FUSSBALL RHEINPFALZ Plus Artikel Früher Champions League, später FK Pirmasens, jetzt U19-Meistertrainer: Thomas Riedl

März 1999: Champions-League-Viertelfinale zwischen Bayern München und dem 1. FC Kaiserslautern, Thomas Riedl (links) attackiert
März 1999: Champions-League-Viertelfinale zwischen Bayern München und dem 1. FC Kaiserslautern, Thomas Riedl (links) attackiert Topstürmer Giovane Elber. Am Ende siegen die Bayern mit 2:0.

Thomas Riedl wurde 1998 Deutscher Meister mit dem 1. FC Kaiserslautern und gilt bei den Münchner Löwen dank seines legendären Derby-Treffers 1999 gegen die Bayern noch heute als Fußballheld. 2012 beendete er beim FK Pirmasens seine Spielerkarriere. Als Trainer hat er in der abgebrochenen Corona-Saison die A-Junioren des JFV Nord-West-Pfalz zur Meisterschaft in der Landesliga geführt.

Am Donnerstag wird Riedl 44 Jahre alt. Doch sein Lausbubenlächeln aus früheren Tagen hat er sich bis heute bewahrt. Trotzdem: Thomas Riedl ist reifer geworden, ein Stück weit auch ernster. Und ernsthafter. Fußballlehrer will er werden, sich auch außerhalb des Sports weiterentwickeln. Und das Fußballdorf Alsenborn in ein neues Zeitalter führen. Klingt ambitioniert – und das ist es wohl auch.

Kooperation mit Axel Roos

Vor sieben Jahren haben der SV Alsenborn, die SpVgg NMB Mehlingen und der FC Eiche Sippersfeld den Junioren-Förderverein Nord-West-Pfalz aus der Taufe gehoben. In Zusammenarbeit mit der Fußballschule des aus Thaleischweiler-Fröschen stammenden Axel Roos (bis zur U13) wollen die Stammvereine so ihre Talente selbst ausbilden und auf die aktive Laufbahn vorbereiten. Vor allem in Alsenborn, einem Dorf mit großer Fußballtradition, soll sich etwas bewegen, so Riedl, der seit fünf Jahren beim JFV engagiert ist. Aber er weiß auch, dass dies nicht von heute auf morgen geschehen kann.

Die „Fritz-Walter-Jugend“, wie sich der JFV selbst nennt, sieht sich in der Tradition des Ehrenspielführers der Nationalmannschaft und Weltmeisters von 1954. Es sei deshalb eine besondere Aufgabe, so der Meistertrainer, „auch Werte weiterzugeben“. Riedl selbst lebt diese Bescheidenheit vor, ist weit entfernt davon, seine ehemalige Profi-Karriere ständig zu überhöhen. Oder wie er es selbst ausdrückt: „Mir fehlt's an Eitelkeit.“

Vater von vier Kindern

Nach seiner Profi-Karriere hat er gewissenhaft seine zweite Karriere geplant, baute sich eine Existenz außerhalb des Fußballplatzes auf. Auf ein Sportmanagement- und BWL-Studium folgte die IHK-Prüfung als Versicherungsfachmann. Riedl will nichts dem Zufall überlassen, beißt sich in die Aufgabe beim Wiesbadener Versicherungsunternehmen R+V hinein wie einst als Fußballer. Der in Mehlingen mit Ehefrau Vanessa lebende Vater dreier Söhne und einer Tochter hat längst gelernt, Verantwortung zu übernehmen.

Lausbubenlächeln

Thomas Riedl war noch nie einer, der die Realität aus dem Blick verlor. Mit Akribie und Fleiß hat er sich nach seiner Fußball-Laufbahn in die Versicherungsmaterie eingearbeitet, ein Begriff wie Pensionszusage gehört längst zu seinem Sprachschatz. Mit Beharrlichkeit hat er sich bereits als Fußballprofi durchgesetzt. Das ist ihm auch in seinem „bürgerlichen“ Leben gelungen. Auch, weil er eben nicht wie der typische Mitarbeiter einer Versicherungsgesellschaft aussieht – und zur Not ja auch noch sein Lausbubenlächeln aufsetzen kann.

Wenn im Umfeld des 1. FC Kaiserslautern von den bekannten Eigengewächsen früherer Tage die Rede ist, von den talentierten Jungs, die den Sprung zu den Profis geschafft haben, dann fällt ganz zwangsläufig auch der Name Thomas Riedl. Mit elf wechselte er von seinem Heimatverein FC Phoenix Otterbach zum 1. FC Kaiserslautern, für den er von 1995 bis 1999 und dann noch mal von 2001 bis 2006 in der Bundesliga spielte – dazwischen lagen zwei Jahre bei 1860 München. 1998 wurde mit dem FCK sensationell als Aufsteiger Deutscher Meister, in der folgenden Saison erreichte er mit dem heutigen Drittligisten das Viertelfinale der Champions League. Im Juni 2006 zog es Riedl zum ASKÖ Pasching (später SK Austria Kärnten). Unter dem Kunstnamen FC Superfund sorgte das Team in der österreichischen Bundesliga kurzzeitig für Furore.

Kreis bei FKP geschlossen

Riedl kam zurück nach Deutschland, spielte je eine Halbserie bei Eintracht Trier und dem SC Idar-Oberstein, ehe er 2011 zum FK Pirmasens wechselte. „Hier hatte sich ein Kreis geschlossen, denn immerhin hat mein Vater hier mit dem Fußballspielen begonnen“, merkt er an. Der einstige FCK-Profi Hannes Riedl, der vor zehn Jahren verstarb, spielte von der Jugend an bis 1968 für „die Klub“. Nach einem Jahr in Pirmasens unter Chefcoach Michael Dusek – der heutige Sportliche Leiter des FKP, Peter Tretter, war damals Co-Trainer – beendete Thomas Riedl 2012 seine Karriere als Fußballer.

Mit Olaf Marschall

Nur ein Jahr hielt er es ohne das runde Leder aus. Gemeinsam mit Ex-Nationalstürmer Olaf Marschall bildete er beim Oberligisten SC Idar-Oberstein ein Trainergespann. Die A-Lizenz als Trainer hat er in Österreich erworben. Und genau dieser Olaf Marschall unterstützte seinen ehemaligen FCK-Mitspieler kürzlich beim ersten U19-Training des JFV Nord-West-Pfalz nach der Zwangspause. „Da haben einige Jungs ganz schön gestaunt, obwohl ich vermute, dass einige gar nicht genau wussten, wer das ist“, sagt Riedl schmunzelnd über die gelungene Überraschung. „Mal sehen, vielleicht kann er unseren Stürmern in den nächsten Wochen noch ein paar gute Tipps mit auf den Weg geben.“

Hohe Ziele gesetzt

Viermal in der Woche hat Riedl mit den A-Junioren des JFV zuletzt trainiert, der Aufwand in der Verbandsliga, wo der SC Hauenstein ein Gegner sein wird, dürfte nicht geringer werden. Erst recht deshalb, weil sich der Coach bereits hohe Ziele gesetzt hat: „Vorne mitspielen“, heißt die Devise.

Natürlich kann sich Riedl vorstellen, irgendwann auch wieder ein Herrenteam zu betreuen. Er plant seinen Abschluss als Fußball-Lehrer, bildet sich ständig weiter und verfolgt die Entwicklung im modernen Fußball. Noch steht der Ex-Profi aber in Diensten des JFV Nord-West-Pfalz. Und das ist – so viel Eitelkeit muss erlaubt sein – für diesen ein Glücksfall.

2020 zeigt er den Jungs aus seinem A-Junioren-Meisterteam beim Training in Alsenborn, dass der Ball noch immer sein Freund ist:
2020 zeigt er den Jungs aus seinem A-Junioren-Meisterteam beim Training in Alsenborn, dass der Ball noch immer sein Freund ist: Thomas Riedl, ehemals neun Jahre lange Erstligaprofi beim FCK, Derbyheld von 1860 München und Sohn eines Pirmasensers.
2011: Als Thomas Riedl (rechts) beim FKP spielte, war Frank Steigelmann der Torhüter.
2011: Als Thomas Riedl (rechts) beim FKP spielte, war Frank Steigelmann der Torhüter.
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