Rhein-Pfalz-Kreis / Mutterstadt
Gemüsegarten Pfalz soll eine Marke werden
Ein wenig unbeholfen sahen die Gäste mit ihren dicken VR-Brillen aus, wie sie da so im Besprechungsraum des Pfalzmarkts standen und auf die ungewöhnliche Präsentation für die Presse warteten. Die neu gegründete Initiative Gemüsegarten Pfalz GbR mit Sitz in Neustadt wurde damit vorgestellt. Auf einmal standen sie mitten im Salatacker. Vor ihnen tauchten Peter Steegmüller und Dieter Stubenbordt, zwei Landwirte aus der Südpfalz, mit einer Salatkiste auf – erst virtuell und dann, nachdem man gebeten wurde, die VR-Brille abzunehmen, standen die beiden plötzlich ganz real im Besprechungsraum.
Landwirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) war mehr als begeistert, als das Gemüse plötzlich zum Greifen nah war. Ein zugegeben netter Show-Effekt, doch was hat das nun mit der Initiative zu tun? 125 Erzeuger haben ein Interesse: Ihre Branche noch viele Jahre hier in der Region zu erhalten und weiter auszubauen, erläutert Björn Wojtaszewski, Sprecher der Initiative. Dazu müsse die Arbeit der Erzeuger mehr wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Und dafür möchte man einige Betätigungsfelder beackern, um im Bild zu bleiben. Gesundes, erntefrisches Obst und Gemüse – das liege im Trend und sei wesentlicher Teil der Grundversorgung. Darum sei man überzeugt, dass hier im größten zusammenhängenden Gemüseanbaugebiet Deutschlands mit 9000 Hektar Anbaufläche viel Wachstumspotenzial liege. Die klimatischen Bedingungen stimmten wie auch die am Standort: Mit dem Beregnungsverband sei man bei Trockenperioden gut gerüstet, und mit den bestehenden Logistik- und Vertriebsmöglichkeiten könnten die Produkte erntefrisch in den Handel gebracht werden, führte Wojtaszewski weiter aus.
Ganz nah ran
Doch da gehe eben noch mehr. Und so versteht sich die Initiative unter anderem als Kontakt- und Informationsplattform für Endverbraucher, für bestehende und künftige Kunden, aber auch für Branchen aus dem Umfeld des Obst- und Gemüseanbaus. Es soll das Image der Landwirtschaft hier in der Region ausgebaut und und diese Traditionsbranche zu einer Marke etabliert werden, um möglicherweise in weitere Wirtschaftszweige vorzudringen und diese bestenfalls hier in die Region als Wirtschaftsfaktor zu locken. Ein Beispiel seien jene Technologien, die die Gäste beim Pressegespräch virtuell mitten auf den Acker katapultierten. Dafür sind bei der Initiative die MediaApes mit an Bord, ein junges Technologie-Unternehmen aus Neustadt.
Mit solchen kurzen 360-Grad-Filmen wolle man zum Beispiel den Verbraucher ganz nah ran an die Landwirtschaft bringen, ihn mitnehmen, quasi auf der Gefühlsebene packen, mit dem Ziel, dass dieser besser verstehe, wie die Lebensmittel heutzutage produziert werden. Solche VR-Brillen könnten zum Beispiel auf Messen oder im Einzelhandel an den Obst- und Gemüsetheken an Stelen aufgestellt werden. Im Fachjargon nennt sich das dann „emotionaler Verbraucherdialog“. „Vor allem die nächste Generation muss für solche Themen sensibilisiert werden“, sagt die Landwirtschaftsministerin. Erst wenn man verstehe, wie Gemüse hier vor Ort angebaut und wann es geerntet wird, können man es auch wertschätzen.
Neue Branchen ansprechen
Und es sei noch mehr geplant, erläuterte Wojtaszewski. Schon jetzt hätten sich in der Region Branchen angesiedelt, die Partner der Erzeuger sind. Weitere könnten folgen oder neue Partnerschaften entstehen, etwa aus den Bereichen Robotik, Vertrieb, Anbautechnologie, Logistik, Green-Tech, Energiedienstleister, Kreativwirtschaft, aber auch Hochschule und mehr. Die Initiative soll – kurz gesprochen – die Verbindung zur Marke Gemüsegarten Pfalz schaffen. Profitieren sollen davon dann alle 125 Erzeuger der Initiative. Das Besondere an der neu gegründeten Gemüsegarten Pfalz GbR (siehe „Zur Sache“) sei, dass sich hier eigentlich miteinander konkurrierende Unternehmen einer Region und Branche zusammengetan haben, meint der Sprecher. Der Pfalzmarkt als Genossenschaft stellt mit seinen aktiven Mitgliedern die meisten Erzeuger, die sich der Initiative angeschlossen haben, dazu kommen noch zehn freie Erzeuger mit ihrem eigenen Vertriebssystem.
Initiative firmiert als Gesellschaft
Die Gemüsegarten Pfalz Erzeuger GbR ist eine Initiative, die nach eigenen Angaben 125 Mitglieder hat und in Neustadt sitzt. Diese sind alle aktiven Erzeuger, die Mitglieder der Pfalzmarkt eG sind sowie zehn freie Erzeuger aus der Südpfalz. Geleitet wird die GbR von einem Beirat: In diesem sind Vertreter der Erzeuger aus der Vorderpfalz und der aus der Südpfalz. Die Vorderpfalz wird vertreten von den Pfalzmarkt-Vorstand-Mitgliedern Christian Deyerling und Hans-Jörg Friedrich. Die freien Erzeuger aus der Südpfalz werden von Peter Steegmüller (Weingarten) und Dieter Stubenbordt (Zeiskam) vertreten. Parallel dazu wurde die Gemüsegarten Pfalz Management GmbH gegründet, die für die Erzeuger GbR tätig werden soll. Im Team sind Rechtsanwalt Christian Stoermer aus Ludwigshafen, Sebastian Gsuck und Nûjîn Kartal von MediaApes aus Neustadt sowie Björn Wojtaszewski von PRplusCOM, auch aus Neustadt.doo