Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Kaffeeröster will die Begeisterung für das schwarze, heiße Getränk weitergeben

Frank Huber kontrolliert an der Röstmaschine das Ergebnis des Röstvorgangs.
Frank Huber kontrolliert an der Röstmaschine das Ergebnis des Röstvorgangs.

Große Pläne für seine Kaffeerösterei hatte der Pirmasenser Frank Huber. Dann kamen Corona, der Ukrainekrieg, Energiekrise und Inflation. „Wir können uns noch über Wasser halten“, versichert der Unternehmer. Was jedoch nur gelänge durch immer neue Ideen und das Besetzen von Marktnischen.

„Bis 2019 konnte ich mich nicht beschweren“, erzählt Huber in den Räumen seiner „Westpfalz Kaffeerösterei“, so der Markenname für seinen Kaffee, der in einer früheren Schuhfabrik an der Kreuzung Lemberger und Erlenbrunner Straße geröstet wird. Der Pirmasenser wollte vergrößern, eine größere Röstmaschine war schon ausgesucht und ein Umzug in die Räume der früheren Spirit-Discothek am Güterbahnhof in Erwägung gezogen. Dann begann mit Corona die multiple Dauerkrise, die nicht nur Hubers Betrieb in Mitleidenschaft zog. Kunden in der Gastronomie fielen oft nicht nur zeitweise weg, sondern hörten letztlich ganz auf. Container für den Kaffeetransport wurden knapp, ein Tanker blockierte im Suezkanal die Weltwirtschaft und alles zusammen trieb im vergangenen Jahr den Kaffeepreis auf einen Höchststand seit Jahrzehnten. Preissteigerungen, die er so nicht weitergeben könne, wie sie bei ihm aufschlagen, versichert Huber. Nur über sein breit aufgestelltes Geschäft mit Kunden in der Gastronomie, dem Einzelhandel und speziellen, einzelnen Großkunden funktioniere sein Betrieb noch.

Umzugspläne verworfen

Den Plan mit dem Güterbahnhof hat er aufgegeben, auch weil die Deutsche Bahn sich auf seine Anfrage nicht mehr melde. Die größere Röstmaschine habe er noch immer im Blick, wartet aber auf die Fertigstellung seines Hauses in Maßweiler, wo die kleinere Maschine dann in einer früheren Scheune untergebracht werden soll, um der größeren in der Schuhfabrik in Pirmasens Platz zu machen.

Inmitten der Dauerkrise hat sich Huber vor allem seine Begeisterung für Kaffee und dessen mannigfaltige Zubereitungsmöglichkeiten erhalten. Einen Espresso für den Besucher gibt es erst nachdem die Tasse richtig aufgewärmt wurde. Espresso in einer kalten Tasse servieren, welch ein Horror für einen Kaffeeliebhaber wie Frank Huber. Die Begeisterung für das heiße Getränk hat er aus einem Italienurlaub mitgebracht. Die dort sehr guten Kaffees und Espressi wollte er auch gerne in der Heimat genießen, fand sie aber nicht und so machte er sich selbst daran, bildete sich zum Kaffeeröster fort, um den richtig guten Kaffee hier heimisch zu machen.

Vom Exe auf die Ruhbank

Zehn Jahre lang funktionierte das im Exepresso, einem Café am Exerzierplatz, das er nach der Geburt seiner Tochter aufgab, da die Gastronomie und Kinder schlecht unter einen Hut zu bringen seien, wie er meint. Die Rösterei zog um auf die Ruhbank, wo sie immer noch ist. Auf einer Etage mit einem Steuerberater, einem Architekten und einem neu eröffneten Modegeschäft findet sich seine Rösterei, in der bis Corona auch Schulungen angeboten wurden und die Landfrauen sich für Kaffeeseminare trafen.

Die größte Menge seines Kaffees findet ihren Absatz über die Cash-und-Carry-Märkte von Wasgau sowie in den Märkten selbst und in mehreren Edeka-Märkten der Region. Regionalität ist Huber sehr wichtig. Kurze Wege liebt der Pirmasenser, weshalb er auch gerne für örtliche Firmen eigene „Werkskaffees“ kreiert und röstet. Ganz nach dem Wunsch der Belegschaft wird so beispielsweise für Framas oder Nagarro ein ganz besonderer Werkskaffee geröstet, der dort in den Betriebskaffeemaschinen die Motivation der Belegschaft heben soll.

Kooperation mit Maschinenherstellern

Ein weiteres neues Standbein ist die Kooperation mit Kaffeemaschinenherstellern für die Gastronomie. Bei privaten Ausflügen in die Gastronomie habe er oft feststellen müssen, dass die Betriebe zwar tolle und vor allem teure Maschinen hätten, diese aber schlecht eingestellt seien. „Da wird mit zehn Gramm Kaffee eine große wie eine kleine Tasse gefüllt – ohne Unterschied“, kann es der Kaffeesommelier von der Ruhbank nicht fassen. Deshalb geht Huber jetzt öfter gleich bei der Installation der Maschine mit raus und kümmert sich um die geschmackstechnisch ideale Einstellung des Geräts. Das Projekt sei 2022 angelaufen.

Die Kaffeeschulungen sollen auch wieder bald starten. Diesmal aber als richtige Baristaschulung. Als Barista wird in Italien ein professioneller Kaffeekocher bezeichnet. Hier will Huber Entwicklungsarbeit in Deutschland leisten, um auch hier dem Kaffee in Restaurants und Cafés zu dem Stellenwert zu verhelfen, wie er vielleicht in Wien oder Rom zu finden ist. „In vielen Betrieben gibt es keinen, der sich wirklich mit Kaffee auskennt“, bedauert er die Wissenslücken um das schwarze Getränk.

Bohnen aus der ganzen Welt

Seine eigenen Kaffees kommen wie vor der Dauerkrise schon aus der ganzen Welt von Sumatra über Äthiopien bis Nicaragua, Honduras und Brasilien. Viele seiner Kaffeesorten würden immer noch in Handarbeit gepflückt, oft von Frauen, die über Trampelpfade nach der Ernte die Ware transportierten. Deshalb gibt es bei ihm auch einen Projektkaffee mit Kaffee aus einer Kooperative, die nur von Frauen in Nicaragua betrieben werde. „Women’s Fund Project“ nennt sich die Initiative.

Entkoffeinierten Kaffee gibt es in seinem Sortiment ebenfalls. Allerdings nur mit Quellkohlensäure entkoffeinierten Kaffee. „Der schmeckt fast wie der normale“, schwärmt Huber.

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