Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Könnte Rapsöl eine Alternative zum Agrardiesel sein?

Mit Rapsöl Traktoren betreiben: Warum eigentlich nicht?
Mit Rapsöl Traktoren betreiben: Warum eigentlich nicht?

Vor genau 20 Jahren wollten sich Südwestpfälzer Landwirte unabhängig vom Diesel machen. „Pack den Acker in den Tank“ war die Devise und es wurde eine eigene Ölmühle angeschafft, um Rapsöl zu gewinnen. Die Politik erhöhte die Steuer auf Pflanzentreibstoffe. Das Projekt war gestorben. Die Presse ist aber immer noch da. Könnte das Pflanzenöl eine Alternative zum teurer werdenden Diesel sein?

Der Winzler Landwirt Kurt Müller war einer der Treiber bei dem Projekt, das am Anfang auch richtig gut aus den Startlöchern kam. Die Pfälzer Natur Energie GmbH & Co. KG (PNE) wurde gegründet. Auf dem Gelände der Raiffeisen in Niederauerbach fand sich der Platz zur Lagerung und Reinigung des Raps sowie für die Presse. Die Presse lief auf Volllast und schaffte dennoch nicht, die Nachfrage nach dem steuerlich begünstigten Pflanzenöl zu stillen, auch weil viele Speditionen auf Raps statt Diesel setzten. Die Landwirte selbst waren zögerlicher. Öl musste lange zugekauft werden. Eine zweite Presse sollte noch kommen. Dann hielt sich die Politik nicht an die Zusagen und strich früher als geplant die Steuerbefreiung. Die PNE wurd 2013 aufgelöst. Die Presse eingemottet. Das Lager übernahm eine andere Firma.

„Wir waren da Vorreiter“, erinnert sich Hans-Dieter Bißbort, der heutige Vorsitzende des Maschinenrings Südwestpfalz-Kaiserslautern, unter dessen Regie das Projekt damals lief. Der Maschinenring hatte einen seiner eigenen Traktoren umgerüstet. Inzwischen laufe die Maschine wieder mit normalem Diesel. Die Presse sei noch da. Die Lagerhallen ebenfalls. Ob die Presse noch funktioniert, kann Bißbort nicht sagen. Der Maschinenring könnte aber wieder in das Ölgeschäft einsteigen, wenn es denn rentabel wäre angesichts der wohl steigenden Preise für Agrardiesel, die Landwirte deutschlandweit derzeit auf die Barrikaden treiben.

Günstiges Palmöl, teures Rapsöl

„Rapsöl ist momentan sehr teuer“, gibt Bißbort zu bedenken. Die Lage sei sogar so, dass heute Palmöl aus Indonesien importiert werde, um Futtermittel für deutsches Vieh herzustellen. Bißbort sieht auch noch ein weiteres Problem: Die Motorentechnik sei inzwischen so komplex, dass es gar nicht so einfach sein dürfte, die Motoren nochmal auf Pflanzenöl umzurüsten. Als Beispiel nennt er die Abgasreinigung mit Adblue-Zusätzen. Ob das mit Pflanzenöl überhaupt funktioniert, sei eine weitere Frage. Und dann sind die Landwirte gebrannte Kinder in Bezug auf Zusagen von Politikern. „Die ändern doch momentan jede Stunde ihre Richtung“, moniert der Landwirt.

Im Bundeslandwirtschaftministerium gibt man sich offen gegenüber Pflanzenölen als Dieselersatz. „Biokraftstoffe stellen für den Einsatz in leistungsstarken – und nach derzeitigem Stand der Technik noch nicht elektrisch antreibbaren – Maschinen eine Alternative dar“, teilt auf Anfrage ein Sprecher des Ministeriums mit. Der Sprecher gibt jedoch zu bedenken, dass die Motoren aufwändig umgerüstet werden müssten. Nicht alle Hersteller böten schon Traktoren an, die bereits ab Werk mit reinem Pflanzenöl betrieben werden können.

2026 könnte es anders aussehen

Und dann gibt es noch den Preis. Aktuell sei Diesel deutlich günstiger als Pflanzenöl, sagt der Ministeriumssprecher. Erst wenn der Agrardiesel komplett keine Steuervergünstigung mehr erhalte, was nach der aktuellen Beschlusslage für 2026 vorgesehen ist, würde sich der Preisunterschied zum Pflanzenöl ausgleichen. Was angesichts der Mehrkosten für die Umrüstung dann immer noch teurer als der Dieseltraktor wäre.

„Grundsätzlich betrachtet das Bundeslandwirtschaftsministerium dort, wo es keine anderen Alternativen gibt, den Einsatz von Biokraftstoffen im Sinne einer Übergangstechnologie als eine handhabbare Option zur Reduzierung von Treibhausgasen“, so der Ministeriumssprecher. Das bedeute jedoch nicht, dass Biokraftstoffe auch klimaneutral seien. Unter anderem sorgen weite Transportwege für eine schlechtere Ökobilanz, was bei dem südwestpfälzischen Projekt jedoch anders war. Der Raps vom Acker bei Winzeln kam auf kurzem Weg nach Niederauerbach und von dort gleich wieder in den Tank des Traktors in Reifenberg. Andernorts müssen hunderte Kilometer Transport eingerechnet werden.

Für die Gesamtbewertung will das Ministerium zudem noch berüchsichtigt sehen, dass bestimmte Biokraftstoffe in Konkurrenz zur Produktion von Lebens- und Futtermitteln stehen können. Die 2003 bei der PNE ebenfalls diskutierte Problematik „Tank oder Teller“.

Keine Gesetzesänderung geplant

Der Ministeriumssprecher will nicht ausschließen, dass sich beim Pflanzenöl wieder steuerlich etwas ändern könnte. Aktuell gebe es kein konkretes Gesetzesvorhaben, um Rapsöl als Kraftstoff besser als den Diesel zu stellen. Es sei jedoch „ein drängendes Thema“, so der Ministeriumssprecher, weshalb der Punkt Gegenstand der „Nationalen Biomassestrategie“ sei, die derzeit von der Bundesregierung erarbeitet werde.

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