Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Warum sich Florian Billek um die Kinder sorgt

Florian Billek vom HSC 2000 Coburg.
Florian Billek vom HSC 2000 Coburg.

Florian Billek ist nicht nur der Top-Torschütze des Bundesliga-Absteiger HSC 2000 Coburg, dem Gegner des Handball-Zweitligisten Eulen Ludwigshafen (Mittwoch, 19 Uhr, Eberthalle). Der 33-Jährige zählt zu den „Identifikationsfiguren des Coburger Handballs“. Deshalb hat Geschäftsführer Jan Gorr auch ein Spieltagsplakat des „eskalierenden“ Linkshänder im Besprechungsraum des Clubs aufgehängt. Das täuscht ein wenig. Im privaten Leben hat der gebürtige Hesse nämlich ein großes Herz für Kinder.

Herr Billek, Sie kommen gerade aus dem Abschlusstraining für die Partie gegen die Eulen Ludwigshafen. Was steht heute noch auf dem Plan?
Jetzt geht es erstmal nach Hause zum Essen, dann ist Ausruhen angesagt und am Abend geht es früh ins Bett. Wichtig ist, dass es noch ein entspannter Tag sein wird und wir morgen um 12 Uhr in Ruhe nach Ludwigshafen fahren können.

Sie gelten als leidenschaftlicher Koch. Werden Sie heute nicht kochen?
Heute mal nicht, diesmal ist das Mittagessen bei meinem Thailänder organisiert. Aber es richtig, dass ich ansonsten gerne auch selbst in der Küche stehe und immer wieder mal was ausprobiere.

Was ist denn Ihr Lieblingsgericht?
Nichts besonderes. Schon seit meiner Kindheit schwöre ich auf Rahmschnitzel mit Pommes.

Mussten Sie diese Mahlzeit schon als Koordinator für Kinderhandball beim HSC Coburg den Kindern servieren?
(lacht). Bisher noch nicht.

Die Pandemie ist noch lange nicht vorbei. Sorgen Sie sich um den Nachwuchs?
Definitiv, es ist ja kein Geheimnis, dass die Kinder während der Pandemie und auch des Lockdowns die Verlierer sind. Mir geht es hier nicht um den Handball, sondern einfach darum, dass der Bezug zur Bewegung abhandengekommen ist. Der Zulauf, aber auch Zuspruch und das Interesse sich zu bewegen, ist nach über einem Jahr ohne Training deutlich geringer geworden. Das ist das Thema, was mir gerade Sorgen bereitet. Es geht hier nicht um den Leistungs- sondern um den Breitensport.

Was appellieren Sie derzeit an die Eltern der Kinder?
Dass die Kinder nach der Schule und den Hausaufgaben, wieder mehr raus an die frische Luft gehen, mit Freunden was unternehmen, sich bewegen, Sport machen und dabei viel Freude haben. Wir sollten vermeiden, dass sie nicht nach den schulischen Pflichten, am PC oder am TV „hängen“ und deshalb nicht zur Bewegung kommen. Die bisherige Pandemie hat gezeigt, dass der Nachwuchs in Sachen Bewegung auf der Strecke blieb.

Kinder unter zwölf Jahren wieder ausgeschlossen

Wie können Sie persönlich Hilfestellung geben?
Meine Möglichkeiten sind sicherlich begrenzt. Ich bin in erster Linie noch Profi und stehe auch voll im Trainings- und Spielbetrieb. Wichtig ist aber, dass wir beim HSC Coburg, Angebote schaffen, diese nach Außen kommunizieren und dann auch umsetzen. Es soll ein Angebot für Kinder sein, die keinem Verein angehören. Wir haben eine gesellschaftliche Verpflichtung als Club. Das sind bei uns die Schnuppertage für vier- bis zwölf- Jährige, wo koordinative und kognitive Fähigkeiten geschult werden. Es geht darum, mit einfachen und banalen Übungen die Bewegungsfähigkeit zur fördern. Und das kann auch sehr viel Spaß machen.

Sehen Sie sich als der Sozialarbeiter des Nachwuchses?
Soweit möchte ich nicht gehen, auch wenn ich mir ernsthaft Sorgen mache, wie die Entwicklung weitergehen wird. Seit heute ist die Ampel bei uns in Bayern auf Rot, das heißt, es gilt ab sofort die 2-G-Regel, was gleichbedeutend ist, dass Kinder unter zwölf Jahre, die bisher nicht geimpft werden konnten, wieder vom Trainingsbetrieb ausgeschlossen werden. Es will es mal krass ausdrücken. Die Kleinsten werden wieder eingesperrt. Es geht nicht nur um den Sport und die Bewegung, es geht um mehr. Auch das soziale Miteinander geht verloren, wenn die Kinder nicht raus dürfen, dann hängen sie doch wieder am PC oder am TV. Dann kommen die Probleme, die wir uns nicht wüschen.

Welchen Wunsch haben Sie?
Ich kann mir kein Urteil über die Politik erlauben. Es ist auch nicht meine Aufgabe. Aber ich hoffe, dass man im bayrischen Landtag nach Möglichkeiten sucht, dass die Teilhabe der Kinder am gesellschaftlichen Leben und dazu gehört auch der Sport nicht noch einmal ausgegrenzt werden.

Mit dem TV Hüttenberg sind Sie erstmals in die Bundesliga aufgestiegen. Sie nannten diesen Erfolg als den schönsten Aufstieg. Gibt es heute noch Kontakte nach Mittelhessen?
Selbstverständlich, auch wenn ich schon zehn Jahre von zu Hause weg bin. Meine Eltern, meine Großeltern, also die Familie, lebt noch dort und wenn es die Zeit erlaubt, bin ich auch gerne dort. Die alte Sporthalle bleibt in ewiger Erinnerung. Das war meine Heimat, jetzt ist es Coburg, hier fühle ich mich sehr wohl, hier habe ich meine Freunde. Und ich kann mir vorstellen, nach dem Karriereende hier zu bleiben.

Denken Sie ernsthaft darüber nach?
Nein, ich habe noch eineinhalb Jahre Vertrag hier in Coburg. Was danach kommt, muss man sehen. Momentan fühle ich mich gut und auch gesund. Und Stand heute, könnte ich mir vorstellen, noch drei oder vier Jahre zu spielen. Das Wichtigste ist für mich, dass ich gesund bleibe.

Aktuell läuft wieder die Adventskalender-Aktion der Mannschaft. Welcher Sinn steckt hinter dieser Aktion?
Es ist eine kleine Aufmerksamkeit der Mannschaft, des Vereins an alle, die sich mit uns verbunden fühlen. Ich finde es auch eine coole Sache für die Kinder. Was mit dem Erlös der Aktion geschieht ist mir nicht bekannt, definitiv kommt dieser nicht in die Mannschaftskasse.

In Ludwigshafen nicht chancenlos

Alois Mraz, der als Trainer mit der Mannschaft den Auf- und Abstieg in der Bundesliga erlebte, musste vor einigen Wochen gehen. Jetzt hat Brian Ankersen das Zepter übernommen. Ihr Eindruck?
Alois war ein menschlich unfassbar guter Trainer, dessen Abschied für uns als Mannschaft unheimlich leid tat. Die Situation war für ihn sehr schwer, es war seine erste Station als Cheftrainer. Wir haben einfach nicht das auf die Platte gebracht, was wir uns vorgenommen haben. Sicherlich hat da auch ein Trainer Anteil, aber auf dem Feld stehen wir Spieler. Mit dem Trainerwechsel gab es keine Alibis mehr, es liegt allein an uns, dass wir die Punkte holen. Es ist Abstiegskampf pur. Mit Brian hat sich einiges geändert. Er verlangt sehr viel von uns, alle Spieler sind bei ihm gleich und die Intensität ist im Training deutlich höher als zuvor.

Freuen Sie sich auf die Partie in Ludwigshafen?
Definitiv, wir kennen die Eberthalle. Die Eulen sind besser als wir in die Saison gekommen. Bei uns hat es länger gedauert. In Aue hatten wir unser bestes Saisonspiel und in den letzten eineinhalb Wochen auch einen guten Trainingsbetrieb. Wenn wir in Ludwigshafen wieder eine gute Leistung abrufen können, dann bin ich zuversichtlich, dass wir nicht ohne Punkte die Rückreise nach Coburg antreten werden.

Zur Person

Florian Billek ist 33 Jahre alt, stammt aus Heuchelheim in Mittelhessen und begann seine Karriere in der Jugend beim TV Hüttenberg. Mit dem Traditionsclub stieg der 1,87 große und 88 Kilogramm schwere Spieler 2011 erstmals in die Bundesliga auf. Nach zwei Jahren wechselte der Linkshänder zur HBW Balingen-Weilstetten. Seit 1. Juli 2014 trägt er das Trikot des HSC 2000 Coburg. Sein Debüt in der Nationalmannschaft feierte er am 18. März 2017 gegen Schweden. Billek bestritt bisher zwei Länderspiele für Deutschland. Mit 42 Toren ist der 33-Jährige der erfolgreichste Torschütze der Franken. Billek hat einen Bachelor-Abschluss in Sport- und Fitnessökonomie.

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