Römerberg
Ortschef thematisiert zum Jahreswechsel Gemeinschaftssinn
Wegen der Corona-Pandemie waren die Neujahrsempfänge 2021 und 2022 ausgefallen. „Corona hat unser Zusammen auf eine schwere Probe gestellt“, sagte Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) bei seiner Begrüßung. Er erinnerte daran, dass diese Zeit durch „Lockdown, soziale Distanz, Homeoffice, Abstand und Quarantäne bestimmt gewesen sei. Ende 2020 habe er aufgrund der vielen Todesfälle zahlreiche Kondolenzkarten unterschreiben müssen – eine beklemmende Erfahrung für ihn. Auch wenn sich die Hoffnung erfüllt habe, dass es 2021 wirksame Impfstoffe geben würde, sei das Virus „noch lange nicht besiegt“, ist er überzeugt. Nicht zuletzt wegen der vielen Fälle von Long Covid.
Das Vereinsleben war in den schlimmsten Pandemiemonaten weitgehend zusammengebrochen. Umso mehr freute es Hoffmann, dass der Musikverein Berghausen zum Bürgerempfang wieder Musik beisteuerte, zum Beispiel aus der TV-Serie „Game of Thrones“. Zum Dank übergab der Bürgermeister dem Leiter des Ensembles, Werner Spranz, ein Weinpräsent. Der Auftritt der Sternsinger, die Geldspenden für etliche Projekte weltweit sammeln, und ein Beitrag des gemischten Chors des MGV Frohsinn unter der Leitung von Thomas Kästner schrieben ebenfalls Traditionen fort. Die beiden Vereine planen bereits Konzerte und Theateraufführungen im laufenden Jahr.
Reißende Bäche in Mechtersheim
Hoffmann erinnerte an eine extreme Folge des Klimawandels, die Römerberg traf: an den Starkregen am 8. Juni 2021 kurz nach 19 Uhr, der zu einer Überflutung und zu Schlamm in mehreren Straßen in Mechtersheim führte. Nachdem binnen 15 Minuten fast 60 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen waren, strömten die Wassermassen von höher gelegenen Flächen wie reißende Bäche die Hänge hinunter. „Feuerwehren aus dem gesamten Landkreis waren im Einsatz“, blickte er zurück. Zwei Menschenleben seien zwischenzeitlich in Gefahr gewesen. Auch Gebäude in Heiligenstein und Berghausen waren betroffen.
„Untersuchungen und Planungen für Schutzmaßnahmen wurden beauftragt und sind in Arbeit. Provisorische Maßnahmen wurden getroffen“, berichtete der Ortsbürgermeister über den Prozess der Bewältigung des Ereignisses, von dessen Ablauf Videos gezeigt wurden. Eine der vorläufigen Vorkehrungen, der „mittlerweile nur noch in Google Earth sichtbare Schutzwall von Mechtersheim“, sei leider nicht zielführend gewesen. „Mit der Aufarbeitung werden wir 2023 noch beschäftigt sein“, so Hoffmann.
Menschen flüchten vor dem Krieg
Das vergangene Jahr sei vom Krieg in der Ukraine geprägt gewesen. „Das Wort Kriegsangst ist auch in Deutschland wieder zurückgekehrt“, befand Hoffmann. „Es kamen auch wieder Flüchtlinge in Römerberg an: Kinder, ihre Mütter und die Großeltern. Römerberg und unsere Nachbargemeinden haben geholfen und helfen immer noch“, sagte Hoffmann. Und so wurden später auf der Bühne der Rhein-Pfalz-Halle Ehrenamtliche geehrt, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren.
Der Römerberger Bürgermeister ist angesichts des großen bürgerschaftlichen Engagements in den vergangenen beiden Jahren „optimistisch, dass wir 2023 vieles zusammen schaffen werden“. Zu den Projekten der Verwaltung zählt er die erste kommunale Kita am Tafelsbrunnen, neue Fahrradboxen beziehungsweise Erweiterungen an den Bahnhöfen in Berghausen und Heiligenstein, den ersten Abschnitt der Pendlerradroute zwischen diesen beiden Bahnhöfen, den Ausbau der Park-and-Ride-Plätze in Heiligenstein und Fortschritte bei Planungen wie dem Bau der neuen Kindertagesstätten in Heiligenstein und Berghausen.
Zum Neujahrsempfang gehören Produkte aus der Region. Die Veranstaltung ist eine Art Leistungsschau der Erzeuger regionaler Nahrungs- und Genussmittel. Die Gäste griffen gerne zu: Es gab Kartoffeln mit Kräuterdip vom Mechtersheimer Hofladen, Brezeln der Bäckerei Berzel aus Speyer, Baguette mit Käse vom Bund der Selbständigen, Spirituosen der Brennerei Haußbrand, Biere der Holystoner Brauwerkstatt, Apfelsaft von Jester’s Hofladen, Wein vom Betrieb Tobias Schmidt und landestypische Spezialitäten, die von der Ukraine-Hilfe serviert wurden.
Ehrenamtliche für Engagement ausgezeichnet
Die Corona-Pandemie sowie die Not und das Elend seit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine haben Römerberger zum Handeln bewegt. Für Hilfe nah und fern haben Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) und Verbandsbürgermeisterin Silke Schmitt-Makdice (SPD) eine ganze Reihe dieser Bürgerinnen und Bürger beim Neujahrsempfang in der Rhein-Pfalz-Halle geehrt.
Die von Mitgliedern des FV Berghausen gegründete Initiative „FVB.HILFT!“ hat in der Corona-Krise in Not geratenen Menschen beigestanden. Dafür bekam FV-Vorsitzender Andreas Zimpelmann am Freitagabend 1000 Euro für den Verein. Das Geld stammt aus der sogenannten Nikolausspende der Sparkasse Vorderpfalz. Deren Mitarbeiter Jürgen Lerch hatte den Scheck zum Empfang mitgebracht. Für sein Engagement während der Pandemie hat der FV vergangenes Jahr auch den ersten Preis der Sepp-Herberger-Stiftung bekommen. Die Idee zu „FVB.HILFT!“ hatte Andreas Ruhnke, wie in einem Video zu sehen war.
Hilfskonvois fahren nach Polen
Weitere 1000 Euro gingen von der Ortsgemeinde an den Verein „Süd-West Sonne für die Ukraine“, der beim Neujahrsempfang von Dawid Dymek, Dorothee Schäfer und Patric Wegner vertreten wurde. Kurz nach Kriegsausbruch nahmen die späteren Vereinsgründer an Demonstrationen teil und organisierten Hilfskonvois, die nach Polen fuhren. Zig Tonnen Hilfsgüter verschiedener Spender aus der Region transportierten sie zu Notleidenden und etliche Kriegsflüchtlinge brachten sie in Deutschland in Sicherheit. Hoffmann sagte dem FV und der Ukraine-Hilfe zusätzlich jeweils eine 500-Euro-Spende der Ortsgemeinde zu.
Bürgermeisterin Schmitt-Makdice übergab 1000 Euro aus der Nikolausspende, die die Verbandsgemeinde erhalten hatte, an Käthe Maier, die Vorsitzende des Seniorenclubs Römerberg. Er organisiert zahlreiche Aktivitäten für ältere Bürgerinnen und Bürger. Darüber hatte Jan Ochsner ein Video gedreht, das beim Empfang zu sehen war.
Als Flüchtlingshelferin ist Käthe Maier außerdem von Ortsbürgermeister Hoffmann neben Gunda Lindler, Stefanie Ackermann und Joanna Mrozik geehrt worden. Regelmäßige Treffen von Einheimischen und Asylsuchenden, eine Kleiderkammer und eine Fahrradwerkstatt zählen zu den Einrichtungen der Gruppe und zu den Verdiensten der Frauen.
Zahlreiche Stunden ehrenamtlicher Arbeit leisteten auch die Bürgerbusfahrer Lorenz Sternberger, Ludger Kuhlmann, Manfred Kinscherff und Harald Frey sowie Claus Spindler, der allerdings nicht anwesend war. Seit Mitte 2020 ist in Römerberg ein neuer Bürgerbus im Einsatz.