Hochdorf-Assenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Studenten stellen ihre Ideen vor: Vom Bacherlebnisweg bis zum Solarpark

Während sich die Reihen im katholischen Pfarrheim noch füllen, nehmen Gäste schon vor der Präsentation die Info-Stellwände in Au
Während sich die Reihen im katholischen Pfarrheim noch füllen, nehmen Gäste schon vor der Präsentation die Info-Stellwände in Augenschein.

Wie kann sich Hochdorf-Assenheim entwickeln? Dafür haben Studierende der RPTU Kaiserslautern viele spannende Ideen, die sie nun den Bürgern vorgestellt haben.

„Es ist toll, wie detailliert sich die jungen Leute mit unserer Gemeinde beschäftigt haben“, schwärmt ein Zuhörer nach der Präsentation. Die Ergebnisse des Projekts, bei dem die Ortsgemeinde mit den Master-Studenten der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern (RPTU) zusammenarbeitete, gefallen dem Mann offensichtlich. Ähnlich angetan und beeindruckt äußern sich auch andere Besucher, die nach der Präsentation an die Plakatwände rings um die Sitzreihen strömen. Darauf stellen die sechs Arbeitsgruppen die Erkenntnisse und Vorschläge zu ihren Schwerpunkten noch ausführlicher dar, als das in den mündlichen, mit Fotos und Entwurfsskizzen angereicherten Vorträgen möglich war. „Tatsächlich haben sie eben nur etwa ein Viertel ihrer Ideen präsentiert, sonst würden wir noch in drei Stunden hier sitzen“, erläutert ihr Professor Holger Schmidt am Ende dieses Teils des Abends und ermuntert dazu, sich nicht nur die Infotafeln anzuschauen, sondern auch das Gespräch mit den Studierenden zu suchen.

Neue Treffpunkte

Die 24 künftigen Stadt- und Regionalplaner haben die beiden Ortsteile Assenheim und Hochdorf seit Herbst 2023 ausführlich erkundet, mit den Menschen geredet, Stärken und Schwächen erfasst – und vor allem großes Potenzial erkannt. Beispiel Ludwigshafener Straße: Als Ortseingang von Osten kommend wirkt sie nicht wirklich einladend. Das ließe sich ändern, indem sie in dem breiten Abschnitt zwischen dem Verkehrskreisel und der Uhlandstraße wie eine Allee gestaltet wird: beidseitig begrünt, dadurch eine engere Fahrbahn, dazu ein Gehweg zwischen Ober- und Uhlandstraße und mehr Querungsmöglichkeiten.

Vorschläge für den Zugang und das Renaturieren der Marlach.
Vorschläge für den Zugang und das Renaturieren der Marlach.

Hieran anknüpfend könnten die beiden Ortsteile stärker zusammenwachsen, indem auf den Ackerflächen zwischen der Sporthalle des TV Hochdorf und dem Mutterstadter Weg – also südlich der Ludwigshafener Straße – ein Neubaugebiet mit verschiedenen Wohnformen für ältere Menschen entsteht. Als Beispiele nannten die Studierenden Mehrgenerationenhäuser und betreutes Wohnen, das alles ergänzt um eine Multifunktionshalle, die auch als Bürgersaal und für den Schulsport dienen könnte. Vorstellbar ist auch die Dirt-Bike-Bahn, die hierfür verlegt werden müsste, Flächen für Freizeitsport und wiederum entsprechende Begrünung. Rund um den nahen Edeka-Markt seien zudem ein Seniorentreff und auf dem Parkplatz ein Wochenmarkt denkbar, samt E-Ladesäule, Rezeptsammelstelle, Parklets und Packstation. Auf diese Weise könne eine neue Dorfmitte entstehen, die zugleich den Markt-Standort stärke. Bei dem Wochenmarkt könnten sich die Betreiber der örtlichen Hofläden zusätzlich präsentieren und neue Kunden gewinnen.

Daneben empfehlen die Studenten den Hochdorf-Assenheimern, eine soziale Achse zu schaffen. Darunter verstehen sie das Aufwerten von Plätzen zu Treffpunkten, die attraktive, sichere Fuß- und Fahrradwege verknüpfen. Dazu zählen sie den Krückelplatz, den Bereich des alten Bahnhofs beim Restaurant „Kastanie“ und den Platz an der katholischen Kirche. Darüber hinaus regen die baldigen Master-Absolventen an, den westlichen und südlichen Ortsrand „einzugrünen“.

Ideen zum Umgestalten des Rathausplatzes im Ortsteil Assenheim wurden hier zu Papier gebracht.
Ideen zum Umgestalten des Rathausplatzes im Ortsteil Assenheim wurden hier zu Papier gebracht.

Natur, die verbindet

Die Marlach fließt durch beide Ortsteile, ist jedoch kaum zugänglich. Vor allem in Hochdorf könnte das ein Fuß- und Radweg relativ leicht ändern, der an ihrem Ufer entlangführt, Sitzgelegenheiten bietet und mit Spielplätzen sowie Trittsteinen an manchen Stellen den Bach für Jung und Alt erlebbar macht. Um Aufenthaltscharakter und Hochwasserschutz zu verstärken, raten die RPTU-Studierenden zudem zum Renaturieren des Gewässers. In Assenheim wiederum gelte es zu überlegen, wie die Marlach überhaupt erst mal sichtbarer gemacht werden kann.

Naturnäher sollte aus ihrer Sicht auch der Platz am Historischen Rathaus in Assenheim gestaltet werden. Möglich wären schattenspendende Bäume, eine begehbare Wasserfläche und Sonnensegel. Sinnvoll sei darüber hinaus Photovoltaik-Anlagen auf den umliegenden Dächern.

Mit mehr Begrünung der Hitze entgegenwirken

„Sie verfügen in Ihrer Gemeinde über ein wertvolles ökologisches Gut“, macht einer der Studenten den Gästen klar. Damit meinte der junge Mann die vielen privaten Gärten. In deren hinterem Bereich könnten die Eigentümer der oft länglichen Grundstücke eine Art Grüne Zone erhalten. Die solle auf keinen Fall bebaut werden und falls doch mal ein Stückchen benötigt werde, müsse dafür im vorderen Bereich ein Ausgleich geschaffen werden. Firmen, deren Grundstücke sich nicht weiter begrünen lassen, sollten stattdessen die Dächer ihrer Betriebsgebäude möglichst umfangreich begrünen.

Das sind Anregungen zum Neugestalten der Ludwigshafener Straße.
Das sind Anregungen zum Neugestalten der Ludwigshafener Straße.

Auffällig viel Wert legen alle Gruppen auf mehr Begrünung aus einem triftigen Grund: dem Klimawandel. Von dem werde Hochdorf-Assenheim stark betroffen sein. Mehr Grün im Dorf könne den steigenden Temperaturen entgegenwirken, da es Feuchtigkeit binde und einen kühlenden Effekt habe. Dazu komme der Wohlfühl- und Erholungsfaktor, weshalb auch die Friedhöfe zu Kühloasen für die Sommermonate entwickelt werden sollten. Zunehmend wichtig werden außerdem das Entsiegeln von Flächen und ein nachhaltigerer Umgang mit Regenwasser.

Besondere Rolle der Bauern

Die Landwirtschaft ist für Hochdorf-Assenheim nach wie vor wichtig und prägend, ihre positiven Effekte würden aber oft nicht wahrgenommen. Daher sollten die Bauern ihr Image unter anderem in den sozialen Medien aufpolieren, ihre qualitativ hochwertigen saisonalen Produkte ergänzend zu den Hofläden online besser bewerben und die Bevölkerung mehr einbinden. Letzteres könne mit Kreativhallen, Gemeinschaftsgärten und Pflanzmöglichkeiten für Kita-Kinder gelingen. Außerdem könnten, nachdem sich ein Landwirt aus dem Geschäft zurückzieht, dort auch Ferienwohnungen angeboten werden.

Eine Anregung haben die Studenten auch für die Felder zwischen Ludwigshafener Straße und Autobahn: Dort könnten Bauern mit Hilfe von Agri-Photovoltaik einen Solarpark erschaffen, der aus Sonnenkraft Strom erzeugt und parallel einen Großteil der Ackerflächen weiter bewirtschaften.

Im zweiten Teil des Abends tauschen sie sich etwas mehr als eine Stunde lang mit interessierten Gästen über ihre vielen Ideen aus. Ortsbürgermeister Walter Schmitt (FWG) ist sehr zufrieden, die Rückmeldungen seien durchweg positiv. Der Gedanke, von den Masterstudenten neue Impulse zu bekommen, sei voll aufgegangen. Natürlich lasse sich nicht alles eins zu eins und vor allem nicht sofort umsetzen. „Aber da sind bestimmte Dinge dabei, die vielleicht in 20 Jahren wichtig werden. Wir werden das im Bauausschuss aufarbeiten und wollen alles in einer weiteren Präsentation zum Beispiel im Historischen Rathaus erneut vorstellen“, erklärt er auf Nachfrage. Manches könne die Kommune auch nicht allein entscheiden, das Neugestalten der Ludwigshafener Straße etwa. Der hierfür zuständige Landesbetrieb Mobilität habe aber die Bereitschaft signalisiert, über die Ideen zu reden.

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