Tischtennis RHEINPFALZ Plus Artikel Sorgen um den Sportnachwuchs

Simon Braunstein hat erst vor kurzer Zeit angefangen, Tischtennis zu spielen.
Simon Braunstein hat erst vor kurzer Zeit angefangen, Tischtennis zu spielen.

Simon Braunstein von der TSG Haßloch war bei den „Mini-Meisterschaften“ in Saarbrücken dabei. Der junge Haßlocher steht erst seit Kurzem an der Platte. Sein Beispiel zeigt, mit welchen Problemen Sportvereine derzeit kämpfen.

Viele Sportarten haben mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen – nicht erst seit der Pandemie. Der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) hatte bereits 1983 die Breitensportaktion „Mini-Meisterschaften“ ins Leben gerufen, an der bis heute 1,5 Millionen Mädchen und Jungen teilgenommen haben. Jeweils ein Mädchen und ein Junge aus den 20 Landesverbänden des DTTB schaffen in den Altersklassen der Neun- und Zehnjährigen sowie Elf- und Zwölfjährigen jedes Jahr den Sprung ins Bundesfinale. Das stieg 2022 in der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken. Simon Braunstein aus Haßloch war dabei.

Sportlich lief es mit Platz 15 nicht optimal für den Zehnjährigen, der unmittelbar vor Beginn der Corona-Pandemie zum ersten Mal im Vereinstraining der TSG Haßloch aufgeschlagen hatte. Da die anschließende Zwangspause seinen Ehrgeiz bremste, ist er genau genommen erst seit knapp einem Jahr richtig aktiv. „Ich habe beim Bundesfinale leider ein paar Spiele knapp im fünften Satz verloren und nur zwei von neun Partien gewonnen. Mit mehr Glück wäre ein Platz unter den besten Zehn drin gewesen“, ist er etwas enttäuscht. Dennoch fand er das Turnier und das ganze Drumherum sehr aufregend.

Einstieg mit Schnuppertraining

„Das war schon ein Erlebnis, in so einer großen Halle mit vielen Zuschauern zu spielen“, erinnert er sich. Seine Mutter Annette Braunstein hatte ihn in den zwei Tagen begleitet. Zu Hause stehen zwei grüne Tische zum Spielen bereit – einer drinnen und einer draußen. Am Tisch direkt erhielt Simon Braunstein in Saarbrücken keine Tipps. Dass die Betreuer coachen, wie sonst bei Turnieren üblich, ist bei den Mini-Meisterschaften verboten.

Simon Braunstein kam über ein Schnuppertraining in die TSG-Halle. Es gefiel ihm. Zuvor hatte er Fußball gespielt, heute liegt sein Fokus neben dem Tischtennis auf dem Handball. Montag und Freitag ist Tischtennis angesagt, Handball steht am Montag und Donnerstag auf dem Programm. „Montags muss ich mich immer entscheiden, wo ich hingehe. Ich wechsle dann immer ab. Im Handball bin ich Torwart, spiele in der C- und D-Jugend der TSG und nehme auch am Stützpunkttraining des Pfälzer Handball-Verbandes teil.“

Drei Neulinge gewonnen

Mittlerweile hat er zwei Freunde, die mit ihm das Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium in Neustadt besuchen, für den Tischtennissport gewonnen. Auch seine zwei Jahre ältere Schwester Annika ist dabei. „Ich sagte, dass sie einfach mal mit zum Training kommen sollen“, erzählt Simon Braunstein. Seine Stärken sieht er derzeit auf der Vorhand, was der Rechtshänder beim Training mit einigen langgezogenen Topspins unter Beweis stellt. Tischtennis oder Handball? „Was ich später mal vorziehe, weiß ich noch nicht.“ Er findet beides gut.

In der TSG Haßloch hat Gustav Knapek den Nachwuchs zweimal in der Woche für jeweils zwei Stunden Training unter seinen Fittichen. „Die Patentlösung habe ich leider nicht parat, sonst würde ich sie ja anwenden“, sagt der 77-Jährige zu der Aufgabe, mehr Kinder an die Tischtennistische zu locken. Seit über sechs Jahrzehnten ist Knapek aktiv und spielt derzeit für den TTV Mutterstadt in der 1. Pfalzliga.

Kinder fehlen dem Sport

„Eine gute Möglichkeit wie es gehen kann, sehe ich am Beispiel des VfL Duttweiler. Der Verein beschäftigt gleich sechs Trainer und vier weitere Betreuer, die sich sehr intensiv um die Kinder kümmern. Mit dabei sind Väter, die selbst aktiv in Mannschaften spielen. Das animiert wohl dort die Kinder, zum Tischtennis zu kommen. Allerdings ist es personell sehr aufwendig. Es macht sich aber bezahlt, wie man an den Erfolgen der vergangenen drei vier Jahre sieht.“ Er selbst kann bei der TSG aktuell im Höchstfall zehn Kinder begrüßen. In Haßloch gebe es sehr viele Möglichkeiten, Sport zu treiben. „Wir haben ja hier alleine drei Fußballvereine. Aber auch die haben Nachwuchssorgen. Im Jugendbereich mussten schon zwei Vereine eine Spielgemeinschaft bilden, weil nicht mehr genug Kinder da waren. Ähnlich sieht es beim Handball und in anderen Sportarten aus.“

Corona habe darüber hinaus einiges kaputtgemacht. Viele Kinder seien, auch als es wieder möglich gewesen sei, einfach nicht mehr ins Training gekommen. Eine Tatsache, die auch im Erwachsenenbereich zu beobachten sei. Knapek glaubt, dass „die Masse dieser Mädchen und Jungen ebenso für den Sport verloren ist, wie die Männer und Frauen, die nicht mehr ins Training kommen“.

Individuelle Förderung nötig

Eine Person alleine, so wie er es derzeit noch macht, kann nach Knapeks Ansicht ein Training, wie es heute vonnöten ist, gar nicht leisten: „Da bedarf es auch einer individuellen Betreuung, um die Stärken jedes Kindes herauszufinden, diese zu fördern und eventuelle Schwächen zu minimieren.“

Zudem sei die Art von Tischtennis, wie sie heute gespielt werde, sehr bewegungsintensiv. Und genau an dieser Bewegung mangelt es laut Knapek bei vielen Kindern. In der TSG Haßloch spreche man gerade darüber, wie man das Training künftig gestalten könne, vielleicht auch mit Spielern, die in den Herrenmannschaften der TSG aktiv seien.

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