Neustadt
Auf welche Wanderwege die Stadt künftig setzt
Es ist vollbracht: Die Stadt Neustadt hat ein Besucherlenkungskonzept, das vom Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen abgesegnet worden ist. Vor zwei Jahren war schon einmal eine Version eingereicht worden – doch sie wurde nicht akzeptiert. Also mussten Mitarbeiter der Tourist, Kongress und Saalbau (TKS) GmbH sowie Klaus Hünerfauth, stellvertretender Leiter der Umweltabteilung, noch einmal intensiv arbeiten. Jetzt überwiege Erleichterung, betont TKS-Geschäftsführer Martin Franck.
Die TKS hatte 2019 die Aufgabe von der Stadt bekommen, ein Besucherlenkungskonzept zu erstellen. Das Ziel verfolgen die Verantwortlichen des Biosphärenreservats schon seit 2010. Doch aus ganz unterschiedlichen Gründen zog sich die Umsetzung in die Länge. Ziel der Besucherlenkung: Wege, die durch ökologisch sensible Bereiche führen, sollen wegfallen. Außerdem geht es darum, Besucher durch Beschilderung so zu steuern, dass die Natur möglichst wenig beeinträchtigt wird. Zugleich sollen Wanderer Gewissheit haben, dass die beworbenen Wege in einem guten Zustand sind. Hünerfauth hat Verständnis dafür, dass es im Pfälzerwald weniger Wege und weniger Trubel geben soll: „Die Zertifizierung als Biosphärenreservat beinhaltet eben, dass es eine Besucherlenkung geben soll.“
Knackpunkt Stabenberg
Dass die ersten Pläne 2021 gescheitert warten, liegt Frank, Hünerfauth sowie TKS-Mitarbeiterin Cathia Mullem zufolge an der Kernzone Stabenberg bei Gimmeldingen/Königsbach. Bisher gibt es dort noch fünf Wanderwege. Die Ortsbeiräte hätten diese auch gerne weiterhin gehabt. Dem Wunsch sei die TKS beim ersten Anlauf gefolgt. Was zum Nein der Verantwortlichen beim Biosphärenreservat geführt habe. Zwischenzeitlich sei ein Kompromiss gefunden worden. Mit einem zentralen Rundweg am Stabenberg, so Hünerfauth.
Laut TKS-Chef Frank geht es nach dem Ja zum Konzept nun mit der Arbeit weiter. Oberbürgermeister Marc Weigel informierte den Stadtrat am Donnerstagabend über den Fortschritt. Im TKS-Haushalt für 2023 und 2024 seien insgesamt 110.000 Euro für die Umsetzung des Besucherlenkungskonzepts vorgesehen. Noch existiert davon lediglich das Arbeitspapier mit vielen Daten und Zeichnungen von Mullem. Jetzt muss alles entsprechend aufbereitet werden. Die TKS hat eine Firma damit beauftragt, im Herbst die vorgesehenen Wege abzugehen und die entsprechenden GPS-Daten zu erfassen. Anhand dieser Daten werden die Standorte für die Schilder festgelegt und die Anfertigung der Beschilderung beauftragt. „Bis Ende 2024 soll alles fertig sein“, sagt Franck.
Mullem betont, dass im Konzept alle Wege zusammengefasst seien, für die die Stadt zuständig sei. „Das bedeutet, dass das, was wir ausschildern und bewerben, auch gepflegt sein wird“, erklärt Mullem. Für jede Strecke gebe es Verantwortliche, die sich um Schäden kümmerten und auf alles ein Auge hätten. Das Streckennetz werde künftig noch 112,36 Kilometer lang sein – bisher: 250. Die Stadt habe Strecken gestrichen, aber auch neue Wege aufgenommen.
Neu: Weinbietrunde
Ein Neuling ist etwa der kürzlich eröffnete Drumrum-Weg, der vom Innenstadtbeirat initiiert worden war und Wanderer vom Hauptbahnhof aus durch die Stadt und rund um die Innenstadt führt. Ebenfalls aufgenommen wurden die Loog-Loops vom Pfälzerwald-Verein Hambach sowie die Weinbietrunde. Im TKS-Arbeitspapier finden sich weitere Beispiele: die Sühnekreuzrunde, die Hahnenschritt-Runde, die Finstertal-Tour, zwei Rundwege an der Wolf’schen Anlage sowie die Stabenberg-Runde und der Weinlagenweg Vogelsang.
25 Wege sind insgesamt aufgeführt; bei ihrer Bestandsaufnahme hatten Mullem und Hünerfauth ursprünglich 120 Wege identifiziert. Auch wenn das Ausdünnen vor allem aus Umweltschutzgründen erfolgt ist, sieht der Touristiker Franck darin auch Vorteile. Die neuen Strecken seien bewusst als Rundwege angelegt. „So können wir Urlaubern gute Angebote machen“, sagt Franck. Zu den noch anstehenden Aufgaben zählt auch der Druck von Wanderkarten und Broschüren – „damit Gäste künftig alle Neustadter Wege auf einen Blick haben, das gibt es bisher nicht“, so Mullem. Ergänzt werden sollen die Broschüren um Wegbeschreibungen sowie Tipps zum Einkehren und für Besichtigungen. „Wir wollen das schließlich alles touristisch bewerben“, betont Franck.
„Alles benutzerfreundlicher“
Hünerfauth sieht die Konzeptauflagen „weniger Wege, mehr Schutz, zielgerichtetere Besucherströme“ gut erfüllt. Dass die Streckenmenge um 55 Prozent reduziert wurde, dürfe man nicht überbewerten. „Viele Markierungen und Wege waren bisher mehrfach vertreten.“ Und mit Blick auf die Kernzone Stabenberg sei es nun gelungen, eine Premiumrunde zu entwickeln. Darüber hinaus biete sich die Chance, bei ein, zwei geführten Touren im Jahr Gästen auch die Kernzone und ihre naturnahe Entwicklung zu zeigen.
Die neuen Schilder sollen sich am Prinzip des Drumrum-Wegs anlehnen und jeweils verschiedene Ziele aufführen. Das ermögliche eine bessere Orientierung. Franck ist zuversichtlich: „Alles wird benutzerfreundlicher, eben weil wir für die Begehbarkeit der Wege und die korrekte Beschilderung garantieren.“ Nicht betroffen sind übrigens Wanderwege im Ordenswald und bei Geinsheim, da sie außerhalb des Biosphärenreservats liegen.

