Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Prallvolles Programm: Die BASF-Konzerte 2022/2023

Pianistin Hélène Grimaud konzertiert in der Reihe „The Big Four“ in Ludwigshafen.
Pianistin Hélène Grimaud konzertiert in der Reihe »The Big Four« in Ludwigshafen.

Mehr als 100 Kulturveranstaltungen bei der BASF sind in den Pandemie-Jahren 2020 und 2021 ausgefallen. In der neuen Spielzeit soll ein Gutteil der Konzerte nachgeholt werden.

Beim Pressegespräch zur Vorstellung des Konzertprogramms 2022/2023 kündigte die Leiterin Gesellschaftliches Engagement des Chemieunternehmens, Karin Heyl, auch innovative Veranstaltungsformate an. Ziel sei es, das Stammpublikum zu halten, aber auch neue Zielgruppen zu erschließen. Die „Frage nach der Relevanz von Kultur“ stellt sich laut Karin Heyl inzwischen auch mit Blick auf die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine. Die „klare Antwort“ der BASF-Kulturmacher laute: „Gerade in Krisenzeiten braucht es Kunst und Kultur.“ Basierend auf der Erfahrung, „dass Kultur uns zusammenführt und verbindet“, eröffne Kunst neue Räume, in denen neue Perspektiven für den Umgang mit der Lebenswirklichkeit erschlossen würden.

Lange keine Konzerte

Länger als andere Kulturveranstalter habe die BASF den Spielbetrieb eingestellt, um die Infektionsrisiken zu senken. Die hierdurch bedingten Einnahmeausfälle haben nach Informationen der Programm-Verantwortlichen aber nicht zu einem verminderten kulturellen Engagement des Ludwigshafener Konzerns geführt, wie Heyl bestätigt. Nach wie vor solle durch das Veranstaltungsangebot ein Beitrag für ein lebenswertes Umfeld von Menschen in der Region geleistet werden.

Neu im Kulturprogramm ist das BASF-Festival mit sechs Veranstaltungen, das aus der Festwoche zum 100. Jubiläum des Unternehmens hervorgegangen ist. Hierbei sollen außergewöhnliche, auch experimentelle Konzertformate erprobt werden. Beispiele: Das Delian Quartett verspricht bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem amerikanischen Clown Peter Shub „musikalische Glücklichmacher“, die als Mutmacher in Krisenzeiten wirken sollen. Und Liedermacher Max Mutzke gibt sich mit dem Geiger und Crossover-Spezialisten Mihalj Kekenj die Ehre. Eines der Künstlerporträts in der bevorstehenden Spielzeit ist dem Berliner Trickster Orchestra gewidmet, das europäische, west-, zentral- und ostasiatische Einflüsse mit Improvisation und Elektronik zu einer „transtraditionellen“ Musik verbindet. Cellist Eckart Runge, Gründer des Artemis Quartetts, der schon in einer der zurückliegenden Spielzeiten hatte porträtiert werden sollen, soll sich in drei Konzerten vorstellen, darunter ist eines mit der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Runge profiliert sich als Musiker, der mit Vorliebe die Grenzen zwischen „ernster“ und „unterhaltender“ Musik aufbricht. Sein Repertoire reicht von Beethoven bis Zappa.

Hochkarätige Pianistinnen

In der BASF-Reihe „The Big Four“ treten ausnahmslos Pianistinnen auf: Die türkischen Zwillingsschwestern Ferhan und Ferzan Önder werden als Klavierduo Bearbeitungen von Strawinsky, Bach oder Piazzolla präsentieren. Namen wie Gabriela Montero, Hélène Grimaud und Khatia Buniatishvili bilden einen Querschnitt der aktuellen weiblichen Klavierszene ab. So ist Grimaud mit der Camerata Salzburg in zwei Klavierkonzerten von Mozart und Schumann zu erleben.

Vier Sinfoniekonzerte mit der Staatsphilharmonie bieten Musik von Antonin Dvorak bis Nikolai Kapustin. Solist ist Joseph Moog mit dem dritten Klavierkonzert von Rachmaninow. Die Aufführung von Giuseppe Verdis „Requiem“ verspricht mit dem Bachchor Mainz unter Leitung von Ralf Otto ein großdimensionales Unternehmen im BASF-Feierabendhaus. Und mit dem belgischen Dirigenten Rene Jacobs gastiert ein bedeutender Vertreter der historischen Aufführungspraxis in Ludwigshafen, der sich unter anderem der Neunten Sinfonie von Franz Schubert widmet. Sopranistin Christiane Karg singt in diesem Konzert Arien von Mozart.

Große Namen und große Experimente

Auch das „Enjoy Jazz“-Festival gastiert im Herbst im BASF-Feierabendhaus. Angekündigt sind unter anderen Gitarrist Bill Frisell und Pianist Chilly Gonzales. Das Abschlusskonzert bestreitet der senegalesische Sänger Youssou N’Dour. Experimentelle Konzertformate sind in den Reihen „Querbe@t“ und „Face to Face“ zu erwarten. So bieten Gisbert zu Knyphausen und Kai Schumacher eine eigenwillige Version von Schuberts Zyklus „Winterreise“, während der serbischen Pianist Bojan Z mit dem kubanischen Pianisten Marialy Pacheco einen Dialog führen wird, der einen Bogen zwischen zwei Kontinenten schlägt.

Wenn sich der Kölner Sänger und Gitarrist Wolfang Niedecken in einem Konzert mit Mike Herting (Klavier) den Songs von Bob Dylan widmen wird, dürfte auch dies als Dialog zwischen zwei Angehörigen unterschiedlicher kultureller Hemisphären wahrgenommen werden. Und als künstlerischer Beitrag für ein universelles Verständnis nicht nur von Kultur, sondern von Menschsein überhaupt.

Einige Konzerttermine

  • 9. Oktober: Aris Quartett & Eckart Runge
  • 7. November: Chilly Gonzales
  • 12. November: Youssou N’Dour
  • 27. November: David Orlowksy & David Bergmüller
  • 4. Dezember: Robert Neumann
  • 9./10. Dezember: Götz Alsmann
  • 25./26. Januar: Christiane Karg
  • 8./9. Februar: Céline Moinet
  • 22. Februar: Hélène Grimaud
  • 1./2. März: Joseph Moog
  • 24. März: Khatia Buniatishvili
  • 25. März: Wolfgang Niedecken
  • 26. März: Trickster Orchestra
  • 26. März: Meret Becker & The Tiny Teeth
  • 4. April: RY X
  • 6. April: Milow
  • 26. April: Cape Town Opera Chorus
  • 29. April: Gisbert zu Knyphausen & Kai Schumacher
Sänger Youssou N’Dour kommt auf Einladung des Festivals „Enjoy Jazz“ ins BASF-Feierabendhaus.
Sänger Youssou N’Dour kommt auf Einladung des Festivals »Enjoy Jazz« ins BASF-Feierabendhaus.
Hommage an Bob Dylan: Sänger und Gitarrist Wolfgang Niedecken tritt gemeinsam mit Pianist Mike Herting auf.
Hommage an Bob Dylan: Sänger und Gitarrist Wolfgang Niedecken tritt gemeinsam mit Pianist Mike Herting auf.
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