Interview
Tourismus: Darum braucht Neustadt die Vereine
Herr Franck, als Geschäftsführer der Tourist, Kongress und Saalbau GmbH sind Sie ja der oberste Tourismus-Manager in Neustadt. Wo steht die Stadt?
Wir freuen uns über sehr viele Tagesgäste. Sie beleben die Innenstadt. Aus Tourismussicht sind Übernachtungsgäste aber der Königsweg, denn sie lassen mehr Geld hier und gewinnen tiefergehende Einblicke.
Wer Urlauber anlocken will, muss diesen auch etwas bieten.
Genau, da kommen wir als Vermarktungsspezialisten mit ins Boot. Die Winzer in der Region sind unsere natürlichen Partner dabei. Daher haben wir sie beispielsweise mit Weinverkostungen bei den verkaufsoffenen Sonntagen ins Boot geholt. So können die Gäste Neustadt eben auch als Weinstadt wahrnehmen.
Aber vier verkaufsoffene Sonntage machen keinen Urlauber glücklich.
(lacht) Nein, daher sind wir froh über weitere tourismusrelevante Angebote wie die Wolfsburg, das Kuckucksbähnel, den Adventskalender am Rathaus oder auch die Spangenburg.
Das sind doch aber keine Angebote der Stadt.
Nein, das können wir als Stadt auch gar nicht alles leisten. Darum kümmern sich jeweils Vereine oder Fördervereine.
Also ist alles im Lot, und Sie müssen die Vereine nur einbinden?
Leider nein. Als TKS unterstützen wir und bringen uns auch beim Vernetzen ein. Bei meinen Besuchen in den Vereinen habe ich zuletzt immer häufiger gemerkt: Was die Ehrenamtlichen leisten, ist toll. Aber überall lastet die Arbeit auf wenigen Schultern und die Aktiven können das kaum noch schultern.
Also sind Menschen gefragt, die sich in Neustadt in Vereinen engagieren, die mit Tourismus zu tun haben.
Ja, das wäre ideal. Denn davon profitiert ganz Neustadt.
Sind Sie deshalb nun auch neuer Vorsitzender beim Förderverein Kuckucksbähnel?
Als Kind hatte ich eine Modelleisenbahn und bin in Speyer in der Nähe der Bahngleise aufgewachsen. Daher habe ich einen Bezug zum Thema. Aber im Verein ging es darum, Strukturen zu erhalten und dabei zu helfen, dass Eisenbahnmuseum und Museumsbahn durch Synergieeffekte noch bekannter werden.
Geht es Ihnen also darum, Angebote bekannter zu machen?
Auch. Das gilt etwa für die Burg Spangenberg bei Erfenstein. Sie liegt aber auf Neustadter Gemarkung, daher wollen wir uns auch kümmern. Oder denken Sie an den Adventskalender der Bürgerstiftung am Rathaus. Beim Stichwort Bürgerstiftung denkt erst einmal niemand an Tourismus, aber das beleuchtete Rathaus ist in den vergangenen Jahren zu einer Attraktion geworden und zieht auch Gäste an. Daher ist es wichtig, das zu vermarkten und dafür zu sorgen, dass die Bürgerstiftung dieses Angebot fortführt. Oder nehmen Sie die Wolfsburg. Ich bin froh, dass der Verein nach einem Aufruf wieder genug Helfer für den Betrieb der Burgschänke hat. Und folglich ist es für uns auch wichtig, dass es den Pfälzerwald-Vereinen gut geht und sie die Hütten betreiben können. All diese Angebote sorgen für ein Gesamtpaket, mit dem wir Urlauber begeistern können. Daher wollen wir, dass diese Struktur mit den Vereinen erhalten bleibt.
Und woran hapert es in den Vereinen?
Ich nenne Ihnen ein Beispiel. Beim Kuckucksbähnel gibt es ausreichend Helfer, die samstags dafür sorgen, dass die Bahnen und die Strecke gepflegt werden. Das ist super. Aber beim Ticketverkauf ist es schwieriger. Helfer für den Kartenverkauf findet man nicht so gut. Wir wollen nun schauen, dass wir diesen Verkauf in unseren Online-Bereich der TKS einbinden können und dann darüber einen digitalisierten Kartenverkauf anbieten, denn den gibt es bisher nicht.
Und für Ehrenamtliche wäre es Ihrer Meinung nach eine gute Motivation, sich in ihren Vereinen einzubringen, weil diese Angebote gerne von Urlaubern genutzt werden?
Genau. Denn ohne all die angesprochenen Angebote würde unsere touristische Attraktivität sehr leiden.
Wie kann die TKS helfen, dass Neustadt bei Urlaubern im Gespräch bleibt?
Indem wir die touristische Saison entzerren, es gibt nicht nur die Mandelblüte und den Herbst. Wir haben auch jetzt noch viele blühende Bäume, können die Blütezeit also weit über die Mandel ausdehnen. Außerdem verknüpfen wir die verkaufsoffenen Sonntage mit Zusatzaktionen wie jetzt am 7. Mai mit dem Elwetritscherennen, dem Bauernmarkt und Riesling im Glas. Die Menschen sollen merken: Es lohnt sich, nach Neustadt zu kommen. Und die Ehrenamtlichen sollen sehen, es lohnt sich zu engagieren. Ein sehr gutes Beispiel dafür sind die bisher oft ausgebuchten Nikolausfahrten mit dem Kuckucksbähnel, die ja außerhalb der eigentlichen Kuckucksbähnel-Saison stattfinden.
Haben Sie schon erste Ideen, um alle auf den Weg mitzunehmen?
Wir müssen vieles gemeinsam anbieten. Wieder zum Eisenbahnmuseum: Den dortigen Pracht-Speisewagen können wir für besondere Weinproben einsetzen. Das schafft tolle Erlebnisse für Gäste und macht allen, die daran mitarbeiten, sicher Spaß.
Machen Sie den Neustadtern doch mal Mut in Sachen Tourismus.
Gerne: Die Verweildauer von Urlaubern bei uns, einschließlich der Weindörfer, ist länger als in Speyer. Daher sind wir unter der Dachmarke Pfalz, von der wir alle gemeinsam profitieren können. Es geht darum, Urlaubern die gesamte Region schmackhaft zu machen. Daher wollen wir uns auch auf der Bundesgartenschau präsentieren und den Gästen dort zeigen, was Neustadt alles zu bieten hat, denn das reicht von Fachwerk und Angeboten in der Stadt über Wein bis zum Wald. Daher finde ich es ja so positiv, dass sich Menschen dort überall engagieren. Das wollen wir als TKs gezielt fördern und stärken. Und daher hoffe ich, dass die tourismusrelevanten Vereine immer wieder Ehrenamtliche finden, die sich gerne einbringen.
Info
Das Kuckucksbähnel startet am Montag, 1. Mai, in die Saison 2023. Weitere Fahrtage im Mai sind die folgenden vier Sonntage sowie der Pfingstmontag. Gefahren wird an etlichen weiteren Sonntagen bis Mitte Oktober. Die vier rollenden Weinproben im Juni und August sind bereits ausgebucht. Neu in diesem Jahr ist eine Zusatzinformation auf der Internetseite www.eisenbahnmuseum-neustadt.de.Dort wird jetzt zum Beispiel über Wandermöglichkeiten rund um den Zielort Elmstein informiert. Dort sind aber auch alle anderen Informationen rund um die Museumsbahn – von Fahrtagen über Fahrkarten bis Fahrradmitnahme – zu finden.
