Tischtennis
Warum immer weniger Schüler und Jugendliche an der Platte stehen
Im Tischtennis-Bezirk Vorderpfalz Nord waren in der abgebrochenen Saison 2020/2021 17 Schülerteams in der Jugend U15 gemeldet. Im Jahr davor hatten 20 Mannschaften die Saison beendet, nur eine hatte abgemeldet. Im Bezirk Westpfalz Süd (Pirmasens/Zweibrücken) waren es 19, aber auch dort stagnieren die Zahlen. Eine Mädchenspielklasse gibt es im Bezirk Vorderpfalz Nord gar nicht mehr, weder bei der U15, noch bei der U18. Bei den Jungen U18 waren in drei Ligen für die Saison 2020/2021 20 Mannschaften gemeldet, in der Runde zuvor waren es am Ende noch 17 Teams. Die Nachwuchsentwicklung im Bezirk Vorderpfalz Nord ist vergleichbar mit den anderen drei pfälzischen Tischtennisbezirken. Bei Mädchen ist es jedoch noch etwas dramatischer.
Angefangen hatte Ernst Weber pfalzweit im Jahr 1982 mit 119 Schüler- (U15) und 33 Schülerinnenteams (U15). Die besten Zeiten erlebten die Nachwuchs-Tischtennisspieler in der Pfalz 1989 als es 189 Teams bei den Schülern und 41 bei den Schülerinnen gab. Danach ging die Kurve nach unten, bis die Anzahl der Teams, wohl auch wegen der Erfolge des deutschen Superstars Timo Boll, im Jahr 2005 deutlich anstieg. Damals waren 183 und 27 Teams zu verzeichnen. 2018 gab es noch 101 Mannschaften bei den Schülern und nur noch acht bei den Schülerinnen. Bis heute haben sich diese Zahlen kaum geändert. Hier mal eine Mannschaft mehr, da mal eine weniger.
TTC Oppau wirbt mit Flyern
„In den vergangenen fünf Jahren sind die Zahlen zurückgegangen. Es haben viele Vereine Probleme. Früher hatten wir auch viel mehr Jugendliche“, berichtet Marvin Weiß, Sportwart beim TTC Oppau. Einen Grund für den Rückgang sieht der 30-jährige Weiß, der seit zehn Jahren im Vorstand des TTC Oppau ist, im vielfältigen Angebot für Kinder. „Im Tischtennis ist es schwer, Kinder zu begeistern. Während Corona ist es in Oppau noch schwieriger, weil in Sportarten wie Fußball oder Faustball teilweise gespielt werden konnte“, fügt der Sportwart an. Sein Klub mache dennoch mit Flyern Werbung an Grundschulen, in weiterführenden Schulen, auf der Internetseite (http://www.ttcoppau.de/) und bei Aktionstagen. Dennoch hat sich der feste Stamm von bis zu 50 Jugendlichen auf zehn Nachwuchsspieler reduziert. „Vor drei Jahren war es noch schlimmer, da hatten wir nur eine Handvoll Spieler“, klagt Weiß. Er sieht die Lage in anderen Vereinen als noch prekärer an, denn mittlerweile seien Nachwuchsabteilungen gar geschlossen worden.
„Ich habe mit Leuten aus dem Nachwuchsbereich gesprochen. Es wird vermutet, dass wir wegen Corona 15 Prozent unserer Nachwuchsspieler nicht mehr in den Hallen sehen werden“, befürchtet Michael Speth, Verbandsjugendwart des PTTV. Wie man die Spieler zum Tischtennis bewegen soll, darüber sind sich selbst Experten bei den Liebhabern der kleinen weißen Plastikkugel uneinig. Verbände und Vereine suchen nach Lösungen. „Wir machen mit den Kinder vor allem Krafttraining für alle Körperbereiche, haben auch schon ein Youtube-Work-out zusammen gemacht und ein paar Koordinationsübungen ins Training einfließen lassen. Man muss sich immer etwas Neues einfallen lassen, um das Training interessant zu gestalten“, verdeutlicht Timo Schultz aus Rieschweiler-Mühlbach, der auch am Stützpunkttraining des PTTV beteiligt ist.
„Kinder mit Online-Videos zu begeistern? Wen erreicht man damit, ist für mich die Frage. Die Wintermonate sind ein Problem“, erklärt Weiß, der als Lehrer arbeitet. Er plane Angebote auch außerhalb des Tischtennissports, wie Wanderungen oder ein Besuch des Soccer-Parks in Dirmstein.
In Deutschland gibt es Vereine, die Einzeltraining anbieten, wenn die Hallen geöffnet sind. Bis zu 45 Trainingseinheiten gibt es beim hessischen TV Eichelsdorf pro Woche, der dafür tief in die Tasche greifen musste, weil mit lizenzierten Trainer geübt wurde. Zehn Euro kostete eine halbe Stunde Training. Auch der SV Saar 05 Saarbrücken war kreativ, veranstaltete seine Vereinsmeisterschaften an Steinplatten. „Tischtennis im Freien ist bei uns kein Thema. Sobald es windig ist, wird der Ball verweht. Das ist schwer umsetzbar. Ein wettkampfgeeignetes Tischtennis ist im Freien kaum möglich“, stellt Weiß fest.