Pirmasens
Maike Müller schließt Lücke im Kulturamt der Stadt
Durchatmen ist angesagt im Kulturamt. Hoffnung auf eine bessere Zukunft in fachkundiger Hand statt weiter Durchwurschteln mit knapper Personaldecke. Verdrängt, vergessen und abgehakt ist das Intermezzo mit Giuseppe Scorzelli, der als Nachfolger von Sonja Mäß den vielen Vorschusslorbeeren bei weitem nicht gerecht werden konnte. Nun soll es Maike Müller richten.
Müller ist eine gebürtige Pirmasenserin, die es nach dem Studium der Kulturwissenschaften in Saarbrücken und fünfeinhalb Jahren in München, wo sie unter anderem für die Fernsehsender Pro7 und Sat1 tätig war, wieder an den Horeb gezogen hat. Heimatverbundenheit sei es gewesen, die sie und ihren Mann zurückgeführt habe, zumal der Bezug zur Kultur in der Stadt auch in den Jahren der Abwesenheit stets sehr eng gewesen sei. Hier ist sie auch von der Mutter, einer Musikerzieherin, schon sehr früh an die Musik herangeführt worden, hat bei Vilja und Helfried Steckel Geigen- und Klavierunterricht bekommen und war in vielen Chören aktiv. Und so hat sich die Rückkehr für die 32-Jährige „richtig angefühlt“.
Die gleichen Aufgaben wie Sonja Mäß
Müller ist eine vielversprechende Besetzung. Darin sind sich Kulturdezernent Denis Clauer und die kommissarische Kulturamtsleiterin Heike Wittmer einig. Und damit das Ganze auch gut klingt, ist Müller keine Sachgebietsleiterin, wie das Sonja Mäß einst war, sondern Veranstaltungsmanagerin. Ihre Tätigkeit deckt sich jedoch weitgehend mit der von Mäß – umfasst also das „klassische operative Geschäft“, wie es Heike Wittmer nennt. Gemeint ist vor allem die Programmplanung und -gestaltung einschließlich der Planung des Budgets, was, so Clauer, immer schwieriger wird. Denn Kulturproduktionen werden immer teurer, das städtische Budget dafür wächst aber nicht mit. Und so wird es Müllers Aufgabe sein, „etwas zu zaubern“, um die Qualität nicht sinken zu lassen.
Maike Müller selbst wird dafür nach der Entgelttabelle des Tarifvertrags für den Öffentlichen Dienst in die Gehaltsstufe E 8 eingruppiert. Konkret sind das rund 2900 Euro monatlich. Für jemanden „mit einem abgeschlossenen Studium etwas wenig“, muss sogar Clauer einräumen und schiebt hinterher, dass dies „sicher nicht die Endstufe in der Karriere“ von Maike Müller sein wird. Zum Vergleich: Sonja Mäß hatte vor dem Eintritt in den Ruhestand die Gehaltsgruppe E 9c und damit ein Grundgehalt von monatlich rund 4700 Euro brutto erhalten.
Wittmer gibt „die große Linie“ vor
Die Frage, ob sie nicht gleich den ganz großen Schritt gehen und sich auf die – sobald die ADD irgendwann grünes Licht gibt – zu erwartende Ausschreibung der Leitung des Kulturamtes bewerben will, lächelt Müller hinweg. Dafür sei ihre jetzige Aufgabe spannend und herausfordernd genug. Und so bleibt die Hierarchie erst einmal so, dass Denis Clauer als Dezernent ganz oben steht, gefolgt von Heike Wittmer als kommissarische Kulturamtsleiterin, der wiederum Maike Müller untersteht. Die soll bis zur finalen Abstimmung mit Wittmer weitgehend autonom ihrer Arbeit nachgehen. Wittmer behält sich außerdem vor, ihre eigenen Ideen und Themen einzubringen und „die große Linie“ vorzugeben.
Für Müller ist es von Vorteil, dass die Spielzeit 2023/24 jetzt schon geplant ist. So kann sie ohne Druck Erfahrungen sammeln und sie Stärken und Schwächen analysieren. „Das ist sehr hilfreich für die Planung der kommenden Saison“, so Müller, die sich in Pirmasens sehr gut vernetzt sieht – sei es mit dem Oratorienchor, mit Maurice Croissant und der Bezirkskantorei oder dem Armen Kreativen Theater (AKT), dessen Regisseur Achim Ropers sie schon von Kindesbeinen an kennt. Das sind alles gute Voraussetzungen, denn die bevorstehenden Aufgaben sind groß – angefangen bei der Rückeroberung des Publikums, das dem Kulturbetrieb seit Corona untreu geworden ist, bis hin zur Frage, wie man ein junges Publikum für die Kultur begeistern kann.