Sommertour RHEINPFALZ Plus Artikel Wie die Heinrich-Pesch-Siedlung mit Leben gefüllt werden soll

Projektsteuerer Michael Böhmer mit Leserinnen und Lesern auf der Baustelle.
Projektsteuerer Michael Böhmer mit Leserinnen und Lesern auf der Baustelle.

Aus der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 ist die Idee für Wohnraum entstanden. Dies und vieles andere mehr erfuhren die Teilnehmer der RHEINPFALZ-Sommertour beim rund einstündigen Rundgang über das Gelände der künftigen Heinrich-Pesch-Siedlung. Projektsteuerer Michael Böhmer zeigte, wo und wie in ein paar Jahren rund 2000 Menschen auf dem rund 4,5 Hektar großen Gelände leben sollen.

Christine Jelinek war skeptisch: „Ich glaube nicht, dass der Stellplatzschlüssel von 1,0 pro Wohneinheit ausreicht.“ Ein Einwand, den Michael Böhmer bestens kennt. „Mobilität verändert sich. Und wir wollen natürlich auf dem Gelände Fahrradstellplätze und auch Plätze für Lastenräder vorhalten“, entgegnete er. Nur zum Be- und Entladen sollen die künftigen Bewohner vor ihren Wohnhäusern mit dem Auto vorfahren. Ansonsten sollen die Fahrzeuge in den Parkhäusern abgestellt werden.

Von denen ist auf der Brachfläche, auf der einmal die Siedlung stehen soll, im Hochbau schon am meisten zu sehen: „Die TWL hat die Trafostationen für die künftige Stromversorgung schon erstellt“, so Böhmer. Nicht nur für Licht im Gebäude, sondern auch für die Versorgung der eingeplanten E-Ladestationen. „Und auf dem Dach haben wir natürlich Photovoltaikanlagen vorgesehen.“ Auf den Parkhäusern ebenso wie auf den Wohnhäusern in der gesamten Siedlung.

Straßennamen schon vergeben

Dafür braucht es aktuell noch eine Menge Fantasie. Aus den ursprünglich schon freigeräumten Baugruben wuchern Wildkräuter. Nur das Straßennetz, für das es bereits konkrete Namensvorschläge der Trägergesellschaft gibt, ist bereits angelegt. So sollen originell gepflasterte Wege künftig die Namen von Alfred Delp, Freya von Moltke Nikolaus Groß, Edith Stein und Berta Cáceres tragen, während der Gemeinschaftsplatz den Namen von Erich Ramstetter erhalten soll. „Die Straßen haben wir schon auf unsere Kosten fertiggestellt. Für den Unterhalt sind wir in Verhandlungen mit der Stadt.“

Überhaupt ist „Verhandlungen“ eine oft genutzte Vokabel während der Sommertour, denn auch die Gespräche mit den erhofften Investoren für die vier Bauabschnitte laufen aktuell noch. „Erst nach einer Unterschrift können wir deshalb auch Namen nennen“, bat Böhmer um Verständnis. Er hofft, dass dies für den ersten Bauabschnitt noch Ende des Jahres erfolgt. „Dann könnte ab 2024 Baubeginn sein.“

Erste Mieter ab 2026

Natürlich erst, wenn besagte Investoren ihre Unterlagen für die Baufreigabe bei der Stadt abgegeben haben und zuzüglich der Bearbeitungszeit in der Verwaltung. „Aktuell gehen wir davon aus, dass hier ab 2026 die ersten Menschen wohnen werden.“ So verbleibt den bereits gepflanzten Bäumen in dem verkehrsberuhigten, aber schon absehbar recht grünen Wohnbezirk reichlich Zeit, Wurzeln zu schlagen.

Im benachbarten Pesch-Haus ist ein anschauliches Modell der Siedlung aufgebaut.
Im benachbarten Pesch-Haus ist ein anschauliches Modell der Siedlung aufgebaut.

Alle künftigen Bewohner, auch die der Ein- und Zweifamilienhäuser, werden Mieter sein. „Die Grundstücke werden an die Investoren in Erbpacht überlassen. Sie bleiben Eigentümer der Wohnungen“, erläuterte Böhmer das Verfahren – sehr zur Überraschung von Leser Dieter Hafner. „Ich könnte mir schon so ein Einfamilienhaus vorstellen, aber dass man die nicht kaufen kann, wusste ich nicht.“ Für ihn eine kleine Enttäuschung, denn das neue Quartier an sich nehme sich eigentlich positiv aus. Auch die Wärmeversorgung mit Fernwärme fand seinen Beifall, auch wenn er die dafür nötigen Anschlüsse im bereits fertiggestellten Straßennetz ebenso vermisste wie Thomas Müller.

Eigene Straßenbahnhaltestelle

Immerhin konnten sich alle Teilnehmer schon ein Bild von der künftigen Siedlung machen – oder von der künftigen Nachbarschaft. „Ich kenne das Gelände nur von der anderen Seite“, lachte Marianne Kuntze. Und verwies auf die Häuser hinter dem Grüngürtel und der Rhein-Hardt-Bahn. „Deshalb wollte ich es mir einmal aus der Nähe ansehen.“ Dafür habe sich die Sommertour als gute Gelegenheit ergeben. Besonders erfreulich für sie, dass im südwestlichen Teil des Gebietes eine weitere Straßenbahnhaltestelle vorgesehen ist.

Für den handfesten Anschauungsunterricht gab es nicht allein den Spaziergang durch die noch leeren und vor allem sauberen Straßen, sondern vor allem für den Blick auf das Modell, das im Foyer des Heinrich-Pesch-Hauses ausgestellt ist und an dem Böhmer viel deutlicher erläutern konnte, was die künftigen Mieter einmal erwarten wird: „Einer der wesentlichen Bausteine soll sein, dass zwar jeder individuell wohnen kann, aber sich trotzdem in einer Gemeinschaft befindet.“ Eben ganz nach dem selbstgewählten Motto „gut – zusammen – leben“.

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