Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Oberbürgermeister Weigel über Corona-Tests und Fest-Absagen

Marc Weigel
Marc Weigel

Die Stadt hat es in den vergangenen Wochen geschafft, bei der Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 zu bleiben. Somit waren die Corona-Auflagen in Neustadt nicht ganz so streng wie in den Landkreisen Bad Dürkheim und Südliche Weinstraße oder in Städten in der Nachbarschaft. Über den Blick auf Zahlen und die Hoffnung auf Feste haben wir mit Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG) gesprochen.

Herr Weigel, haben Ihnen schon viele Kollegen gratuliert, weil es gelungen ist, Neustadt dauerhaft unter der 100er-Inzidenz zu halten?
Ja, es gab schon die ein oder andere Bemerkung dazu.

Haben Sie denn eine Erklärung für diesen Erfolg?
Die Gründe dürften vielschichtig sein. Soziodemografische Faktoren könnten eine Rolle spielen. Die meisten Bürger verhalten sich seit Beginn der Pandemie vernünftig und achtsam. Als Stadt waren wir im Krisenmanagement schnell und konsequent, hatten besondere Risiken im Blick, haben flexibel agiert. Hier zeigt sich auch der Vorteil einer kreisfreien Stadt. Die Entscheidungswege sind kurz, im Verwaltungsstab laufen die Fäden zusammen. Die Akteure von Stadtverwaltung, Feuerwehr, DRK, Krankenhaus, Polizei und Gesundheitsamt kennen sich und arbeiten vertrauensvoll und effektiv zusammen. So konnte schnell eine gute Testinfrastruktur aufgebaut werden. Über 50.000 Tests wurden durchgeführt und dadurch rund 150 Mal Infektionsketten unterbrochen. Auch das dürfte eine Rolle gespielt haben.

Und wie oft haben Sie gezittert, als die Werte mal doch im 80er- oder 90er-Bereich waren?
Ich schaue immer noch jeden Tag gespannt auf die Inzidenzmeldung, bin aber auch durch das Gesundheitsamt immer gut informiert.

Welche Rückmeldungen bekommen Sie aus Handel und Gastronomie: Werden die Außenbewirtung und das Terminshopping gut angenommen oder überwiegen doch die Probleme/Sorgen/Einnahmeausfälle?
Sorgen und Probleme sind zweifelsohne weiter vorhanden. Aber ich glaube, die Betriebe erkennen an, dass es in Neustadt im Vergleich zu anderen Städten recht stabil und unaufgeregt zuging. Wir haben so gut als möglich unterstützt. Es kommen auch viele Kunden von außerhalb. In der Gastronomie hat uns das vereinzelt schon vor Probleme gestellt.

Der große Wunsch wäre ja nun die 50er-Marke, weil dann die Maskenpflicht und das Terminshopping wieder aufgehoben werden können. Glauben Sie da in naher Zukunft dran?
Da bin ich vorsichtig optimistisch. Es gibt wahrscheinlich einen Effekt durch die wärmeren Temperaturen. Eine wichtige Rolle spielt auch das Impfen. Zuletzt haben wir 5166 Impfungen in einer Woche erreicht. Aufgrund der aktuellen Lieferprognose des Landes rechne ich in den kommenden Wochen im Schnitt mit 3000 bis 4000 Impfungen im Impfzentrum, hinzu kommen diejenigen in den Arztpraxen. Wir könnten in unserem Impfzentrum fast das Doppelte leisten. Daher würde ich es mir noch schneller wünschen, dennoch: Wir kommen voran.

Die Teststellen in der Innenstadt sind ja sehr wichtig im Pandemie-Alltag. Auch in den Ortsteilen gibt es immer mehr Angebote. Sie hatten auch mal über einen Testmobil gesprochen – wann kann dieses starten?
Am Mittwoch starten wir. Ich danke allen, die uns hier unterstützen: der Firma Motoren Baader, der Sparkasse Rhein-Haardt und dem DRK.

Bei aller Freude über die Neustadter Erfolge, große Feste und Ausgelassenheit gehen nicht. Bis 30. Juni haben Sie schon alles abgesagt in der Stadt, das Oktoberfest in München fällt flach. Was wird aus den Neustadter Festen ab 1. Juli?
Vergangene Woche besprach ich mit den Ortsvorstehern, dass wir ohne Planungssicherheit diesen Sommer und Herbst Weinfeste in der bekannten Weise nicht werden feiern können und sie deshalb absagen. Für das Deutsche Weinlesefest Ende September planen wir wie im vergangenen Jahr ein Alternativkonzept.

Und was denken Sie, wann wieder unbeschwert gefeiert werden kann?
So richtig pfälzisch? Vielleicht geht in der Weihnachtsmarktzeit schon mehr. Aber Weinfeste, wie wir sie kennen und lieben, sehe ich eher nächstes Jahr.

So geht’s dieses Jahr noch nicht: Die Stadt plant beim Deutschen Weinlesefest Ende September mit einem Alternativkonzept.
So geht’s dieses Jahr noch nicht: Die Stadt plant beim Deutschen Weinlesefest Ende September mit einem Alternativkonzept.
x