Neustadt
Arbeitskreis Asyl: Zwei Männer übernehmen Vorsitz
Der Arbeitskreis (AK) Asyl in Neustadt hat eine harte Zeit hinter sich. Die beiden Vorsitzenden Ulrike Gauglitz und Annette Aumüller zogen sich vergangenes Jahr aus gesundheitlichen und privaten Gründen zurück. Ihre Stellvertreterin Kerstin Pingel und das restliche Team übernahmen viele Aufgaben, jedoch musste Pingel ihr Amt nun aus beruflichen Gründen aufgeben.
Sie berichtete bei der Mitgliederversammlung am Dienstagabend, dass der Arbeitskreis ab April 2019 seine Aktivitäten bis auf die Sprechstunden für Geflüchtete zurückfuhr. Runder Tisch mit Vertretern der Stadt, Seminare und Vorträge fielen aus. Gleichzeitig sank das Interesse in der Bevölkerung an der Flüchtlingsthematik, mangels Spenden und Zuschuss von der Stadt kam der Verein in eine finanzielle Schieflage. Sprachkurse konnten nicht mehr bezuschusst, Darlehen nicht mehr ausgegeben werden.
2020 startet optimistisch
Anfang 2020 dann die Erleichterung: Nach einem Spendenaufruf unter den Mitgliedern und einer Spende über 10.000 Euro von der Stadt ging es aufwärts. Dann kam Corona. Im März mussten die Sprechstunden eingestellt werden, die Beratung per E-Mail wurde laut Pingel nur wenig genutzt. Zu groß war die sprachliche Barriere. Seit Juni werden wieder Sprechstunden angeboten.
In diesem Stadium übernehmen nun zwei Männer das Zepter: Die Vereinsmitglieder haben Michael Landgraf und Klaus Eichelberger zur neuen Doppelspitze gewählt. Stellvertreter ist Eckart Wollner. Beisitzer bleiben Carolin Urich, Shabana Khan und Claudia Braukämper.
Aufgabenverteilung steht
Der Pfarrer Michael Landgraf bildet Religionslehrer und Pfarrer aus. Erste Kontakte zum Arbeitskreis Asyl knüpfte er über seine Arbeit im Stadtrat beziehungsweise im Beirat für Migration und Integration, wo er stellvertretender Vorsitzender ist. Als solcher ist er immer wieder im Interkulturellen Haus in der Talstraße zuständig. Irgendwann habe er sich gefragt, wieso man die Kräfte nicht bündeln sollte, schließlich verfolgten alle das gleiche Ansinnen. So kam er zum Arbeitskreis.
Der 65-jährige Eichelberger ist Maschinenbauingenieur und arbeitete bis zum Renteneintritt bei der BASF. Danach suchte er eine sinnvolle Beschäftigung. In der Hausaufgabenhilfe kam er erstmals mit Geflüchteten in Kontakt, der Weg zum AK war nicht mehr weit. Ihm liegt viel daran, trotz des Wechsels die Kompetenzen im Verein zu erhalten und an neue Mitglieder weiterzugeben. „Herr Eichelberger ist sehr präsent in der Beratung, ich möchte mich um die Vertretung des Vereins nach außen und um politische Belange kümmern“, fasst Landgraf die künftige Aufgabenverteilung zusammen.
Ulrike Gauglitz Ehrenmitglied
Den beiden ist bewusst, dass es große Fußstapfen sind, in die sie treten. Denn, das betonten alle Redner – und auch Annette Aumüller in einem von Kerstin Pingel vorgelesenen Brief: Ulrike Gauglitz, selbst als Kind aus Schlesien geflüchtet, hat den Verein seit 2012 maßgeblich geprägt. „Die Arbeit mit den Geflüchteten, netzwerken, organisieren – all das war mein Ding“, sagte die 72-Jährige. Es falle ihr nicht leicht, nicht mehr mitzumischen. Auch danach berate sie die Helfer gerne. Die AK-Mitglieder wählten sie zum Ehrenmitglied, zum zweiten in der Vereinsgeschichte.