Jahresrückblick 2022 RHEINPFALZ Plus Artikel Frankenthaler Umland: Igelfreunde, Bürgerinitiativen und Wasserrohre

Der kleine Igel Leo in behutsamen Händen.
Der kleine Igel Leo in behutsamen Händen.

So manches hat unsere Leser im zu Ende gehenden Jahr verstört, vieles aber hat sie auch erfreut, weil es gute Nachrichten von Verbesserungen und Bürgerengagement auf dem Land waren. Auf jeden Fall war es nicht langweilig.

Igelfreunde gründen Beratungsstelle

Wie rette ich einen Igel, weil er im Winterschlaf gestört oder aber eingeklemmt wurde, als er von einem Holzstapel gepurzelt ist? Diese Frage können die Mitglieder der Bobenheim-Roxheimer Familie Wolfmüller beantworten. Die Kompetenz dazu haben sie sich über mehrere Jahre, in denen sie immer wieder auf Igel in Not getroffen sind, angeeignet. Dann entschließen sie sich, den Verein Igelfreunde Rhein-Pfalz zu gründen, der 2022 richtig in Fahrt kommt und alle berät, die einen hilflosen Igel finden. Sich die Telefonnummer zu merken, kann also nicht schaden: 06239 508077.

Michael Reith bleibt Verbandsbürgermeister

Mit dem sagenhaften Ergebnis von 75,9 Prozent der Wählerstimmen wird Michael Reith (SPD) aus Großniedesheim am 6. März im Amt des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim bestätigt. Da hinein kam er 2014, als die VG durch Fusion gegründet wurde. Sein einziger Herausforderer Gunter Steuer von der FDP, ein Lambsheimer, hatte vermutlich nicht wirklich damit gerechnet, den Verwaltungsfachmann mit dem Ruf des Kümmerers vom Chefsessel zu stoßen. Die beiden arbeiten weiterhin zusammen, denn Steuer ist Beigeordneter der VG.

Bürger planen Erlebnispfad am Palmberg

Die 2020 gegründete Bürgerinitiative (BI) „Gerolsheim bewegt sich“ ist zwei Jahre später immer noch aktiv, und wie! Das größte Projekt 2022: ein „Weinaktivlehrpfad“ im Naherholungsgebiet Palmberg in Zusammenarbeit mit der örtlichen Bauern- und Winzerschaft. Der Pfad wird im Februar im Gemeinderat angekündigt, im April mit Geld aus einem EU-Förderprogramm finanziert und ab Sommer angelegt. BI-Sprecherin Simone Ulrich vermeldet am Jahresende: Sitzgelegenheiten und Infoschilder über die Tierwelt am Palmberg sind montiert, der Barfußpfad ist vorbereitet und wird mit Naturmaterial gefüllt, das Bürger eigenhändig gesammelt haben. Zwischen den Jahren geht die Arbeit weiter, damit der Erlebnispfad am 30. April eingeweiht werden kann.

E-Carsharing hält Einzug in Verbandsgemeinde

Es hat ein bisschen länger gedauert als gehofft, aber im Spätherbst kann in Großniedesheim eine Ladestation für Elektrofahrzeuge installiert und ein E-Auto zum Ausleihen stationiert werden. Es ist das erste E-Carsharing-Angebot in der Verbandsgemeinde. Der Renault Zoe ist Eigentum der Stadtmobil Carsharing GmbH. Mit ihr haben die Stadtwerke Frankenthal einen Vertrag über zwei Jahre abgeschlossen.

Moderatoren animieren zur Dorferneuerung

Gleich in drei Gemeinden des Frankenthaler Umlands läuft die Dorferneuerung. Das ist ein vom Land geförderter Prozess, in dem die Einwohner sich mit Ideen und Tatkraft für Verbesserungen in ihrem Wohnort einbringen. In Dirmstein werden dem Gemeinderat die Ergebnisse schon bald präsentiert, in Heuchelheim und Großkarlbach ist man noch in der Arbeitsgruppenphase. Das heißt: In Kleingruppen tauschen sich Bürger zu gemeinsam festgelegten Themen wie Verkehr, Kultur oder Umwelt aus und entwickeln Projekte. Moderiert und unterstützt wird das alles von Profis aus der Stadtplanungs- oder Kommunikationsbranche. Die RHEINPFALZ begleitet beispielhaft die Dorfmoderation in Großkarlbach und ist gespannt, wie es dort im Januar weitergeht und was am Ende für die Eckbachgemeinde entwickelt wird.

Sechsmal platzen Wasserrohre

Warum bekommen es Großniedesheimer mit der Angst zu tun, wenn sie eine Wasserlache auf der Straße sehen? Weil im Frühjahr und Sommer 2022 im Ortskern sechsmal die unterirdische Wasserleitung geborsten ist. Ortsbürgermeister Michael Walther (SPD) sieht sein Dorf gern in der Zeitung, aber nicht mit so etwas. Zwischen 21. März und 28. Juni reißen nacheinander sechs Gussrohre in der Haupt- und der Kleinniedesheimer Straße. Die Folge: Haushalte haben zeitweise kein Trinkwasser, unterspülte Straßenabschnitte müssen aufwendig repariert werden, der Durchgangsverkehr wird umgeleitet.

Dorfchef Walther hat zum Jahresende noch ein anderes Folgeproblem. „Die Straßenmeisterei des Landesbetriebs Mobilität hat immer noch nicht die Fahrbahnmarkierungen aufgebracht“, ärgert er sich. Schilder allein seien zu wenig, um die Gefahrenstelle „abbiegende Vorfahrt“ an der Kirche zu entschärfen. Walther weiß, dass es dort jetzt immer wieder zu brenzligen Situationen kommt.

Lebenslänglich für Armbrustmörder

Ab Ende Juli wird vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Frankenthal ein brutaler Mordfall verhandelt. Tatwerkzeuge sind eine Armbrust, ein Seil und eine Plastiktüte. Der Mann, dem die Tötung eines Autowerkstattbetreibers in Waldsee vorgeworfen wird, hat zuletzt in Dirmstein gewohnt. Er streitet ab, den 64-Jährigen im Februar 2020 angeschossen, in die Werkstattgrube gestoßen, stranguliert und erstickt zu haben. Doch ein Zeuge sagt aus, dass der Dirmsteiner während seiner Untersuchungshaft mit dem Mord geprahlt habe.

In dem mehr als ein Jahr dauernden Indizienprozess werden sehr viele Zeugen und der Verfasser eines psychiatrischen Gutachtens gehört. Am 31. August fällt die Entscheidung: Der 52-Jährige Angeklagte wird wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Es wird überdies die besondere Schwere der Schuld festgestellt, sodass eine Entlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen ist.

Logistikzentrum am Palmberg

Im Februar nimmt die Winzergenossenschaft Vier Jahreszeiten ein „Generationenprojekt“ in Betrieb: das Logistikzentrum am Palmberg bei Laumersheim, in dem knapp drei Millionen Flaschen Wein lagern können. Die WG Palmberg gehört seit 2018 zu den Bad Dürkheimer Vier-Jahreszeiten-Winzern, und die wollen ihren Vertrieb effizienter machen, indem sie ab Ende 2019 in Laumersheim eine rund 10.000 Quadratmeter große Lagerhalle mit Abfüllanlage bauen. Man sieht sie, wenn man auf der Landstraße zwischen Gerolsheim und Großkarlbach fährt.

Was in der Halle, aber auch in dem alten Betriebsgebäude oberhalb alles möglich ist und passiert, zeigt der technische Betriebsleiter Stefan Bottlinger Anfang August einer Gruppe von Zeitungslesern, die schwer beeindruckt sind. Die Besichtigung im Rahmen der RHEINPFALZ-Sommertouren beginnt bei der Traubenannahmestelle und endet zwischen den Hochregalen mit Weinpaketen, wo das Logistik-Computerprogramm das Sagen hat.

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