VG Lambsheim-Heßheim RHEINPFALZ Plus Artikel Abluftanlagen sollen Corona-Gefahr in Grundschulen reduzieren

Im Klassenzimmer der 8b im Speyerer Schwerd-Gymnasium hängt bereits eine selbstgebaute Abluftanlage, die es bald auch in den Gru
Im Klassenzimmer der 8b im Speyerer Schwerd-Gymnasium hängt bereits eine selbstgebaute Abluftanlage, die es bald auch in den Grundschulen der VG Lambsheim-Heßheim geben soll.

In den vier Grundschulen der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim gibt es nach wie vor Wechselunterricht. Damit Schüler und Lehrer bestmöglich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt werden, sollen Abluftanlagen installiert werden. Beim Blick in die Zeitung hat Verbandsbürgermeister Michael Reith (SPD) eine Lösung gefunden. Doch die überzeugt nicht alle.

Die Technik, die hinter den riesigen Trichtern aus Kunststoff steckt, ist „beeindruckend und relativ simpel“, findet VG-Bürgermeister Michael Reith (SPD). Von den selbstgebauten Abluftanlagen hat er am Mittwochmorgen in der RHEINPFALZ gelesen – und den Artikel gleich mit in die jüngste Sitzung des Bauausschusses gebracht. In Schulen in Landau, Pirmasens und Speyer gibt es die Trichter schon, die wie große Suppenteller an den Decken der Klassenzimmer hängen. Angefangen hat alles in Mainz, mit zwei Wissenschaftlern am Max-Planck-Institut für Chemie.

Das „Mainzer Modell“ basiert auf dem physikalischen Prinzip, dass Menschen Wärme an ihre Umgebung abgeben. Die steigt nach oben und nimmt dabei winzige Schwebepartikel und Tröpfchen mit – auch Aerosolwolken, in denen Corona-Viren wabern könnten. Die ein Meter breiten Kunststoffschirme fangen dieses Gemisch auf. Ein Ventilator in der Außenwand des Klassenraums erzeugt einen Unterdruck und saugt die Luft dadurch nach außen ab. Durch ein gekipptes Fenster kommt gleichzeitig wieder frische Luft ins Klassenzimmer.

Material gibt’s im Baumarkt

„Damit könnten wir innerhalb kürzester Zeit alle 34 Räume in den vier Grundschulen ausstatten – auch die Lehrerzimmer“, hob Reith die Vorteile hervor. Und er betonte: „Die Kosten dafür halten sich im Rahmen.“ Schätzungsweise 300 bis 500 Euro müsse man pro Raum für die Materialkosten veranschlagen. Die Wickelfalzrohre, Kunststofffolien und anderen Bestandteile seien allesamt im Baumarkt zu finden. Hinzu kämen nur noch die Kosten für einen Elektriker, der die Anlagen ans Netz anschließe.

Zum Vergleich: Reith hatte das Thema Abluftanlagen auf Bitten des Schulelternbeirats aus Heßheim schon vor einiger Zeit auf die Tagesordnung der Sitzung gesetzt. Die Verwaltung hatte sich deshalb bereits kundig gemacht und geeignete Abluftanlagen vorgeschlagen, die bei einem Bruttopreis von mindestens je rund 2400 Euro liegen. Auch hier kämen die Kosten für den Elektriker, Strom und die Unterhaltung noch hinzu. Der Wechsel hin zum „Mainzer Modell“ sei spontan nach dem Erscheinen des Artikels passiert, erläuterte Reith in der Videositzung.

Als „falschen Ansatz“ und „Schnellschuss aus der Hüfte“ bezeichnete Torben Klink von den Freien Wählern den Vorschlag, in den Grundschulen in Heßheim, Beindersheim, Lambsheim und Großniedesheim solche selbstgebauten Abluftsysteme einzubauen. „Persönlich halte ich von solchen Anlagen nichts.“ Er plädierte stattdessen dafür, ein grundsätzliches Lüftungskonzept für alle Schulen zu entwickeln. Auch die spontane Planänderung der Verwaltung kritisierte er: „Uns wird hier einfach spontan ein Zeitungsartikel präsentiert.“ Reith entgegnete: „Wir haben jetzt die Pandemie und jetzt das Problem.“ Er stimmte jedoch zu, dass man langfristig an einem Lüftungskonzept arbeiten müsse. „Aber im Moment habe ich Bauchweh, dass wir nicht zu Potte kommen.“

Sebastian Weiß: Nur eine Corona-Lösung

Sebastian Weiß (SPD), Michael Schmitt (FWG) und Eduard Werner (Grüne) waren sich einig, dass man schnell und kostengünstig handeln müsse. „Die Anlage erscheint sehr effektiv“, urteilte Werner mit Blick auf die im Zeitungsartikel erwähnten jüngsten Messungen zur Aerosolbelastung in den Klassenzimmern. Um gut 90 Prozent könne diese durch die selbstgebauten Abluftanlagen reduziert werden. „Wir sollten aber auch vor Ort testen, ob es funktioniert“, bat er. Weiß betonte: „Das kann nur eine Corona-Lösung sein.“

Barbara Eisenbarth-Wahl (CDU) bat darum, die Gesamtkosten für das Projekt zu einem späteren Zeitpunkt vorzustellen und erkundigte sich nach den Personen, die die Anlagen letztlich einbauen sollen. Wie Reith mitteilte, habe er sowohl zwei Mitarbeiter des Lambsheimer Bauhofs und den VG-Hausmeister angefragt. Die drei Fachmänner würden die Abluftanlagen auf Stundenbasis installieren. Die Verwaltung wurde anschließend damit beauftragt, den Startschuss für die Umsetzung des „Mainzer Modells“ zu geben – und die Grundlagen für ein langfristiges Lüftungskonzept zu schaffen.

Zur Sache: Weitere Anschaffungen für Grundschule Beindersheim

Der Erweiterungsbau der Albrecht-Dürer-Grundschule in Beindersheim nimmt Form an: Der Rohbau steht bereits, und mit dem Innenausbau wurde begonnen. Jetzt sollen auch die Flur- und Verwaltungsbereiche sowie der Mehrzweckraum im Bestandsgebäude saniert werden, um ein einheitliches Bild von Neu- und Altbau zu schaffen. Das wünscht sich die VG-Verwaltung und will deshalb zusätzlich rund 48.000 Euro in die Hand nehmen. Wie Bürgermeister Michael Reith (SPD) in der Bauausschusssitzung mitteilte, entfiele der größte Teil auf Bodenbelagsarbeiten (21.000 Euro), rund 12.000 Euro seien für neue Möbel vorgesehen und je rund 5000 Euro für Putz- und Malerarbeiten. Mit weiteren rund 4000 Euro wolle man dem Wunsch der Schulleitung nachkommen und die Büros der stellvertretenden Leitung und Sozialarbeit sowie Klassen- und das Lehrerzimmer ausstatten. „Es wäre ein Schildbürgerstreich, wenn wir einen Teil neu machen und den anderen alt lassen“, sagte Reith. Über mehrere Jahre hinweg wolle man dann die Innengestaltung der „alten“ Klassenzimmer angehen. Dem stimmten die Ausschussmitglieder einstimmig zu.

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