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Mittwoch, 22. März 2017 Drucken

Neustadt: Kultur Regional

Qualität geht vor Quantität

Satter Klang (18): Der Musikverein Haßloch ist eine der besten Adressen der Region für konzertante Blasmusik – Frühlingskonzert steht bevor

Von Heike Klein

 

Nächstes Jahr macht er das Vierteljahrhundert voll: Franz Zimnol leitet das Orchester des Haßlocher Musikvereins seit 1993 und hat den Verein in dieser Zeit künstlerisch enorm geprägt. ( Foto: Mehn)

Hassloch. Blasorchester, Musikkapellen und Musikvereine – sie spielen in der Kulturszene der Region eine große Rolle. Als Ausbildungsorchester für junge Menschen, die musizieren möchten. Und als Plattform für Instrumentalisten, die ihrem Hobby mit Enthusiasmus nachgehen. Die Klangfülle ist enorm. Und es sind nicht nur Volksfeste und Umzüge, bei denen man sie hören kann, sondern auch anspruchsvolle Konzerte. In dieser Serie stellen wir einige dieser Ensembles vor – diesmal den Musikverein Haßloch.

 

Die Musiker des Haßlocher Musikvereins befinden sich gerade mitten in einer der heißesten Phasen des Konzertjahres, denn am 1. April steht das große Frühjahrskonzert an, und das verspricht nicht weniger als „Musik der Legenden“. Die Leinwandhelden bekannter Filmproduktionen werden da vor dem geistigen Auge tanzen, wenn das sinfonische Blasorchester loslegt. Gespielt werden Medleys und Stücke von Filmhits wie „Herr der Ringe“, „Blues Brothers“ oder Broadway-Größen wie George Gershwin und Leonard Bernstein.

Die Hauptarbeit liegt jetzt aber schon hinter dem 38-köpfigen Ensemble. Denn mit dem dreitägigen Probenwochenende im Februar habe es einen kräftigen Schub nach vorne gegeben, erzählt der Vorsitzende Jürgen Geibert. Dabei habe das sinfonische Blasorchester jeweils nur rund vier Monate Zeit, um sich auf ein Konzert vorzubereiten. Denn gleich dreimal im Jahr stehen die Musiker bei großen eigenen Veranstaltungen auf der Bühne. Nach dem Frühling geht es zum nächsten Schwerpunkt, dem Herbstkonzert. Dann mit eher volkstümlichen Weisen und mit einem besonderen Ableger des Musikvereins, den „Alten Kameraden“. Der liebevoll gewählte Namen des 18-köpfigen Ensembles ist dabei Programm. Der Altersdurchschnitt dort liegt bei rund 70 Jahren, und die „Alten Kameraden“ haben sich ganz bewusst auf die Volksmusik konzentriert. Dementsprechend sind sie bei vielen Volksfesten und Vereinsveranstaltungen in Haßloch und Umgebung im Einsatz.

Geibert ist seit 40 Jahren Mitglied im Verein und spielt selbst Trompete. Er knabbert mit seinen Mitgliedern nur etwas daran, dass die Musiker manchmal ein Nomadenleben führen müssen. Ihr wichtigster Proberaum ist die Aula des Hannah-Arendt-Gymnasiums. Dort finden auch die Frühjahrs- und Herbstkonzerte statt. „Wenn die Aula aber gebraucht wird, dann sind wir freitags zum Proben in den Ausweichquartieren in der Schillerschule oder bei der Sängervereinigung“, erklärt Geibert. Der Musikverein hat aber inzwischen die Pläne aufgegeben, ein eigenes Vereinsheim zu bauen. Denn das müsste durch große Eigenleistungen der Mitglieder entstehen. Da aber rund die Hälfte der Musiker ohnehin von auswärts kommt, wäre das zu aufwendig. Geibert lobt aber die Zusammenarbeit mit dem Gymnasium. Dort habe man großes Verständnis für die Belange der Musiker.

Beim Musikverein geht ganz klar Qualität vor Quantität. Daher nehmen auch viele Bläser weite Anfahrtswege in Kauf. Musiker aus Landau, Speyer, Grünstadt oder Rödersheim. Sie packen dann auch beim Waldfest kräftig an, treffen sich zum Grillfest und zu den besonderen Ehrungen, die nur alle fünf Jahre durchgeführt werden. Geibert weiß auch, dass er seine Mitglieder nicht mit Terminen überladen darf. „Der durchschnittliche Haßlocher ist in mindestens zwei Vereinen“, weiß er. Bei 120 Vereinen im Dorf, ist das ein gesunder Mittelwert. Auch Geibert geht mit gutem Beispiel voran. Er ist noch Mitglied im Angelsportverein, bei der Volkstanzgruppe und beim VfB Haßloch.

2018 feiert der Musikverein sein 60-jähriges Bestehen. 1998, zum 40. Geburtstag, hatte des sinfonische Blasorchester eine deutschlandweite Uraufführung. Als erstes Ensemble seiner Art spielte der Musikverein die „Carmina Burana“ in der ursprünglichen Form, nämlich als Werk für Blasorchester. „Diese Ausführung war in Vergessenheit geraten, nachdem die Komposition von herkömmlichen Orchestern mit großer Besetzung gespielt wurde. Wir übten es mit einem Münchner Chor ein und hatten zwei Vorführungen. Eine in München in der Philharmonie und dann einmal im Rahmen des Andechser Bierfestes. Damals mussten wir für die gesamte Produktion und Saalmiete in München rund 65.000 Mark vorstrecken. Unsere Bilanz ging dann null auf null auf“, erinnert sich Geibert. Für 2018 hat der Verein auch schon erste Überlegungen für ein besonderes Jubiläumskonzert in der Schublade. In wie weit sich diese verwirklichen lassen, können und wollen Geibert und Dirigent Zimnol aber noch nicht sagen.

Termin

Das Frühjahrskonzert findet am Samstag, 1. April, um 19.30 Uhr in der Aula des Hannah-Arendt-Gymnasiums in Haßloch statt. Karten (10/7 Euro) bei Bücher Friedrich in Haßloch (06324/80790).

 

 

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