Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Ralph Wilhelm Sportlicher Leiter beim 1. FFC Niederkirchen

Ralph Wilhelm verfolgte aufmerksam das FFC-Aufwärmprogramm vor dem DFB-Pokalspiel gegen Elversberg.
Ralph Wilhelm verfolgte aufmerksam das FFC-Aufwärmprogramm vor dem DFB-Pokalspiel gegen Elversberg.

Ralph Wilhelm (57) hat nie in aktiv Fußball gespielt. Dennoch ist er seit dem 18. Juli Sportlicher Leiter des Frauenfußball-Regionalligisten 1. FFC Niederkirchen. Am Sonntag hat er Heimpremiere.

Herr Wilhelm, Sie sind Buchhalter. Was finden Sie an Ihrem Beruf toll? Das ist ja eigentlich eine trockene Angelegenheit …
Nun, ich bin sehr zahlenaffin. Einen Fehler in den Konten zu finden, und sei er auch noch so versteckt, ist, wie einen Kriminalfall zu lösen.

Kümmern Sie sich auch beim FFC um Buchhaltung?
Nein, das gehört nicht zu meinen Aufgaben.

Wie sind Sie Sportlicher Leiter des 1. FFC Niederkirchen geworden?
Ich habe mich ganz klassisch auf eine Stellenanzeige des FFC beworben. Ein anschließendes Telefongespräch mit Geschäftsführerin Anja Marx, die mich bereits gekannt hatte, reichte dann aus.

Welches Frauenfußballspiel war das erste, das Sie gesehen haben?
Spiele unserer Nationalmannschaft hatte ich mir schon immer hin und wieder mal im Fernsehen angeschaut. Mein erstes Live-Frauenfußballspiel auf den Zuschauerrängen war am 30. Oktober 2016 die Begegnung der beiden damaligen Zweitligisten 1. FFC Niederkirchen und SC Sand II.

Wie kam es dazu?
Eine gute Bekannte, die ich schon mehr als 30 Jahren kenne, weil wir damals zusammen im gleichen Formationstanzteam waren, sprach mich im Herbst 2016 an, dass deren Tochter von den B-Juniorinnen des 1. FC Saarbrücken nach Niederkirchen in die Zweite Bundesliga gewechselt sei. Und sie fragte mich, ob ich sie zu einem Spiel des FFC begleiten würde. Ich fuhr also an diesem 30. Oktober mit in die Vorderpfalz zum Frauenfußball und habe sofort mein Herz an ihn verloren. Ich wurde alsbald Mitglied im FFC und lernte im Laufe der Zeit viele Spielerinnen von der Landesliga bis zur Nationalmannschaft und auch viele Vereine, deren Spiele ich in der Folgezeit auch noch besuchte, kennen. Dies ging dann oft mit dem Wechsel von Spielerinnen einher, zu denen ein guter Kontakt entstanden war. Mein uneingeschränktes Team Nummer eins blieb aber stets der FFC.

Was war das bedeutendste Spiel, das Sie bisher besucht haben?
Ich habe im Laufe der Zeit jede Menge bedeutender Spiele gesehen, so dass ich von denen keines jetzt besonders hervorheben kann. Ein nicht alltägliches Erlebnis war allerdings in der vergangenen Spielzeit, sich von einem so einmaligen Team wie dem FC Barcelona beim Auftritt in der Champions League bei der TSG Hoffenheim berauschen zu lassen.

Haben Sie sich zuvor schon für Fußball interessiert oder sogar einmal selbst gespielt?
In einem Verein gespielt beziehungsweise Fußballspiel richtig erlernt habe ich nie. Natürlich hatten wir auch unsere Straßenmannschaft, und bei der KJG, der ich angehörte, gab es Fußballturniere, bei denen wir gegen andere Kirchengemeinden antraten. Mein Interesse für Fußball erwuchs schon als Kind mit der WM 1974. Als dann in der darauffolgenden Bundesligasaison der als bester Torhüter des Turniers ausgezeichnete Schwede Ronnie Hellström zum 1. FC Kaiserslautern wechselte und über Jahre dort zwischen den Pfosten stand, war es für mich als gebürtigen Lauterer die logische Konsequenz, FCK-Fan zu werden. Nachdem meine Liebe zum Fußball mit einem Torhüter begonnen hatte, ist es nur folgerichtig, dass bei mir auch heute noch Torfrauen in einem besonderen Fokus stehen und ihnen meine Bewunderung und besondere Aufmerksamkeit gebührt.

Was sind Ihre Erwartungen an das FFC-Spiel gegen die SG Andernach II?
Vom Papier her erwarte ich, dass die drei Punkte in Niederkirchen bleiben. Allerdings muss man bedenken, dass es das erste Punktspiel der neuen Saison ist und man an das Spiel selbst wohl noch keine großen Erwartungen knüpfen kann. Aber man muss auch bedenken, dass wir es mit einem bestimmt besonders motivierten Aufsteiger zu tun bekommen, über den nicht sonderlich viel bekannt ist.

Mit welchen Erwartungen haben Sie Ihre neue Stelle angetreten?
Es war mir klar, dass mich hier in erster Linie organisatorische Aufgaben erwarten. Aber genauso war mir bewusst, dass ich sehr viel Kontaktpflege mit den Spielerinnen der ersten Mannschaft, der U23 und deren Trainerteams betreiben werde, mich als Mittelsmann zwischen verschiedenen Positionen bewähren muss. Ich liebe die Arbeit mit jungen Menschen und freue mich, mich meinem Lieblingshobby noch mehr widmen zu können. Wenn sich die Möglichkeit bietet, werde ich mich auch im Bereich Scouting einbringen.

Interview: Thomas Dill-Korter

Termin

Frauen-Fußball-Regionalliga, erster Spieltag: 1. FFC Niederkirchen - Aufsteiger SG Andernach II (Sonntag, 14 Uhr).

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