Speyerer Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Spargelbauern ziehen Halbzeit-Bilanz

Wächst derzeit auf einigen Feldern und ist kein Anzeichen dafür, dass die Spargelsaison schon vorüber ist: Spargelkraut.
Wächst derzeit auf einigen Feldern und ist kein Anzeichen dafür, dass die Spargelsaison schon vorüber ist: Spargelkraut.

Die Landwirte im Speyerer Umland haben in den vergangenen Wochen Blut und Wasser geschwitzt. Nicht, weil die Ernteprognose so schlecht aussah, sondern weil aufgrund der Corona-Pandemie Helfer fehlten. Anfang April ging’s los mit der Ernte. In den vergangenen Tagen wurden bereits Äcker gesichtet, auf denen grünes Kraut in die Höhe schoss. Ist das ein Indiz für das Ende der Saison?

„Es ist noch genug Spargel da“, beruhigt Tim Ballreich, der den Martinshof in Dudenhofen leitet, beim Anruf der RHEINPFALZ. Die Saison dauere jedes Jahr bis zum 24. Juni. In diesem Jahr habe das Königsgemüse eine gute Qualität. „Dafür war die Menge nicht allzu hoch“, sagt Ballreich. Nichtsdestotrotz: Die Preise seien mit zunehmender Ernte in den Keller gegangen, zu Ungunsten der Landwirte, klagt der Spargelbauer. Später lenkt er mit Blick auf die zu erwartende Ernte-Entwicklung bis zur letzten Spargelfuhre im Juni aber ein, dass die Preise schon in Ordnung seien.

Die wegen der Corona-Pandemie drohenden Probleme, die Stangen rechtzeitig vom Acker zu kriegen, hat Ballreich rechtzeitig ausgehebelt und seine Erntehelfer aus Rumänien eingeflogen. Bei aller Bürokratie und allen Maßnahmen, die dafür ergriffen werden mussten: Die Arbeitsprozesse konnten laufen und das tun sie weiterhin bis zum Ende der Saison.

„Preis eingependelt“

Ballreichs Kollege Frank Schmidt, der seinen Spargelhof in Hanhofen führt und ebenso wie seine Berufskollegen momentan alle Hände voll zu tun hat, ist froh, dass der Laden läuft. „Es sieht gut aus“, sagt er. „Trotz aller Hindernisse haben wir die Ernte mit einheimischen und auswärtigen Helfern gut hinbekommen“, zieht Schmidt eine Zwischenbilanz.

Auch er spricht von einer guten Qualität, schönem Spargel und nennt die Preise stabil. Schmidt hat anders als andere Landwirte kein konkretes Datum für das Ende der Spargelzeit. „Ich werde noch bis Mitte Juni ernten“, umreißt er grob den Zeitraum.

Thomas Beck, dessen Spargelhof in der Harthauser Straße in Dudenhofen ist, spricht von einem Preis, der sich eingependelt hat. „In den vergangenen Tagen ist er ein bisschen runtergegangen, im Moment zieht er wieder an, da die Mengen geringer werden“, erklärt er die Zusammenhänge. Zuletzt lag der Kilopreis für Spargel der ersten Klasse bei zwölf Euro, für Spargel der zweiten Klasse mussten, je nach Optik, zwischen sieben und zehn Euro bezahlt werden.

Grundsätzlich sei die Ernte etwas geringer ausgefallen als im Vorjahr, meint Beck. Was die Qualität angeht, ist auch von ihm kein kritisches Wort zu hören. Im Gegenteil. Der Landwirt betont: „Es waren sehr schöne Stangen dabei und alle waren sehr zart.“

Beck kann auch erklären, was es mit dem bereits vorhandenen grünen Spargelkraut auf einigen Feldern zu tun hat: „Das sind Flächen, in denen früh mit der Pflanzung der Spargel begonnen wurde, oder es sind Junganlagen, auf denen vorerst nur in der Hälfte der Zeit gestochen werden kann.“ Das Spargelkraut, das beim Einstellen der Ernte sprießt, habe eine nicht unbedeutende Wirkung. „Es ist wichtig, damit wieder Nährstoffe in den Boden gelangen“, erklärt Beck. Durch das grüne Gewächs werde Energie in der Erde eingelagert. Diese trage dazu bei, dass der Spargel in der kommenden Saison wieder wächst und gedeiht. Die Landwirte lassen das Spargelkraut üblicherweise bis zum ersten Frost im Herbst auf den Feldern stehen. Je länger, desto besser für die Ernte im Folgejahr.

Lob für Kunden

Beck kennt sich aus mit verschiedenen Spargelsorten, weil er diese auch anpflanzt. „Die frühen Spargel, die wir bereits Ende März eingesetzt haben, nehmen wir aktuell weg“, sagt er. Auch für Beck waren die vergangenen Wochen wegen der Anforderungen durch Corona nervenaufreibend. „Wir haben unsere Erntehelfer per Charterflugzeug zu uns geholt. Das waren eine Menge Stress und Papierkram, gepaart mit der Angst der Menschen, dass etwas passiert – aber wir haben es geschafft. Es war viel Glück dabei“, denkt der Landwirt zurück.

Lob hat er für die Kunden übrig, die seine Produkte im Hofladen kaufen. Maskenpflicht und Abstand werden beachtet. „Alle waren froh, vor Ort bei uns einkaufen zu können“, hat er in den vergangenen Wochen mitbekommen.

Für Beck ist der Stichtag für das Ende der Spargelzeit ebenfalls der 24. Juni. Wer denkt, die neue Saison beginnt erst im kommenden Jahr, irrt allerdings. Für Beck startet die bereits im November. Dann werden die Felder gerichtet, die im Februar mit Folie abgedeckt werden, um im nächsten Frühjahr wieder das Königsgemüse ernten zu können.

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