Ludwigshafen
„Metropol“: Wirbel nach Pleite des ehemaligen Co-Investors
„Die Insolvenz hat keine Auswirkungen, weil TE Management seit Anfang des Jahres nicht mehr in das Projekt involviert ist“, sagte Stephan Mertens am Freitag auf RHEINPFALZ-Anfrage. Er ist Geschäftsführer von Timon Bauregie. Das Ettlinger Unternehmen will das 120-Millionen-Euro-Vorhaben nun mit neuen Partnern stemmen. Wer das ist, lässt Mertens offen. Er sagte lediglich: Die Finanzierung des Projekts sei nun über „eine andere Konstellation gesichert, die aber nicht in die Öffentlichkeit soll“. TE Management habe sich „im Rahmen der laufenden Finanzierungsstufe aus dem Projekt zurückgezogen“.
Bauauftrag an Hochtief, Frankfurt
Eine „neue und positive Nachricht“ ist nach Mertens Angaben, dass der Bauauftrag in den letzten Tagen an die Hochtief Infrastructure mit Niederlassung Frankfurt „ausgelöst“ worden sei. „Der großer Erfahrungsschatz von Hochtief bei einer Vielzahl von realisierten Hochhaus-Projekten in Frankfurt war für die Vergabe entscheidend.“
Die Fortschritte auf dem Baufeld am Berliner Platz in der Südlichen Innenstadt werden laut Mertens nun schrittweise intensiver: „Parallel zu dem weiteren Abriss des Bunkers werden die Verbauarbeiten für die Baugrube begonnen. Die ersten Gründungsarbeiten mit dem Einbringen der Gründungspfähle starten ab Dezember. Der Rohbau wird dann ab Frühjahr 2022 über dem Berliner Platz aufsteigen.“
OB will Klarheit schaffen
Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) reagierte am Freitag überrascht auf die TE-Pleite. „Auch mich hat diese Mitteilung heute Vormittag erreicht. Ich habe bereits die Vertreter der Projektgesellschaft für Dienstag in die Sitzung des Stadtvorstands eingeladen, um Hintergründe und weitere Informationen zu möglichen Auswirkungen auf das ,Metropol’ zu erhalten“, sagte sie.
Dass die TE-Gruppe nicht mehr im Boot ist, davon wussten weder Steinruck noch Süd-Ortsvorsteher Christoph Heller (CDU), der mächtig angefressen war. Die von Timon an den Tag gelegte Intransparenz sei ein schwerer Schlag, meinte er. „Gut, dass wir mit dem Investor in der Rathaus-Frage keine Hochzeit eingegangen sind.“ Das Vertrauen in Timon schwinde weiter.
Kein Mandat für Sondierungsgespräche
Zuletzt hatte das umstrittene Projekt für Schlagzeilen gesorgt, nachdem der Stadtrat OB Steinruck ein Mandat verweigert hatte, weitere Sondierungsgespräche mit dem „Metropol“-Investor zu führen. Die Stadtspitze wollte über die Anmietung von Büroflächen für ein neues Rathaus in dem geplanten Hochhauskomplex reden, fand dafür aber keine Mehrheit. Vorausgegangen war eine heftige Debatte, an deren Ende Steinruck sagte: „Ich bin erschüttert und sehr enttäuscht.“ Es sei ihr lediglich darum gegangen, die Möglichkeiten mit dem „Metropol“-Investor auszuloten. In der Debatte rief sie vergeblich dazu auf, geschäftsschädigende Äußerungen über den Investor zu unterlassen. Mertens kommentierte die teils polemischen Äußerungen nicht und sprach von einem „Déjà-vu-Erlebnis“ angesichts der Kritik.
Baurecht seit April 2020
Wegen des langen Stillstands auf der Baustelle ist die Nachfolge-Lösung für die 2015 abgerissene „Tortenschachtel“ zum Politikum geworden. Erst fünfeinhalb Jahre nachdem die Pläne zum ersten Mal vorgestellt wurden sowie nach vielen Irrungen und Wirrungen, erteilte der Stadtrat Ende April 2020 Baurecht fürs „Metropol“. Rechtzeitig vor dem Ablauf der Baugenehmigung am 8. Mai begannen Bagger mit den ersten Aufräumarbeiten.
182 Hotelzimmer geplant
Im Hochhauskomplex mit zwei 67 und 19 Meter hohen Gebäuden wird eine Gesamtfläche von 30.000 Quadratmetern vermarktet. Er soll Büros, ein Medizinzentrum, Gastronomie, Einzelhandel und ein Hotel beherbergen und im dritten Quartal 2022 fertig sein. Das geplante Hotel soll etwa ein Drittel der Fläche einnehmen. Timon Bau hat mit der britischen Hotelgruppe Premier Inn einen Pachtvertrag über eine Laufzeit von 25 Jahren geschlossen. Die Hotelgruppe will neun Etagen des 19-stöckigen Hochhauses übernehmen und dort 182 Zimmer vermieten. Im Winter 2023 soll das Hotel eröffnen, hieß es noch im Dezember.
Nachfrage „schlagartig eingebrochen“
Grund für die Liquiditätsprobleme seien Verzögerungen beim Verkauf von Projekten, erklärte TE Management mit Sitz in Aschheim bei München. Die Gruppe hatte sich in den Vorjahren auf Hotel und Serviced Apartments spezialisiert – möblierte Wohnungen, die speziell auf die Bedürfnisse von Geschäftsreisenden zugeschnitten sind. Coronabedingt sei die Nachfrage „schlagartig eingebrochen“. Zudem hielten sich Banken und Investoren bei Projektfinanzierungen gerade stark zurück.
Projekte in München, Nürnberg, Berlin und Essen
Der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens war durch eine Mitteilung der Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) bekannt geworden. TE realisiert und plant derzeit unter anderem Projekte in München, Nürnberg, am Flughafen BER in Berlin-Schönefeld und in Essen.
Einwurf
Das „Metropol“-Projekt kommt einfach nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Eigentlich wollte Timon-Geschäftsführer Stephan Mertens am Freitag eine gute Nachricht verkünden: Mit Hochtief aus Frankfurt hat der Bauherr einen renommierten Generalunternehmer mit viel Erfahrung an Land gezogen. Ja, das ist wahrlich eine gute Nachricht. Überschattet wird sie allerdings durch eine schlechte: die Pleite des ehemaligen Co-Investors. Nicht etwa, weil die Bayern Insolvenz angemeldet haben, was zunächst mal für einen Schock sorgte. Denn das hätte das gesamte Vorhaben torpedieren können. Viel schlimmer wiegt der Umstand, dass die politisch Verantwortlichen gut ein halbes Jahr lang nicht davon in Kenntnis gesetzt worden sind, dass TE längst ausgestiegen. So wird das nix mit vertrauensbildenden Maßnahmen.