Hassloch
Handball: Spieler in Haßloch, Hochdorf und Dansenberg verzichten auf Geld
Seinen Abschied hatte sich Tobias Job, bislang Trainer des Handball-Drittligisten TSG Haßloch, anders vorgestellt. „Seit der Woche vor dem Spiel gegen Erlangen Mitte März habe ich die Mannschaft nicht mehr gesehen“, sagt Job, der schon früh angekündigt hatte, zum Saisonende als Trainer auszuscheiden. Diese Woche hat der Deutsche Handball-Bund wegen der Corona-Pandemie die Runde in der Dritten Liga vorzeitig beendet. Die TSG, lange in Abstiegsgefahr, hatte sich mit insgesamt neun Siegen und drei Unentschieden schon vor dem Saisonabbruch deutlich von der Abstiegszone abgesetzt.
Doch sportliche Absteiger gibt es diesmal ohnehin nicht, informiert Tim Oliver Kalle, Leiter der Kommunikation beim DHB. Die Mannschaftszahlen der einzelnen Ligen werden für die Saison 2020/2021 entsprechend angepasst: Die Dritte Liga der Männer wird in der Runde 2020/2021 auf eine Stärke von maximal 72 Mannschaften (bisher 64) erhöht. Meister der Dritten Liga und damit Aufsteiger in die Zweite Liga sind der Wilhelmshavener HV (Nord-West), der Dessau-Roßlauer HV (Nord-Ost), der TuS Fürstenfeldbruck (Süd) und der TV Großwallstadt (Mitte).
Thomas Müller: Saisonstart erst Ende September?
„Ich hatte schon vor dem Erlangen-Spiel gesagt, ich gehe davon aus, dass wir uns zum letzten Mal gesehen haben“, erinnert sich Tobias Job, was er seinerzeit seinem Team gesagt habe. „Vereine der Dritten Liga haben keine Möglichkeit, den Trainingsbetrieb wieder aufzunehmen“, sagt Mark Schober, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Handballbundes. „Die Saison abzubrechen, ist aufgrund der Corona-Pandemie und mit Blick auf die weiter dringend erforderliche Reduzierung der Anzahl neuer Infektionen eine notwendige und richtige Entscheidung.“ Derzeit sind Großveranstaltungen bis zum 31. August verboten, aktuell gelten noch Einschränkungen für den gesamten Sportbetrieb. Schober: „Wir müssen jetzt alle daran arbeiten, dem Handballsport nach der Pandemie einen erfolgreichen Neustart zu ermöglichen.“
Thomas Müller, Sportlicher Leiter der TSG Haßloch, hat sich bereits Gedanken über die Saison 2020/2021 gemacht. „Wo wäre das Problem, wenn wir jetzt schon sagten, wir fangen erst Ende September an?“, fragt er. „Wir können ja noch nicht in die Halle.“ Normalerweise beginne die Vorbereitung auf eine Mitte August startende Runde Ende Juni/Anfang Juli. Und die Gefahr der Ansteckung sei noch nicht weg.
Job: Zwei Monate Vorlaufzeit
Tobias Job erzählt, dass die Mannschaft nach einer Saison zwischen sechs und acht Wochen Pause gehabt habe, bevor die nächste Saisonvorbereitung gestartet sei. „Aber nun ist die Pause ja viel länger“, gibt er zu bedenken. „Die Mannschaften brauchen jetzt mindestens zwei Monate Vorlaufzeit.“ Auch wenn sich die meisten Spieler alleine fit hielten, „es braucht auch Zeit, sich wieder an den Körperkontakt auf dem Spielfeld zu gewöhnen“.
„Kein Aufwand – kein Geld“, heißt es derweil in Haßloch. Die TSG-Spieler erhalten in der Coronavirus-bedingten Zwangspause keine Aufwandsentschädigungen. Alle Spieler hätten einen Beruf, mit dem sie Geld verdienten, weiß Müller. Finanziell gesehen sei eine weitere Saison in der Dritten Liga für die TSG gesichert. Den 200 TSG-Dauerkartenbesitzern, die ihre Tickets seit dem 13. März nicht mehr nutzen könnten, habe man erst einmal geraten abzuwarten. „Ich gehe nicht davon aus, dass viele Geld zurückverlangen“, überlegt der Sportliche Leiter. Theoretisch sei dies zwar möglich, doch seien die meisten der TSG sehr eng verbunden.
Hochdorfer Kader verzichtet auf Teil der Bezüge
„Schon aus gesundheitlichen Gründen sehe ich keine andere Alternative“, sagt auch Christian Deller, Vorsitzender des TV Hochdorf, zum Thema Saisonabbruch. Würde die Saison mit noch fünf ausstehenden Spieltagen in zu kurzem Zeitraum fortgesetzt, stiege das Verletzungsrisiko in ungeahnte Höhen an. Zumal niemand sagen könne, wie sich das Ansteckungsrisiko für alle in der Halle entwickele.
Wie Müller beschäftigt auch Deller vor allem der Ausblick auf die kommende Saison: „Unsere Verträge laufen ab dem 1. Juli. Einnahmen werden wir bis dahin aber keine haben.“ Außerdem könne derzeit niemand eine seriöse Vorbereitung für die kommende Saison planen. Immerhin habe auch der Kader des TV Hochdorf auf „einen Anteil X“ seiner Bezüge verzichtet. „Ein wichtiger Beitrag“, erklärt Deller, der dabei nicht die Summe, sondern die Signalwirkung der Geste betont. Zwar gebe es auch in Hochdorf eine Reihe treuer Zuschauer, Dauerkarten spielten hingegen keine besondere Rolle. „Wir haben nur sehr wenige.“
Einnahmen in fünfstelliger Höhe
Dem TuS Dansenberg entgehen mit dem vorzeitigen Saisonabbruch fest eingeplante Einnahmen in fünfstelliger Höhe. „Bis Juli können wir uns irgendwie durchhangeln, danach geht es um die Existenz“, betont der stellvertretende Vorsitzende Andreas Wilhelm, der den Verein mit Teammanager Alexander Schmitt lenkt.
Die vereinseigene Halle erweist sich in der aktuellen Situation als Fluch und Segen zugleich. „Wir haben laufende Kosten für Strom, Gas, Wasser und Versicherungen, auf der Gegenseite aber keine Einnahmen“, erläutert Wilhelm. Dem Pächter der Gaststätte habe man die Pacht gestundet, da auch dieser keine Einnahmen habe. Die Soforthilfe der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz lasse nach wie vor auf sich warten. Bei den Schwarz-Weißen rechnet man mit rund 15.000 Euro. Drei Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit, Kredite bei der Stadtsparkasse Kaiserslautern wurden für die kommenden sechs Monate ausgesetzt. Es wurden Stundungsanträge bei der Berufsgenossenschaft und dem Finanzamt gestellt und die Auszahlung der Übungsleiterentgelte verschoben.
Dansenberg hofft auf Hilfsprogramm
Die TuS-Mannschaft um ihren scheidenden Kapitän Christopher Seitz hat beschlossen, rückwirkend ab März bis Juni auf 30 Prozent ihrer Bezüge zu verzichten. „Wir wollen selbstverständlich auch unseren Teil dazu beitragen“, heißt es in einer auf der Vereinshomepage veröffentlichten Stellungnahme der Mannschaft. Das Trainerteam um Steffen Ecker verzichtet komplett auf seine Bezüge.
Auf die Sponsoren der Schwarz-Weißen ist Verlass. Der Vertrag mit Hauptsponsor Layenberger, der die Namensrechte an der Sporthalle hält, läuft noch drei Jahre. „Bislang ist noch keiner abgesprungen. Zwei Sponsoren haben ihr Engagement sogar verlängert“, freut sich Wilhelm. „Fakt ist aber, dass wir irgendwann eine Gegenleistung erbringen müssen“, stellt er klar. Die Planungen für die neue Spielzeit gestalten sich schwierig. „Wir wissen nicht, wann wir wieder Geld verdienen können. Ohne Einnahmen können wir nicht überleben. Zwei, drei Spiele ohne Zuschauer zu Beginn der neuen Saison zu überbrücken, wäre denkbar. Mehr aber auch nicht“, sieht Schmitt in Geisterspielen keine Alternative. Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf und Catering machen rund ein Drittel des sechsstelligen Gesamtetats aus. Ein Licht am Ende des Tunnels könnte das vom Land angekündigte Hilfsprogramm für Sportvereine sein. (sab/env/kkm)