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Donnerstag, 03. Januar 2019 Drucken

Neustadt: Kultur Regional

Feurige und frivole Küsse

Neujahrskonzert mit Lena Romanoff, Alexander Weis und Victor Pribylov in der Parkvilla des Mußbacher Herrenhofs

Von Hildegard Janssen-Müller

Schwungvoll: Lena Romanoff und Alexander Weis.

Schwungvoll: Lena Romanoff und Alexander Weis. ( Foto: Linzmeier-Mehn)

«Neustadt». Mit schwungvollen Tangos, zu Herzen gehenden Melodien und frechen Chanson-Texten bescherte das nachmittägliche Neujahrskonzert in der Parkvilla des Mußbacher Herrenhofs seinen Besuchern einen ebenso heiteren wie amüsanten Start ins neue Jahr.

Organisiert hat das Konzert mit Lena Romanoff (Gesang), Alexander Weis (Bariton) und Victor Pribylov (Bajan) die Neustadter Stiftskantorei, die traditionell die Gäste auch mit Getränken, pikanten Häppchen und hochgelobten hausgemachten Kuchen bewirtete.

Wie begehrt die Veranstaltungen rund ums Lied sind, zeigt sich beim Auftakt der diesjährigen Reihe „Lied in der Parkvilla“: Der Raum ist voll besetzt, munter fließen die Gespräche, um sofort abzuebben, als die Künstler die Bühne betreten.

„Kiss of Fire, Chansons & Tangos“ haben sie ihr Programm genannt und entführen das Publikum im Tangoschritt aus dem regenfeuchten Neustadt unter die blühenden Kastanien Barcelonas, wo verliebte Männer Mädchen das Himmelreich versprechen: Alexander Weis besingt die schöne „Donna Clara“, und Lena Romanoff kontert mit dem Lob eines Herrn namens „Don Fernando“. Unterstrichen von wenigen, dafür ausdrucksstarken Gesten, wird das Schicksal von „Schöner Gigolo“ beschrieben. Die Eifersucht kommt ins Spiel, als Alexander Weis fordert „Guck doch nicht immer nach dem Tangogeiger hin“, bevor er mit Lena Romanoff im Duett voller Schmelz und Hingabe anstimmt: „Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden.“

Dem kleinen Ensemble, begleitet von Victor Pribylov mit dem Bajan, der osteuropäischen Variante des Knopfakkordeons, gelingt es, mit einem Medley als Einstieg die Bandbreite der Welt des tanzbaren Tangos anzudeuten – und gleichzeitig einen ersten Einblick in die teils erfrischend frivolen Texte von Liedern der 1920er- und 1930er-Jahre zu geben. Selbst das kriminelle Geschehen wird nicht ausgeblendet; dieses hat das Terzett mit einer Hochspannung erzeugenden Interpretation des „Kriminaltango“ ans Ende des Konzerts gesetzt. Dass Mord und Totschlag schon früh in die gesungene Literatur Eingang gefunden haben, zeigen die drei anhand der Moritat von der schönen „Jungfer Lotty“. Und geben dem Publikum gleich die Moral von der Geschicht’ mit ins noch ganz junge Jahr: Die „Liebe ist kein Spaß. Sie ist wie ein Raubtier, das dich erbarmungslos frisst“. Und das ganz ohne Standesunterschiede.

Viel Spaß bereiten dem Publikum auch Lieder wie „Fährt der alte Lord fort“ von Heinz Erhardt, die von Lena Romanoff sehr schnell in Szene gesetzte Gehirnakrobatik über das Thema „Verzwickte Verwandtschaftsverhältnisse“ oder das qualvolle Ende eines Freundes – verursacht durch einen simplen „Blusenkauf“ – von Otto Reuter. Auch da kommt das feine komödiantische Talent des Baritons zum Tragen, das ganz auf Albernheiten verzichten kann.

Lena Romanoff glänzt neben der Leichtigkeit und Lebendigkeit, mit der sie singt, auch mit dem Beweis für ihre ursprünglich klassische musikalische Ausbildung, wenn sie beispielsweise die Arie „Ja, die Liebe hat bunte Flügel“ aus Bizets Oper Carmen anstimmt. Auch wenn sie mit viel Gefühl Volkslieder aus ihrer Heimat vorträgt wie das tschechische Liebeslied „Lasko, boze lasko“, schimmert die Erfahrung mit der Klassik durch. Besonders viel Beifall erhält sie auch für den temperamentvollen Tango „Kiss of Fire“, ursprünglich als „El choclo“ bekannt.

Ein ebenso einfühlsamer wie facettenreicher instrumentaler Begleiter ist der Bajan-Spieler Victor Pribylov. Sein Können und seine Fingerfertigkeit auf dem Instrument mit dem großen Tonumfang beweist er auch als Solist von Kompositionen wie einer federleicht gespielten italienischen Polka, Mozarts türkischem Marsch oder seiner Interpretation des Säbeltanzes von Chatschaturjan, die dem Zuhörer Bilder von der Steppe Zentralasiens malt.

„Toll war’s“, sind sich die Besucher am Ende des Konzerts und nach zwei Zugaben im Mußbacher Herrenhof einig: „Ein gelungener Beginn für ein neues Jahr.“

Neustadt-Ticker