Schifferstadt
Relief erinnert an Ringerlegende Wilfried Dietrich
Das Interesse war enorm, der Zeitpunkt während des Frühlingsmarkts gut gewählt: Sehr viele Schifferstadter versammelten sich, um bei der Enthüllung des Denkmals dabei zu sein. „Wir freuen uns über die große Resonanz“, sagte Berthold Heberger, Seniorchef der Baufirma Heberger und seit seiner Jugend Freund und Förderer der Ringersports. Er hatte die Idee, ein deutlich sichtbares Ehrenmal für Wilfried Dietrich in der Stadt zu errichten. Die Fassade des von der Firma Heberger gebauten Hauses in der Hauptstraße 17-19 bot nun dafür den geeigneten Platz. Das Bild ist über dem Eingang, darunter eine Texttafel.
Der Vorsitzende der Kultur- und Sportvereinigung (KuS), Wolfgang Knobloch, brachte die Bedeutung des Olympiasiegers, mehrfachen Welt- und Europameisters und vielfachen Deutschen Meisters auf den Punkt: Wo immer man im Ausland Schifferstadt als Heimat nenne, habe das Gegenüber schon davon gehört, und kenne Wilfried Dietrich, der als „Kran von Schifferstadt“ auf der ganzen Welt bekannt sei.
Spät entdeckt und sehr erfolgreich
Wilfried Dietrich wurde 1933 in Schifferstadt geboren. Er war schon 18 Jahre alt, als sein Talent als Ringer entdeckt wurde. Seine Sportlerlaufbahn begann mit dem Schifferstadter Verein für Kraftsport (VfK) im Jahr 1951, und schon 1955 erreichte er einen sechsten Platz im griechisch-römischen Stil bei den Weltmeisterschaften in Karlsruhe. Ein Jahr später gewann er die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Melbourne, ebenso 1960 in Rom, wo er im Freistil sogar Gold gewann. In Tokio holte er 1964 Bronze im griechisch-römischen Stil, und noch einmal 1968 in Mexiko im Freistil. 1972, er war fast 40 Jahre alt, trat Dietrich bei den Olympischen Spielen in München an. Dort gewann er keine Medaille, aber es gelang ihm der wohl spektakulärste Moment in der Geschichte des olympischen Ringens: Er schaffte es, den gut 200 Kilo schweren Amerikaner Chris Taylor mit einem Überwurf auf die Matte zu legen. Diese Szene ist nun auf der Fassade in der Hauptstraße 17-19 verewigt.
Grundstock für Ringermuseum
Bürgermeisterin Ilona Volk (Grüne) berichtete von den bisherigen Ehrungen der Ringer-Legende: 1969 sei Dietrich Ehrenbürger der Stadt geworden und die Ringerhalle wurde nach ihm benannt. Das farbige Relief in der Hauptstraße zeige dauerhaft die besondere Bedeutung Dietrichs für die Stadt.
Jürgen Fouquet, Gründer des Schifferstadter Ringermuseums, erinnerte, dass Dietrichs sportlicher Nachlass der Grundstock des Museums wurde. Er zeigte mit aktuellen Medaillen, darunter die 2021 in Tokio errungene Bronze-Medaille von Denis Kudla, dass der Ringersport in Schifferstadt weiter gepflegt werde. Auch Landrat Clemens Körner (CDU) sprach ein Grußwort.
Das etwa drei mal drei Meter große Betonbild ist ein Flachrelief mit einigen ausgearbeiteten Konturen. Farblich ausgestaltet hat es der Schifferstadter Künstler Martin Eckrich. Gegossen hat das Bild Karl-Ernst Both, Chef der Firma Biber-Beton in Karsdorf (Sachsen-Anhalt).
Das Verhältnis Dietrichs zu seiner Heimatstadt war nicht ungetrübt: 1971 ging er zum ASV Mainz 88, wo er bis 1978 aktiv war. Auch verlegte er seinen Wohnsitz nach Speyer. Später zog er nach Kapstadt in Südafrika, wo er 1992 im Alter von 58 Jahren einem Herzinfarkt erlag. Dietrich wurde in einem Ehrengrab auf dem Schifferstadter Waldfriedhof beigesetzt.