Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Jugend debattiert: Drei Neustadter Schüler auf dem Treppchen

Clemens Wandslebe und Benedikt Jahn haben sich als Landessieger für das Bundesfinale qualifiziert, Gabriela Nenninger wurde Drit
Clemens Wandslebe und Benedikt Jahn haben sich als Landessieger für das Bundesfinale qualifiziert, Gabriela Nenninger wurde Dritte.

Beide Landessieger von „Jugend debattiert“ kommen vom Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium. Clemens Wandslebe (16) entschied den Wettbewerb der Mittelstufe für sich, Benedikt Jahn (16) den der Oberstufe. Einen dritten Platz gab es für Gabriela Nenninger (18). Dabei geht es beim Debattieren eigentlich gar nicht ums Gewinnen.

Die drei Schüler hatten zuerst im schulinternen Wettbewerb, dann beim Regionalentscheid die vorderen Plätze erreicht. „Beim Schulwettbewerb war die Entscheidung ziemlich hart. Vor allem in der Oberstufe haben wir viele gute Leute“, sagt Lehrerin Sandra Zimmermann, die die Debattier-AG am KRG vor knapp zwei Jahren neu aufgebaut hat.

Die Diskussionsfragen werden bei „Jugend debattiert“ zehn Tage vor dem jeweiligen Wettbewerb bekanntgegeben. Für die Teilnehmer geht es dann an die Vorbereitung: „Ich lese mir oft Artikel im Internet durch, um unterschiedliche Meinungen zu finden. Für das Sachwissen schaue ich mir auch Studien an“, sagt Clemens. Ob sie auf der Pro- oder Kontra-Seite stehen, erfahren die Teilnehmer erst am Vorabend. Dann sei es Zeit, intensiver auf die Argumente einzugehen, sagt der Zehntklässler weiter.

Mit der Frage im Landeswettbewerb der Mittelstufe, ob es eine Corona-Impfpflicht geben soll, sei er gut zurechtgekommen, erzählt Clemens: „Das ist ja ein Thema, mit dem man sich auch in der Freizeit beschäftigt.“ Gabriela und Benedikt bekamen es unterdessen mit der Frage „Soll die Reichskriegsflagge verboten werden?“ zu tun. „Das war schon aufwendig in der Vorbereitung, ich musste vieles nachlesen“, sagt Benedikt. Es sei oft so, dass Themen, die erstmal simpel erscheinen, dann doch komplexer seien, als man denkt, stimmt Gabriela ihm zu: „Da kommt immer wieder zu rechtlichen und moralischen Fragen, über die man sich am Anfang gar keine Gedanken macht.“

Unterstützung der Mitschüler

Trotz der starken Konkurrenz innerhalb der Gruppe konnten die drei KHG-Schüler beim Landeswettbewerb auf die Unterstützung ihrer Mitschüler zählen. „Wir hatten vorher stundenlange Meetings mit Frau Zimmermann und den Mitgliedern der AG, bei denen wir Argumente zusammengetragen haben“, erzählt Gabriela. „Da gab es auch keine Neidauftritte“, ergänzt Benedikt. Eine Mitschülerin habe sich sogar extra als Zuschauerin für den Wettbewerb registrieren lassen, um sie zu unterstützen.

Dass „Jugend debattiert“ zum ersten Mal als Videokonferenz stattfand, war für die Neustadter Schüler keine große Umstellung. „Wir treffen uns schon seit November in der AG über Teams, das war ein gutes Training“, sagt Gabriela. Beim Landesseminar, das die Regionalsieger im Vorfeld besuchten, gab es weitere Tipps, wie man bei der Debatte vor der Kamera gut ankommt: „Auf einen neutralen Hintergrund achten und nicht auf den Bildschirm schauen, sondern Blickkontakt in die Kamera halten“, erinnert sich Benedikt.

Begegnung auf Augenhöhe

Am Debattieren schätzen die Schüler vor allem die Debattenkultur: „Man lernt viel darüber, wie Debatten eigentlich geführt werden sollten, ob das jetzt im privaten Bereich ist oder in der Politik“, sagt Gabriela. Dabei gehe es nicht darum, die anderen Debattanten „in die Pfanne zu hauen“, sondern darum, dass man sich auf Augenhöhe begegnet und beide Seiten voneinander lernen. „Das Ziel ist nicht, einen Kompromiss zu finden, sondern alle Standpunkte zusammenzutragen, sodass sich jeder am Ende selbst eine Meinung bilden kann“, erklärt Zimmermann.

Als Landessieger sind Clemens und Benedikt für den Bundesentscheid, der im Juni als Hybridveranstaltung in Berlin stattfindet, qualifiziert. Zuvor erwartet sie noch ein fünftägiges Seminar, bei dem sie die Teilnehmer aus den anderen Bundesländern kennenlernen. „Ich debattiere lieber mit Leuten, die ich schon kenne“, sagt Benedikt.

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