Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Zu viele Monteursunterkünfte: Oppau macht mobil

Auffallend viele Deutschland-Fahnen wehen in Oppau, dem Stadtteil Ludwigshafens mit den vielen Monteursunterkünften.
Auffallend viele Deutschland-Fahnen wehen in Oppau, dem Stadtteil Ludwigshafens mit den vielen Monteursunterkünften.

Es besteht Handlungsbedarf, wenn Menschen, die ein Leben lang für ihr Häuschen oder ihre Wohnung gespart haben, am liebsten wegziehen würden. In Ludwigshafen-Oppau haben zwei Frauen Unterschriften gesammelt, weil es in ihrem Stadtteil inzwischen so viele Monteursunterkünfte gibt, dass viele Anwohner nur noch genervt sind. Im Handumdrehen waren 300 Autogramme beisammen und ein offener Brief verfasst. Die Anwohner stören sich nicht an den Fremden, die zum Arbeiten kommen. Aber sie stören sich an den Problemen, die sich in der Summe ergeben – zum Beispiel lautstarkes Reden bei den Treffen morgens um fünf Uhr zu den Fahrgemeinschaften oder dass kleinerer Abfall einfach aus dem Fenster geworfen wird.

Lärm, Müll, Prostitution

Erster Adressat für die Beschwerden ist der Ortsvorsteher, klar. Und die Unterkünfte sind auch das größte Problem von Frank Meier, der vor allem die illegalen Angebote anprangert. Schätzungen der Anwohner zufolge gibt es 70 der Unterkünfte. Bei zugeparkten Straßen lässt sich mit vielen auch reden, unterstreicht Ortsvorsteher Meier. Aber eben nicht mit allen. Die Stadt weiß um die Probleme: Lärm, Müll, Parkplätze, Prostitution. Daran stören sich viele Oppauer. Immerhin hat der Stadtrat am Montagabend in seiner Marathonsitzung dem FWG-Antrag zugestimmt, eine Satzung nach dem Landesgesetz über das Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum (ZwEWG) zu erstellen. Eine solche Satzung ist auch in Speyer und Kaiserslautern auf den Weg gebracht, aber kein Instrument, mit dem die vielschichtigen Probleme in ihrer Fülle geklärt werden können. Ein Ortsbesuch zeigt, dass die Verärgerung der Bürger berechtigt ist. 70 Unterkünfte für Monteure, von denen viele in der BASF arbeiten, in einem Stadtteil mit knapp 10.000 Einwohnern. Da ist ein Stadtteil am Kippen.

Zwangspause für die Gastronomie

Die Menschen in Ludwigshafen, die Geschäfte haben, müssen diese geschlossen halten. Die Menschen, die Kinder haben, müssen diese irgendwie organisiert bekommen. Die Menschen, die ein Restaurant oder eine Kneipe haben, die schlagen sich mit oder ohne Unterstützung mit den Formalitäten herum für die Hilfen, mit denen sie sich über Wasser halten wollen. Und die Menschen, die Hotels und Pensionen betreiben, legen auch mit ihren Betrieben eine Zwangspause ein. Ja, nur unaufschiebbare Dienst- und Geschäftsreisen sind aktuell erlaubt.

Auflagen für Erntehelfer

Weil das alles so ist, wundern sich die Menschen in Oppau gerade. Und zwar darüber, dass Monteursunterkünfte trotz aller Corona-Auflagen nicht auch geschlossen sein müssen. Den Landwirten werden für ihre Erntehelfer strenge Auflagen gemacht. Saisonarbeiter, die ankommen, unterliegen einer Arbeitsquarantäne. Was bedeutet, dass die Landwirte erst einmal für ihre Mitarbeiter einkaufen gehen. Wenn es gleichzeitig entlang des Rheins in Unterkünften von Industrie-Arbeitskräften zugeht wie in einem Taubenschlag, dann sorgt das für Verwunderung.

Es ist nicht ein Problem von Oppau, die Unterkünfte sind in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Für die Nachbarn werden sie teils zur Tortur. Das hätte ohne Corona kaum interessiert. Aber mitten in der dritten Welle Unterkünfte mit Gemeinschaftsbädern und -Küchen?

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