Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel So macht Dampfnudelkönig Lothar Distler die perfekte Kruste

Lothar Distler macht die besten Dampfnudeln, finden viele Mutterstadter.
Lothar Distler macht die besten Dampfnudeln, finden viele Mutterstadter.

Wer liebt sie nicht, die Dampfnudel? Eine ureigene Pfälzer Spezialität. Auch wenn die Bayern gerne behaupten, sie hätten sie erfunden. So ein Quatsch. Aber wer traut sich selbst ran an den Dampfnudeltopf? Lothar Distler aus Mutterstadt tut es. Der 82-Jährige ist schließlich der Dampfnudelkönig. Zu Recht? Eine Dampfnudelprobe.

Lothar Distler ist mit so viel Power und Entschlossenheit am Werk, dass einem beim Zuschauen beinahe schwindelig wird. Der Teig in der Schüssel jedenfalls gibt auf, hält sich nicht länger an der Wand fest und klammert sich nicht weiter an den Rand. „Ja, jetzt kommt er. Jetzt wird er richtig. Sehen Sie, die Schüssel ist sauber“, ruft der 82-Jährige. Genug geknetet. Der Teig liegt ergeben in der Schüssel. Wird leicht mit Mehl bestäubt und mit einem Tuch abgedeckt. Jetzt darf er ruhen und aufgehen.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Der Teig muss fluffig, die Kruste salzig und goldbraun sein, ob die Dampfnudel nun mit Kartoffelsuppe, Wein- oder Vanillesoße gegessen wird. Darin sind sich die Pfälzer einig. Und sie lieben ihre Hefeteigspezialität und verteidigen sie – vor allem gegen lästige Bayern, die gerne mal behaupten, die Dampfnudel erfunden zu haben, und die Unart besitzen, die Hefekugel in Milch und mit Zucker auszubacken. Verrückt. 2008 hätte es beinahe mal einen Dampfnudelgipfel gegeben, als der damalige Landwirtschaftsminister Hendrik Hering fürchtete, sein bayerischer Kollege könnte die Mehlspeise EU-weit als landestypische Spezialität schützen lassen. Das konnte verhindert werden. Wäre ja noch schöner.

Kein Dampfnudelblues

Dass der Pfälzer die Dampfnudel liebt, heißt allerdings nicht, dass er sie auch backen kann. Manche trauen sich gar nicht dran. Andere versuchen es, geben aber auf, wenn der Kloß eingefallen, die Kruste verbrannt ist. Das Resultat im Mülleimer landet und Dampfnudelblues aufkommt. Nicht bei Lothar Distler. Der gebürtige Schauernheimer, der heute in Mutterstadt lebt und am Herd steht, hat sich das Dampfnudelmachen beigebracht und Pfanne für Pfanne zum Meister gesteigert. Ach was, Meister. König! Dampfnudelkönig. Zu diesem hat ihn gerade eine Gruppe ehrenamtlich aktiver Schauernheimerinnen gekürt, denen er für ein Jubiläumstreffen 80 unten perfekt gebräunte Hefeklöße servierte. Lothar Distler bleibt bescheiden. Wir müssen ihn später ermuntern, zum Servieren seiner Dampfnudeln die gebastelte Krone aufzusetzen.

Der Teig muss gut durchgeknetet werden.
Der Teig muss gut durchgeknetet werden.

Aber stopp. Soweit sind wir noch nicht. Doch wo fangen wir mit der Geschichte an? Vielleicht mit dem Telefonanruf, bei dem wir Lothar Distler bitten, mit uns Dampfnudeln zu backen, und er sofort ja sagt. Nicht weil er angeben will. Sondern weil er glaubt, wir RHEINPFALZ-Redakteure müssten mal etwas Anständiges in den Magen bekommen. Er war dann etwas perplex, dass wir nicht nur zum Futtern kommen wollen, sondern mit Kamera, Mikrofon, Block und Kuli anrücken werden, um sein Dampfnudelwirken in Schrift, Bild und Ton festzuhalten.

„Wie mit Rieslingschorle“

Und so stehen wir schließlich in einer kleinen, gemütlichen Küche in der Mutterstadter Schulstraße und lassen uns von Lothar Distler zunächst einmal zeigen, was alles in sein Hefeteig-Grundrezept kommt. 500 Gramm Mehl, 50 Gramm Butter, 50 Gramm Zucker, 25 Gramm Hefe, ein Viertelliter Milch, zwei Eier, eine Prise Salz. „Die Zutaten habe ich alle aus der Region. Auch das Mehl“, sagt er und betont: „Das ist wie mit einer Rieslingschorle. Der Wein muss gut sein, dass Wasser auch. Sonst schmeckt sie nicht. Auf die Zutaten kommt es an.“

So sieht der perfekte Dampfnudelteig aus.
So sieht der perfekte Dampfnudelteig aus.

Das Mehl kommt gesiebt und mit einer Prise Salz in eine Schüssel. Mit dem Löffel wird eine Mulde hineingedrückt, in der die Hefe mit etwas Milch und Zucker aufgelöst wird und eine erste Runde gehen darf. Eier, Milch, Zucker und Butter kommen in einen Topf, werden angewärmt, und alles wird zu einer Masse verrührt. Dafür nutzt Lothar Distler ein Handrührgerät. Der Rest ist Handarbeit. Wenn der Vorteig fertig ist, kommt die Masse aus dem Topf dazu. Nicht alles auf einmal. Die Konsistenz muss stimmen. Und dann knetet und knetet und knetet Lothar Distler, bis ihm beinahe schwindelig ist und der Teig ergeben in der Schüssel liegt. „Ob ich das in zehn Jahren noch mache?“, fragt sich Distler. Und wir sind ganz sicher: Ja, wird er. Dampfnudelkönig-Ehrensache.

Sein Können hat sich herumgesprochen

Während der Hefeteig auf der Terrasse in der Sonne ruht, nehmen wir im Wohnzimmer auf dem Sofa Platz und erfahren, dass Lothar Distler fast 30 Jahre lang in Berlin gelebt hat. 2002 kam der gebürtige Schauernheimer, nachdem seine Frau gestorben war, zurück in die Pfalz. Inzwischen ist er seit 18 Jahren mit seiner Lebensgefährtin Gerlinde Hornickel zusammen. Und fast genauso lange backt er Dampfnudeln. Aber auch sehr leckere Kuchen. „Ich muss ihr ja etwas bieten“, sagt er und grinst schelmisch. Sein Können hat sich herumgesprochen – nicht nur in seinem immer noch geliebten Schauernheim wird Lothar Distler an den Dampfnudeltopf gebeten. Freunde und Bekannte fragen danach. Oder eben die Familie. Und für die backt er seine Dampfnudeln besonders gerne. „Die kommen später auch zum Essen dazu“, verkündet er.

70 Gramm muss eine Dampfnudel wiegen.
70 Gramm muss eine Dampfnudel wiegen.

Eigentlich sitzt nur der Besuch auf dem Sofa. Lothar Distler steht, redet, hantiert. Der Teig ruht. Er nicht. Aber auch diese Phase des Dampfnudelbackens geht vorbei, und nach einer knappen Stunde ist der Teig genug gewachsen. „Ich lasse ihn manchmal noch länger gehen, aber ihr habt ja bestimmt Hunger“, ruft er und verschwindet mit der Schüssel in der Küche. Wir hinterher. 70 Gramm wiegt eine Kugel. Lothar Distler sitzt vor der Küchenwaage und rollt und rollt. Bis aus all dem Teig 20 Teile geworden sind. Die müssen noch mal 15 Minuten unter einem frischen Geschirrtuch gehen. Der gusseiserne Dampfnudeltopf mit Glasdeckel – dadurch kann man das Geschehen auf dem Herd gut beobachten – wird bereitgestellt. Ein Wasserglas und ein Schnapsglas. Was es damit wohl auf sich hat?

Auf einmal ist es still

Der große Moment ist da. Der Herd ist eingeschaltet. 200 Milliliter Wasser (dafür das große Glas) und ein Schnapsglas voll Rapsöl kommen in die Pfanne. Dazu Salz. Sind Wasser und Fett heiß, lässt Lothar Distler die ersten vier Teigportionen in den Topf. Deckel drauf. Küchenuhr an. Zwölf Minuten. Dann wissen wir, ob Lothar Distler die Dampfnudelkönigkrone zu Recht trägt. Auf einmal ist es still in der Küche. Sogar der Gastgeber ist auffällig ruhig. Er wird doch nicht nervös sein? Lothar Distler lächelt. „Die ersten vier, das ist doch immer wieder spannend.“

Am besten eignet sich ein Topf mit durchsichtigem Deckel.
Am besten eignet sich ein Topf mit durchsichtigem Deckel.

„Es fängt leicht an zu zischeln, wenn die Flüssigkeit weg ist.“ – „Am besten durch den Glasdeckel beobachten, was im Topf los ist.“ – „Meine Oma hat immer gesagt, wenn Dampfnudeln fertig sind, fangen sie an zu singen“: Man hört die unterschiedlichsten Tipps, wann eine Dampfnudel gar sein soll. Die allerwichtigste Grundregel beim Zubereiten von fluffigen Dampfnudeln ist jedoch, den Deckel während des Dämpfens auf keinen Fall anzuheben, denn die Dampfnudeln könnten dabei zusammenfallen. Pfff. Lothar Distler pfeift auf Grundregeln und singende Dampfnudeln. Er hebt tatsächlich zwischendurch den Deckel hoch. „Alles paletti“, sagt er und strahlt. Und als leichte Röstaromen aufsteigen, ist der große Moment gekommen.

Der 82-Jährige hat sich für Kartoffelcremesuppe und Vanillesoße entschieden. Der runde Tisch in der Essecke ist gedeckt. Der Enkel trudelt ein. Die Tochter von Gerlinde Hornickel kommt herein. Ein Bekannter kommt zufällig vorbei. Oder hat er es geahnt, was auf den Tisch kommt? Die RHEINPFALZ-Crew sitzt natürlich schon. Wir müssen schließlich was Anständiges in den Magen bekommen. Alle lachen, als wir von dem Telefonat mit Lothar Distler erzählen. Dem Anfang unserer Geschichte auf der Suche nach der perfekten Dampfnudel. Ach so. Die braucht natürlich auch ein Ende. Und ja, es wird ein Happy-End. Kein Dampfnudelblues. Die ersten vier Dampfnudeln kommen perfekt geformt, goldbraun gekrustet und – der erste Biss verrät’s – superfluffig auf den Tisch. Die anderen 16 im Übrigen auch. Und was fragt Lothar Distler: „Schmeckt’s euch wirklich?“

Aufruf

Sie backen selbst Dampfnudeln? Sie finden, Sie sind auch ein König oder eine Königin und könnten Lothar Distler den Rang streitig machen? Sie haben Tricks und Tipps oder manch nette Geschichte rund um die Pfälzer Dampfnudel? Dann schreiben Sie uns an redrpk@rheinpfalz.de.

Das Ergebnis sieht lecker aus.
Das Ergebnis sieht lecker aus.
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