Mutterstadt
Mehr Platz für Kinder und Familien
Es ist das letzte Mal, dass Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) zum Pressegespräch für den alljährlichen Rückblick aufs vergangene und die Vorschau fürs kommende Jahr geladen hat. An seiner Seite – wie seit vielen Jahren – Kämmerin Elke Helm und Büroleiter Gunther Holzwarth. Doch von Abschiedsstimmung sei nichts zu spüren, sagt er. Zu sehr sei er noch mitten in seinen Amtsgeschäften. Noch ein gutes halbes Jahr hat er vor sich, dann endet seine Amtszeit altersbedingt.
Mit Mutterstadt hinterlässt er eine Gemeinde, die als Wohnort an Attraktivität gewonnen hat. Das liegt unter anderem an der guten Anbindung an Ludwigshafen und Mannheim, die 2021 noch einmal mit der Buslinie zwischen Limburgerhof, Mutterstadt und Oggersheim ausgebaut wurde. „Und die wird auch regelmäßig genutzt“, sagt Schneider, müsse aber noch bekannter werden. Ein Meilenstein für die Kommune und für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Ort wäre die Straßenbahnanbindung ab dem Alten Friedhof. „Die benötigten Flächen hätten wir“, sagt der Bürgermeister. Doch die Realisierung sei noch Zukunftsmusik aus weiter Ferne.
70 Kita-Plätze fehlen
Zuzug bedeutet aber auch mehr Kinder im Ort. Und das macht der Gemeinde seit Jahren zu schaffen. Das liegt nicht an den Kindern, sondern an den Schwierigkeiten, genügend Kita-Plätze anzubieten. „Derzeit fehlen 70 Plätze“, berichtet Schneider. Um dem entgegenzuwirken, soll in der kommunalen Kita Haus des Kindes eine zusätzliche Gruppe eröffnet werden, ebenso in der protestantischen Kita 2 im Blockfeld. Dafür werden die Räume in diesem Jahr umgebaut. So wolle man die prekäre Situation entschärfen. „Vorausgesetzt, wir finden das Personal“, benennt Schneider, ein weiteres Problem, vor dem Kommunen bundesweit stehen.
Diese Notlösung soll so lange bestehen bleiben, bis der Kindercampus an der Pestalozzi-Grundschule voraussichtlich 2024 den Betrieb aufnimmt. Die Pläne für den Neubau der Kita dort mit sieben Gruppen, des Horts und der gemeinsamen Mensa sowie für die Neugestaltung des Schulhofs liegen der Kreisverwaltung zur Genehmigung vor. „Wir hoffen, dass wir im ersten Halbjahr 2023 den ersten Spatenstich setzen können“, sagt Schneider. Der Kindercampus wird eine der größten Investitionen in der jüngeren Geschichte der Gemeinde. Rund 14,5 Millionen Euro Gesamtkosten sind derzeit dafür berechnet. Das sind mehr, als die Ortskernsanierung (etwa 6,5 Millionen Euro) und der Bau des Palatinums (7,4 Millionen Euro) zusammen gekostet haben. Für Schneider ist das Projekt aber absolut notwendig.
Wie dringend mehr Platz für Betreuung benötigt wird, zeigt der Umstand, dass mit diesem Schuljahr die vierten Klassen der Pestalozzi-Grundschule ins Haus der Vereine und in Container davor ziehen mussten. Auch eine Notlösung bis zum Kindercampus-Start. „Doch die Kinder und Lehrer haben sich im Haus der Vereine gut eingelebt“, berichtet der Bürgermeister. Das Pestalozzi-Schulgebäude wurde 2021 renoviert und soll mit Fertigstellung des Kindercampus-Projekts um vier Klassen und vier Betreuungsräume erweitert sein.
2022 ist dort die Turnhalle weitestgehend generalsaniert worden. In diesem Jahr werden die Arbeiten fertig sein. Die Kosten von 1,55 Millionen Euro konnten zu fast 90 Prozent aus Landesfördermitteln finanziert werden. Die Mandelgraben-Grundschule wird in diesem Jahr nach und nach saniert. „1,5 Millionen wollen wir da investieren, zum Beispiel in die Dacherneuerung, die Sanitäranlagen und IT“, sagt Kämmerin Elke Helm.
Zum Sporteln nach der Schule haben die größeren Kinder und Jugendlichen nun auch wieder auf dem Bolzplatz Am Speyerer Weg genügend Gelegenheit. Der wurde für rund 200.000 Euro saniert, nachdem die Geräte in die Jahre gekommen waren und vor allem der Platz selbst ständig unter Wasser stand und kaum noch genutzt werden konnte. „Das ist nun unser schönster Spielplatz“, meint Schneider.
Bald wieder ein Jugendtreff
Am Sportpark (neben dem Gewerbegebiet An der Fohlenweide) sollen 2023 die Beregnungsanlage überarbeitet und die sanitären Anlagen saniert werden. Außerdem möchten die Vereine einen Bewirtschaftungscontainer aufstellen. Dafür muss die Gemeinde Versorgungsleitungen verlegen. Für alles zusammen sind 100.000 Euro eingeplant.
Ein weiteres Angebot für Jugendliche soll noch in der zweiten Jahreshälfte 2023 wieder ermöglicht werden: der Jugendtreff. 400.000 Euro sollen 2023 und noch mal 50.000 im Jahr danach in den Ausbau gesteckt werden. Der Jugendtreff, wie auch die Bibliothek, sind die beiden Einrichtungen, die mit dem Umbau der Neuen Pforte ertüchtigt werden. Die Bibliothek bekommt eine neue Decke, Elektrik und einen neuen Bodenbelag. Kosten: etwa 145.000 Euro. Im vergangenen Jahr wurde das Gebäude der Neuen Pforte entkernt. Treppenhaus, Fenster sowie Verkabelung wurden für rund 500.000 Euro erneuert. Und das Rathaus soll 2023 für 250.000 Euro einen neuen Anstrich bekommen, genauer die Fassade und Fenster. Kurz vor der Inbetriebnahme steht das neue Regenrückhaltebecken an der Integrierten Gesamtschule, das nun fertiggestellt wurde. Insgesamt fünf Millionen Euro hat die Gemeinde investiert, um für Starkregenfälle gerüstet zu sein.
Das möchte man auch für die stetig steigende Nachfrage nach Grundstücken und Wohnraum in Mutterstadt. Die Möglichkeiten der Kommune sind dabei aber begrenzt. Eine ist die Erschließung des etwa 20 Hektar großen Neubaugebiets Süd. „Damit wir das aber auch realisieren, müssen wir etwa ein Drittel der Flächen in unseren Besitz bringen“, sagt Schneider. Nur so können die politisch gewünschten sozialen Projekte umgesetzt werden. Für den Ankauf hat die Gemeinde vier Millionen Euro in den Haushalt 2023 eingestellt. Auch der soziale Wohnungsbau bleibt ein Thema: Die Gebäude in der Bleichstraße sollen abgerissen und neu gebaut werden. Für 2023 ist eine Million Euro eingeplant. Richtig los geht es wahrscheinlich erst in den Jahren danach. Insgesamt fünf Millionen möchte die Kommune investieren.
Alles in allem wird, wie in den Jahren zuvor, kräftig in die Infrastruktur investiert. „Auch wenn noch nicht alles fertig ist“, wie Schneider einräumt. Einen Sanierungsstau hinterlässt der Bürgermeister aber nicht. Auch die Finanzen seien solide. Laut Schneider mussten in den vergangenen Jahren keine Kredite aufgenommen werden. „Für den Kindercampus werden wir das aber tun müssen“, sagt er. Ende 2021 hat Mutterstadt noch rund 4,8 Millionen Euro Schulden. Dennoch: Zum gleichen Zeitpunkt hat die Gemeinde den höchsten Stand an Eigenkapital seit Einführung der Doppik 2009 – das sind etwa 102,3 Millionen Euro, 2009 waren es 98 Millionen Euro.
Ab diesem Jahr profitiert Mutterstadt unter anderem vom geänderten kommunalen Finanzausgleich. „Dadurch fließen 820.000 Euro mehr in die Kasse“, rechnet Kämmerin Elke Helm vor. Und die Anhebung der Grundsteuerhebesätze spült noch mal rund 700.000 Euro mehr in die Kasse. Der Effekt: Das Minus im Ergebnishaushalt des Haushaltsplans 2023 ist mit 380.000 Euro deutlich geringer als in den Vorjahren. Für 2022 betrug es zum Beispiel 2,56 Millionen Euro, derzeit beträgt es noch 1,8 Millionen Euro.
Schneider kann zufrieden gehen. Drei Kandidaten kandidieren für sein Amt, gewählt wird am 5. März. Der amtierende Bürgermeister wird sich hüten, eine Wahlempfehlung abzugeben. Einen Wunsch hat er aber: Der Neue sollte für wichtige Entscheidungen größtmöglichen Konsens bei den Kommunalpolitikern, der Verwaltung und den Bürgern finden. „Das schont Ressourcen, die besser für die Aufgaben für die Kommune investiert werden“, sagt er aus seiner 16-jährigen Erfahrung.
Neujahrsempfang
Die Gemeinde lädt alle Mutterstadter für Sonntag, 8. Januar, 15 Uhr, zum Neujahrsempfang ins Palatinum ein. Höhepunkt ist der Auftritt des Kurpfälzer Comedians Chako Habekost. Der Eintritt ist frei.