Waldfischbach-Burgalben
Sven Hieronymus bringt alle zum Lachen
Der als „Rocker vom Hocker“ bei Radio RPR1 bekannte Sven Hieronymus, Baujahr 1967, ist wahrlich nicht auf den Mund gefallen. Mit den fast im Minutentakt geschilderten aberwitzigen Alltagssituationen riss er seine Fans am Samstag im Bürgerhaus Schuhfabrik in Waldfischbach-Burgalben von den Stühlen. Beispiel gefällig? „Bei Aldi oder Lidl versuche ich immer wieder, den Verbindungsriegel meines Einkaufwagens ins Münzpfandschloss zu stecken und es geht einfach nicht! Wie dumm kann man denn eigentlich sein?“
Sah man sich im Bürgerhaus um, war er nicht der Einzige mit solchen Erfahrungen, so manchem schossen vor Lachen Tränen in den Augen. Der Mittfünfziger aus Bodenheim bei Mainz lebt vor allem von seiner Spontanität, famoser Mimik sowie Gestik, treibt alles auf die Spitze und fand damit von Beginn an einen Draht zum Publikum. Die Zuschauer fraßen ihm quasi zwei Stunden lang aus der Hand
Hund wartete backstage
Als Running Gag diente dem Rocker der von seiner Frau im Portugal-Urlaub angeschaffte Hund, der sich angeblich im Backstagebereich befand. Sein Bellen wurde regelmäßig vom Band eingespielt. So kam Hieronymus immer wieder auf den Hund zurück. Als roter Faden seiner Show diente jedoch das Thema Ü-50. „Ich bin so alt, ich war schon Kellner beim letzten Abendmahl“, begann er seine Einschätzung des Alterns und erntete damit schallendes Gelächter.
„Früher gab’s noch den Bundeswehr-Wehrdienst, und man musste zur Musterung“, wandte sich der Komödiant an die jüngere Generation im Auditorium. Sein Gag von der Musterung zusammen mit den Kumpels Licht und Wicht, die sich taub stellten – der Rocker gab vor, gehbehindert zu sein – erwies sich als richtiger Schenkelklopfer: „Es klappte eigentlich recht gut mit unseren gespielten Leiden, aber der Arzt dort war ein richtiger Fuchs. Er holte eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank und fragte ganz leise, wer ein Bier haben wolle. „Dann riefen wir alle drei natürlich lauthals ,ich, ich’ und rannten zum Doktor.“ Augenscheinlich konnten sich zahlreiche Männer im Publikum noch lebhaft an die eigene Musterung erinnern und kamen aus dem Lachen kaum heraus.
Zwerchfellmuskelkater
Auch zu Partys als Ü-50er hat Hieronymus seine Meinung: „Ich bekam eine Einladung, in der stand, die Party beginne um 18 Uhr … Zu meiner Zeit gingen die Partys erst los, wenn es dunkel wurde! Außerdem soll ich einen Salat mitbringen. Ich! Habe dann halt einen Bitburger-Salat gemacht … Ihr wisst nicht, was das ist? Ganz einfach, eine Kiste Bitburger und ’ne Tomate oben draufgesteckt.“ Auf der Party angekommen, fand er unter den vorrätigen Getränken lediglich Jever Fun als Biersorte vor. „Geht’s noch? Wie soll ich denn von alkoholfreiem Bier Fun bekommen? Ich kann zwar auch ohne Alkohol lustig sein, aber sicher ist sicher“, so seine vorgetragene Einschätzung.
Dem Comedian gelang es, sein Publikum in die wie aus der Pistole geschossenen Sketche einzubauen. So entstand das wohlige Gefühl mittendrin, statt nur dabei zu sein. Hieronymus agierte im Bürgerhaus absolut authentisch, sprach vor allem seiner Generation aus der Seele und gab sich als Kumpel, mit dem man gerne mal ein Bier zischen möchte. Alles in allem bescherte der Rocker den zahlreichen Zuschauern wohl einen gewaltigen Zwerchfellmuskelkater am nächsten Morgen.