigen verteilte sich aber an der Kreisstraße zwischen Heiligenstein und Mechtersheim sowie auf den nahen Feldwegen. Von dort hatten sie einen guten Blick auf die beiden rund 152 Meter hohen Türme, die gegen 6.05 Uhr kurz hintereinander gesprengt wurden.

Wehmut und Zuversicht

Wie viele Menschen das Spektakel in Römerberg und Lingenfeld verfolgt hatten, konnten der Bürgermeister sowie Sprecher der Polizeiinspektionen in Speyer und Germersheim nicht abschätzen, weil sich die Zuschauer an unterschiedlichen Stellen verteilt hatten. Manfred Scharfenberger, der bis zum vergangenen Jahr 20 Jahre Bürgermeister von Römerberg war und seit 2014 Chef der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen ist, stand am frühen Morgen am Mechtersheimer Rheinufer direkt gegenüber der Kühltürme. Die Sprengung nannte er zwar unspektakulär, aber dennoch „einfach super“. Er lobte die „sehr gute Vorbereitung“ des Kraftwerksbetreibers EnBW. Als er nach dem Ereignis in sein Büro ins Rathaus nach Dudenhofen fuhr, fühlte er sich etwas wehmütig, weil der Anblick der Türme, die dort rund 40 Jahre standen, fehlte. „Man wird sich aber schnell daran gewöhnen“, glaubt Scharfenberger.

Auf der Fläche, auf der nun der Schutt der markanten Bauwerke zerkleinert wird, entsteht in den nächsten Jahren ein Umspannwerk. Darin soll der in norddeutschen Windparks gewonnene Strom, der über eine Hochspannungsleitung möglichst verlustarm in Form von Gleichstrom nach Süden transportiert wird, wieder in Wechselstrom umgewandelt werden. Dieser südliche Endpunkt des Netzausbauprojekts Ultranet werde ein wichtiger Knotenpunkt für den Stromtransport in die Region sein, heißt es von EnBW.

Römerbergs Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) hat die Sprengung nicht mit eigenen Augen verfolgt. Wie die meisten Bürger kannte auch er den genauen Termin nicht. Weil wegen der Corona-Pandemie große Menschenansammlungen vermieden werden sollten, war der genaue Zeitpunkt der Sprengung nicht bekannt gegeben worden. Es war lediglich klar, dass die beiden Stahlbeton-Riesen am Donnerstag oder Freitag zu jeder Tages- und Nachtzeit in sich zusammensacken können. Die Zuschauer in Mechtersheim, bei denen sich die RHEINPFALZ umgehört hat, waren zum Beispiel von Kraftwerksmitarbeitern über den ungefähren Zeitpunkt informiert worden.

Erleichterung bei Ortschef

Ein „dumpfes Grollen“ habe er um kurz nach 6 Uhr gehört, berichtet Hoffmann. Da lag er noch im Bett im heimischen Mechtersheim. Als er später ins Bürgermeisterbüro nach Heiligenstein fuhr, waren die Türme schon weg. Der Ortschef ist erleichtert, dass die Sprengung gut über die Bühne gegangen ist, auch wenn es wegen Corona nicht das erhoffte Spektakel mit vielen Schaulustigen für die Römerberger war. Für die Organisation von EnBW hat auch Hoffmann nur lobende Worte. Einziger Wermutstropfen sei der Atommüll, der vor Ort bleibe. Bei Ausflügen an die Haardt müssten sich die Römerberger in Zukunft einen neuen Orientierungspunkt suchen, wenn sie die Richtung suchten, in der ihr Heimatort liege. Aber es gebe ja schließlich auch noch den Speyerer Dom.

Verbandsbürgermeister Manfred Scharfenberger und die Sprecher der beiden Polizeiinspektionen ziehen nach der Sprengung eine positive Bilanz. In Lingenfeld seien zwei, in Römerberg vier Polizeibeamte im Einsatz gewesen. Vorfälle oder Verstöße gegen die Corona-Kontaktbeschränkungen seien nicht gemeldet worden.

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