Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Katholische Frauen verkünden Gottes Wort

In Mutterstadt verteilen die Wortgottesleiterinnen als Kommunionshelferinnen auch die Hostien in ihren Gottesdiensten.
In Mutterstadt verteilen die Wortgottesleiterinnen als Kommunionshelferinnen auch die Hostien in ihren Gottesdiensten.

Sie springen ein, wenn Not an Pfarrern ist – die Wortgottesleiterinnen von Mutterstadt. Vier sind nun offiziell vom Bistum Speyer für die Pfarrei Heiliger Sebastian ernannt worden.

Wortgottesleiterin – was für ein sperriges Wort. Als hätten diejenigen, die das Amt ins Leben gerufen haben, verzweifelt versucht, es in einem möglichst kurzen Wort zu erklären. Vielleicht liegt es auch daran, dass das Amt schon sehr alt ist, denn das gibt es theoretisch schon seit Mitte der 1970er-Jahre. Und das ist besonders, denn es können Männer wie Frauen ausführen , was im katholischen Kirchenleben ein Umstand ist, der expliziter Erwähnung bedarf.

Doch bisher waren ihre Dienste nicht so dringend gefragt wie derzeit und in naher Zukunft, denn die ausgebildeten Ehrenamtlichen halten Gottesdienste, wenn der Pfarrer verhindert ist. In Zeiten von Priestermangel und größer werdenden Pfarreien wird es für die zuständigen Pfarrer immer schwieriger, in jeder Kirchengemeinde wöchentlich einen oder gar zwei Gottesdienste anzubieten. Für die Pfarrei Heiliger Sebastian, zu der die katholischen Gemeinden Mutterstadt, Dannstadt, Schauernheim, Rödersheim und Hochdorf gehören, sind Pfarrer Michael Hergl und Pater Jaimon Vaniyapurackal zuständig. Wie gesagt, ein großes Gebiet mit vielen Gemeinden.

Bereits seit vielen Jahren in der Kirche engagiert

Unterstützt werden die beiden schon seit einiger Zeit von Wortgottesleiterinnen aus Mutterstadt, die nun ganz offiziell vom Bischof dazu beauftragt wurden: Es sind Martina Englmann, Lucia Görtz, Verena Hüther und Evi Muy. In Dannstadt werden sie von zwei Wortgottesleitern unterstützt. Die vier Frauen sind liturgisch in Mutterstadt im Kommunionhelfer- und Lektorendienst sowie in der musikalischen Gestaltung der Gottesdienste schon lange aktiv. Zudem engagieren sie sich bereits seit vielen Jahren in der Mutterstadter Gemeinde ehrenamtlich. Für sie ist der katholische Glauben ein wichtiger Bestandteil in ihrem Leben – und damit hat jede die besten Voraussetzungen für das Amt der Wortgottesleiterin, wie Martina Englmann berichtet.

Auch sie hat sich von der Ausbildung, die das Bistum Speyer vor einigen Jahren angeboten hat, sofort angesprochen gefühlt. Seit ihrer Kindheit und Jugend ist Martina Englmann in der Kirchengemeinde aktiv, organisierte Jugendtreffs oder singt zum Beispiel seit vielen Jahren in der Band Regenbogen, die ihr Mann Karl Georg Englmann gründete und die bei Gottesdiensten auftritt. Bis heute kümmert sie sich unter anderem um den Kirchenschmuck und ist im Vorstand des Pfarreirats aktiv. „Wäre ich Protestantin, wäre ich wohl Pfarrerin geworden“, sagt sie frei raus. Ein Theologie-Studium hätte sie schon sehr interessiert, aber für eine Katholikin sei die berufliche Karriere nach dem Studium ungewisser als für Männer. „Hätte ich damals keinen Job als Pastoralreferentin bekommen, hätte ich mit dem Studium nichts anfangen können“, erzählt sie. Sie entschied sich für eine Ausbildung zur Medizinisch-technischen Assistentin, was sie nie bereut habe. Bis zur Geburt der Kinder, sie hat mittlerweile zwei erwachsene Töchter, habe sie in diesem Beruf sehr gerne gearbeitet. Mit dem Ausstieg aus dem Beruf hatte sie auch Zeit für ihr Ehrenamt.

Frauen vermitteln aus einer anderen Perspektive

Selbstverantwortlich einen Gottesdienst zu gestalten und zu leiten, das hat sie gereizt. Und sie sieht darin auch eine Chance, Kirche ein Stück zeitgemäßer zu gestalten. „Wir Laien sprechen eine andere Sprache als ein Pfarrer, wir haben nicht den typischen theologischen Wortschatz“, sagt sie, möchte das aber nicht als Kritik verstanden wissen. Alle vier Frauen, sie sind im Alter zwischen 63 und 77 Jahren, haben Familie und ein Berufsleben gehabt, also einen ganz anderen Lebensweg als ein Kleriker. Das wirke sich auf den Inhalt des Gottesdienstes aus. Denn: Jeder, der einen solchen gestaltet, möchte Gottes Botschaft verkünden und den Besuchern etwas mit auf den Weg geben, erklärt die Katholikin. Und dafür schöpfe man aus der Bibel und aus dem eigenen Leben und seinen Erfahrungen. Diese andere Perspektive sei Teil der Veränderung, der sich auch die Kirche stellen möchte, meint Martina Englmann. „Denn: Nichts ist im Leben so beständig wie die Veränderung!“, sagt sie. Und auch die Kirche könne und müsse sich den veränderten Lebensumständen anpassen und immer die Menschen im Blick haben.

Sie gebe ihrem Gottesdienst immer ein Leitthema, einen roten Faden, so dass die Besucher auch etwas in ihren Alltag mitnehmen können. „Und ich versuche immer, authentisch zu sein; eben nicht: Wasser predigen und Wein trinken.“ Sie hofft, dass der Laiengottesdienst eines von mehreren veränderten Angeboten wird, der die Gläubigen wieder in die Kirche bringt, denn sie weiß: Der Weg in das Gebäude Kirche, der werde für viele immer schwerer.

Manche akzeptieren Laien-Gottesdienste nicht

Bisher kamen ihre Gottesdienste auch sehr gut bei den Besuchern an. Zumindest bei denen, die sich darauf eingelassen haben. „Leider habe ich es auch schon erlebt, dass Leute die Kirche verlassen haben, als sie bemerkten, dass eine Frau den Gottesdienst leitet“, erzählt Martina Englmann. Solche Reaktionen sieht sie entspannt, jeder müsse sich auf seine Art damit auseinandersetzen. „Viele freuen sich aber, dass es mutige Frauen wie uns gibt, die Gottes Wort weitergeben“, sagt sie.

Auch Clemens Schirmer vom Bischöflichen Ordinariat berichtet von unterschiedlichen Reaktionen. Seit 2015 bildet er Wortgottesleiter für das Bistum Speyer aus, insgesamt gebe es 180. „Die meisten Gläubigen atmen auf und befürworten diesen Gottesdienst, gestaltet aus einem anderen Lebenskontext“, sagt er. Die künftigen Leiter werden an drei Ausbildungstagen geschult und bei einer praktischen Übung vor Ort angeleitet und vom Pastoral-Team unterstützt. Darüber hinaus werden fortwährend Material und Fortbildungen angeboten. „Und wir unterstützen uns gegenseitig sehr“, sagt Martina Englmann, so übernehme etwa eine andere Wortgottesleiterin die Lesung, Fürbitten oder ein Gebet.

„Es gibt noch schwarze Flecken“

„Die Leute, die sich für das Amt interessieren, sind hochmotiviert“, sagt Clemens Schirmer, es sei eine Freude, mit ihnen zu arbeiten. Die Ausbildung kann jeder Katholik ab 18 Jahren in Anspruch nehmen. Fast alle seien bereits in ihrer Pfarrei engagiert – und der jeweilige Pfarreirat hat den Wunsch gehabt und die Zustimmung zur Ausbildung gegeben. Das sei auch wichtig, damit der Wortgottesdienst von den Gemeindemitgliedern angenommen werde. Es gebe da durchaus regionale Unterschiede. „Wir haben noch schwarze Flecken“, sagt Schirmer, mit anderen Worten: Es gibt noch Pfarreien ohne Wortgottesleiter. Und es gebe Pfarreien, da werden die Gottesdienste sehr klassisch von den Laien gehalten, weil es die Gemeinde so wünscht. So ist die sonntägliche Eucharistie während des Gottesdienstes für manche Katholiken immer noch sehr wichtig. Doch das ist dem Priester vorbehalten, wie auch die Sakramente, wie die Taufe oder die Kommunion. In den Jahren wurde das, was gewünscht und nach Kirchenrecht erlaubt ist, immer auch hinterfragt und diskutiert, informiert Schirmer, etwa das Spenden der Hostie oder das Segnen. Im Bistum Speyer dürfen die Pfarreien entscheiden, ob Wortgottesleiter einen Segen aussprechen dürfen. Da möchte man die jeweiligen Wünsche der Gemeinde berücksichtigen. Ziel sei es, sonntags einen Gottesdienst in der Gemeinde feiern zu können, der genauso wertig ist, wie einer, den ein Pfarrer hält. Denn: „Alles ist besser als eine geschlossene Kirche am Sonntag“, sagt Clemens Schirmer.

Nun vom Bischof offiziell zu Wortgottesleiterinnen ernannt: Martina Englmann, Lucia Görtz, Evi Muy und Verena Hüther. Sie unters
Nun vom Bischof offiziell zu Wortgottesleiterinnen ernannt: Martina Englmann, Lucia Görtz, Evi Muy und Verena Hüther. Sie unterstützen Pfarrer Michael Hergl.
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