Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Bewegungstreff: Mit und ohne Handicap unterwegs

Die Laufgruppe des Landessportbunds trifft sich zweimal pro Woche zum zwanglosen Laufen.
Die Laufgruppe des Landessportbunds trifft sich zweimal pro Woche zum zwanglosen Laufen.

Sich an der frischen Luft zu bewegen, macht in der Gruppe meist mehr Spaß. Daher gibt es in Bobenheim-Roxheim seit Kurzem regelmäßige Treffen für Menschen mit und ohne Behinderung, die Lust auf Spaziergänge haben. Aber das allein macht die Treffs nicht aus.

Ein Nachmittag am Altrhein: Die Frühlingssonne lockt Dutzende Spaziergänger nach draußen, die Parkplätze vor der Festwiese und oben am Binnendamm sind voll. Unten am Ufer wartet eine Gruppe auf weitere Mitstreiter. Einige kommen gut zu Fuß, mit Walking-Stöcken, aber auch mit Rollatoren, im Rollstuhl oder mit Hund im Gepäck.

„Bewegung macht Spaß, fördert die Gesundheit und stärkt die Gemeinschaft“, so steht es prominent auf dem Flyer der Landesinitiative „Land in Bewegung“, die Bewegungs- und Sportangebote im öffentlichen Raum, auf Plätzen, Grün- und Freiflächen, in Kommunen und in Sport- und Freizeiteinrichtungen einrichten will. Alle Angebote sind niederschwellig, kostenfrei und ausgerichtet auf behinderte und nicht behinderte Menschen jeden Alters. Der Inklusionsgedanke steht im Vordergrund.

Bunt gemischte Gruppe

So setzt sich die bunt gemischte Gruppe gemächlich in Bewegung. Diesmal geht es am Altrheinufer links herum. Es geht nicht um Streckenlänge und Geschwindigkeit, allein der Weg ist das Ziel. Laufen für alle in angenehmem Gesprächstempo. Mit dabei ist Holger Voll. Der Behindertenbeauftragte der Gemeinde unterstützt gemeinsam mit der Seniorenbeauftragten Sylvia Lobocki tatkräftig die Initiative. „Gelaufen wird bei jedem Wetter“ stellen die beiden klar.

„Regelmäßigkeit ist das Wichtigste“, meint Anna Pec-Schmitt vom Landessportbund. Sie ist Bewegungsmanagerin im Rhein-Pfalz-Kreis – eine von 30 pfalzweit – und möchte auch in Bobenheim-Roxheim ein Bewegungsnetzwerk knüpfen. Unterstützt wird sie von Sportinklusionslotsin Evi Weis. Die Treffs montags um 10 Uhr und mittwochs um 14 Uhr seien gedacht als niederschwelliger Einstieg für alle Menschen, die sich sonst eher wenig bewegen: „Wir sind offen für alle Altersgruppen, jeder ist eingeladen mitzumachen.“

„Mal raus“ trotz Rollator

Für Bobenheim-Roxheim verstehen sich Pec-Schmitt und Weis als Impulsgeberinnen, die nachhaltige Sportangebote anleiern und diese nach dem Partnerschaftsmodell mittelfristig in die Verantwortung lokaler Vereine abgeben wollen. Der Landessportbund wolle das mit 500 Euro unterstützen.

„Mal raus“ wollte Katharina Kaiser. Nach einem Herzinfarkt ist die Roxheimerin mit Rollator unterwegs und schon zum vierten Mal beim Lauftreff dabei. Während sie in der Gruppe das Unterwegssein genießt, passt ihre Tochter zu Hause auf den Hund auf. Neugierig auf das neue Angebot waren auch Michael Huber und Monika Ullmann-Huber. Neben der Bewegung ist den beiden auch wichtig, Menschen zu treffen und miteinander ins Gespräch zu kommen – zumal Michael Huber nach einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt.

Schwächstes Glied gibt Tempo vor

Keiner bleibt zurück, alle gehen gemeinsam: „Das schwächste Glied gibt das Tempo vor“, erklärt Seniorenbeauftragte Sylvia Lobocki, die vor einem Jahr am Knie operiert wurde. „Geht’s, Frau Traber“, fragt sie ihre Nebenfrau, die beharrlich ihren Rollator schiebt, und gesellt sich für einen Plausch zu ihr. Ob Enkel oder Homeschooling, die Pandemie oder die allgemeine Lage, Krankheiten und Gartenpflanzen – gesprochen wird über fast jedes Thema. Und dabei läuft es sich fast wie von selbst.

Der Weg führt über die Festwiese vorbei an den Sportplätzen bis zur 14er-Gaststätte. Hier verabschieden sich einige Teilnehmer. Die anderen gehen noch ein Stück weiter auf dem Binnendamm. Auch Andrea Muntz aus Bobenheim läuft weiter mit. Die Frührentnerin ist mit Walkingstöcken unterwegs. Sie lebt seit zwölf Jahren mit der Krankheit MS und fühlt sich beim Bewegungstreff von der Gruppe getragen. Sie schätzt die Zwanglosigkeit des Angebots. Sie habe festgestellt, dass regelmäßige Bewegung ihre Gehfähigkeit erhalte und man trotz körperlicher Einschränkungen „noch viel machen“ könne.

Noch Fragen?

Angebote, Infos und Tipps für Sport und Bewegung im eigenen Wohnumfeld unter www.land-in-bewegung.rlp.de.

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