Dudenhofen / Harthausen RHEINPFALZ Plus Artikel Saatkrähen fallen über Kohlrabifeld her

Das Feld: Auf der gesamten Fläche zwischen Dudenhofen und Harthausen haben die Saatkrähen Löcher ins Vlies gepickt und die Pflan
Das Feld: Auf der gesamten Fläche zwischen Dudenhofen und Harthausen haben die Saatkrähen Löcher ins Vlies gepickt und die Pflanzen aus dem Boden gezogen.

Das Vlies, mit dem Landwirt Thomas Reeb sein Kohlrabifeld zwischen Dudenhofen und Harthausen abgedeckt hat, ist komplett durchlöchert. An hunderten Stellen haben Saatkrähen den Stoff durchgepickt und die jungen Pflanzen herausgezogen. Der finanzielle Schaden ist enorm. Doch gegen die geflügelten Vandalen können der Bauer und der zuständige Jäger kaum etwas machen.

„In dem Ausmaß habe ich das noch nicht erlebt“, sagt Thomas Reeb, während er auf das Feld der Verwüstung blickt, das die Saatkrähen hinterlassen haben. Auf rund 10.000 Euro schätzt er den Schaden. „Das Schlimme ist, dass ich nicht liefern kann und die Händler sich jemand anderen suchen“, sagt er. Die Kohlrabipflanzen, die verstreut auf dem Vlies liegen, waren gerade einmal zehn Tage alt. Es sei schwierig, kurzfristig Ersatz zu bekommen. Und selbst wenn er das Feld in Teilen neu bepflanzen kann, stellt sich das Problem, dass die übrig gebliebenen und die neu gesetzten Pflanzen nicht zum gleichen Zeitpunkt geerntet werden können. „Ein Riesenaufwand“ sei das alles, klagt Reeb.

Volker Ballreich ist der Jagdpächter für das betroffenen Gebiet. Ihn stört, dass den Jägern bei Saatkrähen die Hände gebunden sind, da die Tiere geschützt sind. „Wir dürfen jagdlich nicht eingreifen“, sagt er. Dabei führe das Treiben der Vögel zu hohen wirtschaftlichen Schäden. „Wenn das einem Landwirt zwei- oder dreimal passiert, ist das existenzbedrohend“, glaubt Ballreich. Erst wenn die Pflanzen etwas größer sind, ist die Gefahr gebannt, weil die Vögel sie dann nicht mehr aus dem Boden ziehen können.

Auch auf Mais abgesehen

Kreisjagdmeister Bernhard Sona aus Harthausen kennt das Problem. „Im vergangenen Jahr gab es in der gleichen Ecke einen ähnlichen Schaden an Maispflanzen“, berichtet er. Die Saatkrähen hätten dabei ebenfalls junge Pflanzen aus dem Boden gezogen und Teile davon gefressen. Bei den Kohlrabipflänzchen geht es den Vögeln offenbar nicht einmal um die Nahrung, denn gefressen haben sie laut Landwirt Reeb fast nichts. „Das sind schon auch Spaßvögel“, versucht sich Volker Ballreich an einer Erklärung. Was für die Tiere also möglicherweise ein Zeitvertreib ist, tut den Bauern richtig weh, zumal es laut Reeb keine Versicherung gibt, die derartige Schäden abdeckt.

Wenn es sich um nicht so streng geschützte Vögel wie Rabenkrähen oder Ringeltauben handelt, kann die Kreisverwaltung laut Sona einen sogenannten Vergrämungsabschuss anordnen, um die Tiere zu vertreiben. Voraussetzung ist, dass der Landwirt glaubhaft beschreiben kann, dass die Vögel für Schäden verantwortlich sind und dass andere Methoden nicht geholfen haben. „Es geht dabei um einzelne Abschüsse, zeitlich und zahlenmäßig begrenzt“, stellt Ballreich klar. Ziel sei die Abschreckung. Seien erst ein paar Vögel geschossen, blieben auch die anderen weg.

Auch wenn sie sich ihrer Verantwortung für den Vogelschutz bewusst seien – dass die Saatkrähe immer noch streng geschützt ist, finden Sona und Ballreich nicht mehr gerechtfertigt. Als vor Kurzem ein Mitarbeiter des Landesamts für Umwelt in der Region war, sei jenem auch die Frage gestellt worden, warum dies noch so sei. „Die Antwort war, dass die Zahl früherer Bestände noch nicht wieder erreicht ist“, berichtet Sona. „Ich bezweifle das etwas“, ergänzt er. Seit ein bis zwei Jahrzehnten beobachte er, wie sich die Tiere ausbreiteten und auch verstärkt dauerhaft in der Region blieben, also kein Zugvogel-verhalten an den Tag legen. Laut den Naturschützern vom Nabu gibt es in Deutschland derzeit zwischen 54.000 und 64.000 Saatkrähen-Brutpaare. Von Rabenkrähen kann man sie laut Sona unter anderem durch den weißgrauen Wulst am Schnabel unterscheiden.

Vertreiben fehlgeschlagen

Die Jäger waren auch schon mit Vogelschützern in Kontakt. Diese hätten unter anderem geraten, schwarze Federn zu verteilen. Dies wirke abschreckend. „Für so eine große Fläche ist das aber praktisch nicht möglich“, sagt Sona. „Außerdem sind die Tiere clever. Deshalb bringt auf Dauer auch eine Vogelscheuche nichts“, ergänzt Ballreich. An akustische Signale gewöhnten sie sich ebenfalls. Und rund um die Uhr ihre Felder bewachen können die Bauern natürlich auch nicht. „Ich habe versucht, sie zu verjagen. Aber wenn ich 500 Meter weg bin, sind sie schon wieder da“, sagt Landwirt Reeb.

Der Landwirt: Thomas Reeb mit herausgerissener Pflanze.
Der Landwirt: Thomas Reeb mit herausgerissener Pflanze.
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