Aufgelesen – Kurioses aus der Stadt
Von Raumfragen und einem radikalen Rückschnitt
In der Halle
Mit größeren Versammlungen ist das so eine Sache in Corona-Zeiten. Der Mindestabstand muss für die Teilnehmer gewahrt werden. Für ausreichend Frischluft sollte außerdem gesorgt sein. Auf ein pfiffige Idee ist der Verein Kinderhilfe gekommen. Seit über 50 Jahren kümmert sich der Verein um die Förderung von körperbehinderten Kindern und Jugendlichen. Mit Pferden erzielen die Therapeuten dabei ganz erstaunliche Erfolge. Seit 1978 verfügt der Verein in Oggersheim über eine Reithalle und die bot nun auch den Ausweg, um vergangene Woche eine ordnungsgemäße Jahreshauptversammlung abzuhalten.
Die Mitglieder trafen sich in der Halle und nahmen darin auf Klappstühlen Platz. Natürlich wurden – wie sonst auch – die Hinterlassenschaften der Pferde vorher entfernt. Das Hallentor blieb offen, um eine ausreichende Frischluftzufuhr zu ermöglichen. „Das ging von den Temperaturen her“, sagt Vorsitzende Wilhelma Metzler, die mit dem Vorstandsteam die Idee für die Sitzung an dem ungewöhnlichen Ort hatte. Dank des engagierten Helfers Jonas Edenhofer wurde eine große Leinwand aufgebaut, sodass die Vereinsarbeit auch multimedial präsentiert werden konnte. Nach zwei Stunden war die Versammlung vorbei und der Vorstand im Amt bestätigt. Nach dem Corona-Lockdown können etwa 300 Kinder, Jugendliche und Erwachsene wieder heilpädagogisch reiten, voltigieren und mit den Pferden umgehen. Vereinsvorsitzende Metzler hofft, dass die Therapien auch angesichts der steigenden Fallzahlen im Herbst und Winter weiter stattfinden können.
Im Konzertsaal
Apropos Sitzungen an ungewöhnlichen Orten. Wegen Corona tagt der Stadtrat ja nicht mehr im Rathaus sondern im Pfalzbau. Der Konzertsaal bietet den 60 Stadtratsmitgliedern ausreichend Platz und die Klimaanlage sorgt für frische Luft. Der Raum verfügt zudem über eine Akustikdecke mit spezieller Oberflächengestaltung zur Optimierung der Raumakustik. In die Decke sind kleine Strahler eingebaut, die den Saal ins rechte Licht setzen. Bei Konzerten von großen Orchestern ist die Akustik im Saal auch wirklich gut. Bei der Stadtratssitzung wird auf eine Mikrofonanlage zurückgegriffen. Die Worte sind nicht immer einwandfrei zu verstehen – trotz der Akustikdecke. Vom Inhalt der Beiträge ganz zu schweigen.
Im Baumstamm
Rätselhaft sind auch Zeichen auf Bäumen auf der Parkinsel. „Ö3“ hat da jemand auf die Rinde gesprüht. Hat hier etwa wieder der anonyme Künstler zugeschlagen, der mit Bildern an Zäunen auf sich aufmerksam gemacht hat und scherzhaft schon der „Banksy“ von der Parkinsel genannt wird? Oder hat der österreichische Radiosender Ö3 eine Guerilla-Marketingaktion in der Pfalz gestartet? Nein, alles falsch. Die Stadtverwaltung hat zur Spraydose gegriffen. Es geht um Baumpflege. Die Bäume in den Parkanlagen werden regelmäßig geprüft. Stämme, die eine Gefahr für Menschen darstellen, werden gefällt. „Ö3“ ist eine Markierung, die angibt, dass die Bäume zu einem sogenannten Öko- oder Habitatstamm zurückgeschnitten werden. Dafür steht das „Ö“. Die „3“ gibt an, dass der Baumstamm bis in einer Höhe von drei Metern stehen bleibt, teilt die Verwaltung mit. Im Holz soll sich ein kleines Ökosystem ansiedeln. Die Totholzstämme dienen als neue Heimat für Höhlenbrüter, Insekten oder Kleinsäugetiere. Vielleicht fühlen sich ja Tiere aus der Quadratestadt Mannheim von „Ö3“ angesprochen und ziehen auf die Insel um.