Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Nils Lange aus Bobenheim-Roxheim hat beim Freiwilligendienst in Peru das Projekt gewechselt

Im botantischen Garten fühlte sich Nils Lange zuletzt überflüssig. Nun arbeitet er zumeist vor dem Computer, fühlt sich bei der
Im botantischen Garten fühlte sich Nils Lange zuletzt überflüssig. Nun arbeitet er zumeist vor dem Computer, fühlt sich bei der neuen Arbeitsstätte aber angekommen.

Die Zeit rast im Urwald. So kommt es Nils Lange zumindest vor. Denn in den vergangenen Wochen hat sich unheimlich viel getan im Leben des Bobenheim-Roxheimer, der für elf Monate einen Freiwilligensienst in Peru absolviert. Im Telefongespräch mit der RHEINPFALZ berichtet er von Selbstzweifeln, einer Odysee durch mehrere Krankenhäuser und einem neuen Projekt.

Wenn man mit dem einzigen Mitbewohner nicht so richtig klar kommt, kann das zuweilen anstrengend sein. In Deutschland würde man sich vermutlich einfach aus dem Weg gehen, in Peru hingegen sei das schwierig, meint der 19-Jährige. Vor allem dann, wenn auch noch Regenzeit herrscht und im botanischen Garten – Nils’ Arbeitsstätte – kaum etwas zu tun ist.

Dass die Chemie zwischen ihm und seinem Mitbewohner nicht stimmt, das wusste Nils Lange schon von Beginn an. Somit war die Freude groß, als sich im Januar ein Wechsel abzeichnete. Doch auch mit dem Neuzugang konnte sich der Bobenheim-Roxheimer nicht so richtig anfreunden. Erste Selbstzweifel keimten bei ihm auf. „Ich wusste nicht mehr, ob es an mir liegt“, erzählt Lange. Hinzu kam die Langeweile. Denn nicht nur die Regenzeit verhinderte das Arbeiten, auch die Touristen seien im botanischen Garten zuletzt ausgeblieben. Zudem fühlte er sich von seiner Organisation im Stich gelassen. Dort hatte er nach der Finanzierung für die Einrichtung einer Werkstatt für ein Upcycling-Projekt gefragt. „Um wenigstens etwas Produktives leisten zu können“, meint Lange. Doch eine Antwort blieb aus. „Ich wollte etwas tun, konnte aber nicht“, berichtet der 19-Jährige. Überflüssig sei er sich zu diesem Zeitpunkt vorgekommen und habe sogar mit dem Gedanken gespielt, einfach die Koffer zu packen und nach Hause zu fliegen.

Dazwischen kam ihm dann ein fünftägiges Seminar, das die Organisation zur Halbzeit des Projekts anbot. Dort erfuhr Nils Lange von einem anderen Projektplatz und wechselte kurzerhand. Statt um die Pflege des botanischen Gartens, kümmert sich der 19-Jährige nun seit einigen Wochen um die Förderung der Kultur der indigenen Bevölkerung. Bei seiner neuen Arbeitsstätte ist der Bobenheim-Roxheimer vor allem für Kommunikation und soziale Medien zuständig. Die meiste Zeit verbringt er vor dem Computer. „Das war zwar nicht ganz mein Plan, aber ich sehe hier, dass man wirklich etwas bewegen kann“, erzählt er und spricht von einer „totalen Verbesserung“. Auch abseits der Arbeit fühlt sich Nils Lange nun angekommen. Mit zehn anderen Freiwilligen wohnt er gemeinsam in einem Haus. „Und wir verstehen uns alle super.“

Dass die medizinische Versorgung in Südamerika bei Weitem nicht mit der in Deutschland zu vergleichen ist, das musste Nils Lange zu Beginn des Jahres auch bereits feststellen. Ein entzündetes Augenlid war bei ihm so sehr angeschwollen, dass er zeitweise fast blind gewesen sei, erzählt Lange. Im ersten Krankenhaus habe man ihn nach Hause geschickt mit der Bitte, in einigen Wochen wieder zu kommen. Neun weitere Hospitäler musste Lange abklappern, bis er in einer Privatklinik mit Antibiotika und Schmerzmitteln behandelt wurde. „Da hatte ich schon richtig Panik“, erzählt er.

Doch nun geht es dem 19-Jährigen wieder gut. Erst kürzlich besuchten ihn seine Eltern, gemeinsam verbrachte die Familie zwei Wochen im Süden von Peru. Und auch der Rückflug für Mitte August sei von seiner Organisation schon gebucht worden. Dabei würde Nils Lange eigentlich gerne noch einen Monat länger bleiben. „Es fühlt sich gerade richtig und gut an, was ich mache“, sagt er.

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