Ludwigshafen
Torun-Prozess: Angehörige nach Urteil erleichtert
Mord, Menschenraub, Erpressung – dafür sind die drei Angeklagten im Torun-Prozess am Freitag am Landgericht Frankenthal verurteilt worden. Das Trio erhielt die Höchststrafe: lebenslängliche Haft. Damit endet nach knapp einem Jahr ein Verfahren, das sich um den Tod zweier Unternehmer drehte.
Groß ist der Andrang in Saal 20 des Landgerichts Frankenthal vor der Urteilsverkündung im Doppelmordprozess. Umfangreich sind auch die Sicherheitskontrollen, bevor die Beobachter in den Saal gelassen werden. Kurz vor 9 Uhr, da soll der letzte Verhandlungstag losgehen, ist das Foyer im Erdgeschoss dicht gefüllt. Justizwachtmeister lassen die Besucher in Blockabfertigung zur zweiten Kontrolle im zweiten Stock vor, wo sich der Gerichtssaal befindet.
Hohe Sicherheitsvorkehrungen
Größer als bei anderen Verfahren sind die Sicherheitsvorkehrungen im Saal. Die zahlreichen Fotografen und Kamerateams dürfen nicht in den Innenraum direkt vor die Richterbank. Sie müssen sich in der ersten Reihe vor den Zuhörern hinter einem Absperrband postieren. Das Publikum und die Angehörigen der Opfer warten gespannt auf den Spruch der Kammer unter Vorsitz von Richter Alexander Schräder. Bevor dieser allerdings zur Urteilsverkündung ansetzt, wird die Öffentlichkeit noch einmal kurz ausgeschlossen. Denn der 49-Jährige Angeklagte und mutmaßliche Drahtzieher der Verbrechen hatte in seinem mehrstündigen Schlusswort am Montag den Antrag auf Vernehmung eines weiteren Zeugen gestellt. Das Gericht lehnte das Ansinnen ab, musste nun dem Angeklagten aber erneut die Möglichkeit einräumen, sprechen zu dürfen – wie bei den Plädoyers unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Doch diesmal dauert es nur wenige Minuten. Anschließend wird das Urteil öffentlich verkündet: Lebenslange Haft, dazu noch Strafverschärfung. Im Prozess um die Entführung und Ermordung der beiden Unternehmer aus dem badischen Brühl und aus Ludwigshafen hat das Landgericht Frankenthal die Höchststrafen verhängt. Verurteilt werden zwei türkische Staatsbürger im Alter von 39 und 49 Jahren sowie eine 44-jährige Deutsche mit türkischen Wurzeln. Für den 49-Jährigen ordnet die Kammer auch Sicherheitsverwahrung an. Er wird den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen. Fast regungslos nehmen die drei Angeklagten den Schuldspruch entgegen.
Besondere Schwere der Schuld
Als der Richter das Urteil verkündet, ist bei den vielen Angehörigen und Bekannten der ermordeten Geschäftsmänner im Saal Erleichterung zu verspüren. Eine Person setzt zu zaghaftem Klatschen an, das aber schnell verstummt. Mehr Strafe geht zumindest im Falle der beiden männlichen Angeklagten nicht. Bei allen drei Verurteilten wird aufgrund des Zusatzes der besonderen Schwere der Schuld keine automatische Haftprüfung nach 15 Jahren erfolgen. Gegen den 49-jährigen ehemaligen Betreiber einer Frankenthaler Wellness-Oase ist ferner eine anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet worden, weil er auch nach der Haft für die Allgemeinheit gefährlich sein könnte. Er soll der Drahtzieher bei den Morden gewesen sein und habe zuvor schon mehrere Straftaten begangen. Knapp zwei Stunden dauert die Urteilsbegründung. Die Aussage des 49-Jährigen, eine Bande im Hintergrund habe ihn zu den Taten gezwungen, hält die Kammer für abwegig. Dass die angeklagte Frau wegen gemeinschaftlichen Mordes ebenfalls eine lebenslange Haftstrafe verbüßen muss, liegt daran, dass der „Lockvogel“ nach der Entführung und Ermordung des Brühler Automatenherstellers weiter mitgemacht hat. Sie lockte auch Ismail Torun in eine Falle und nahm laut Kammer billigend in Kauf, dass der Unternehmer getötet werde. Die beiden Männer hätten die Ermordung der Unternehmer von Anfang an geplant, urteilten die Richter. Mit dem gestrigen Urteil ist der Fall Torun jedoch noch nicht endgültig abgeschlossen. Der Verteidiger der Frau will gegen das Urteil Revision einlegen – er findet die Strafe für seine Mandantin zu hart. Die Witwe des ermordeten Ludwigshafener Unternehmers, Fatma Torun, hat mit der Höchststrafe gegen das Trio gerechnet und zeigte sich zufrieden. Doch für sie bleibt ungeklärt, wie es passieren konnte, dass ihr Mann entführt und ermordet wurde – obwohl die Polizei das Trio wegen des ersten Mordfalls schon im Visier hatte und überwachte. Torun kündigte mögliche juristische Schritte gegen die mit dem Entführungsfall befassten Polizisten an.