Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ludwigshafen: Startschuss fürs „Solarkataster 2.0“ – Stadt und Kreis als Vorbild fürs Land

Das Kataster gibt Auskunft, auf welchen Dächern sich Solar- oder Photovoltaikanlagen lohnen.
Das Kataster gibt Auskunft, auf welchen Dächern sich Solar- oder Photovoltaikanlagen lohnen. Foto: dpa

„Als Land nehmen wir uns Ludwigshafen und den Rhein-Pfalz-Kreis als Vorbild“, sagte Staatssekretär Thomas Griese (Grüne) am Donnerstag beim Startschuss für das „Solarkataster 2.0“ im Lichtenberger Saal der Sparkasse am Berliner Platz.

Im gemeinsamen „Solarkataster 2.0“ sind die über 197.000 Dächer zwischen Bobenheim-Roxheim im Norden und Römerberg im Süden erfasst und können mit wenigen Klicks auf Tauglichkeit für eine Photovoltaikanlage überprüft werden. Ein großes Potenzial für Hauseigentümer, Mieter, aber auch für Kommunen und Unternehmen.

„Zeigen das Energiepotenzial“

„Wir zeigen das Energiepotenzial der Dächer der Region“, erklärte Professor Martina Klärle von der Gesellschaft für Landmanagement und Umwelt. So gebe es beispielsweise Unternehmen mit Dachflächen von mehr als einem Hektar Größe. „Diese nicht für die Gewinnung von Solarenergie zu nutzen, ist fast schon eine Umweltsünde“, so Klärle. Und ein betriebswirtschaftlicher Fehler außerdem, wie mit Hilfe des Katasters schnell deutlich wird. So könnte etwa ein Supermarkt in Maxdorf rund 50.000 Kilowatt Strom im Jahr produzieren, und das schon, wenn er nur die Hälfte seines Dachs mit Photovoltaik-Anlagen bestückt. Das Besondere dabei: Es handelt sich um ein Dach, das nach Westen und Osten ausgerichtet ist.

2013 nur die Süddächer erfasst

„Mit dem ersten Kataster 2013 haben wir nur die Süddächer erfasst“, erklärte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD). Dabei blieb viel Potenzial unberücksichtigt. „Immerhin hatten wir in der Region im Durchschnitt der letzten zehn Jahre rund 1966 Sonnenstunden im Jahr.“ Umgerechnet entspreche dies allein für Ludwigshafen einem Potenzial von 1070 Kilowattstunden je Quadratmeter Dachfläche. Allerdings habe sich der Gebrauch der Anlagen auf den Dächern gewandelt. So erhielten Hausbesitzer vor zehn Jahren noch 42 Cent pro Kilowattstunde Energie, die in die lokalen Netze eingespeist wurde, heute sind es mittlerweile gerade einmal noch zehn Cent pro Einheit. Dafür werde es lukrativer, den selbstproduzierten Strom direkt zu nutzen, den man ansonsten für rund 30 Cent einkaufen müsse.

Einfache Prüfmethode

Das Solarkataster sei ein niedrigschwelliges Angebot. „Eine attraktive und einfache Prüfmethode, ob Umweltschutz auf dem eigenen Dach möglich ist“, warb Sparkassenvorstand Thomas Traue. Sein Institut hatte die Kosten von 40.000 Euro für die Aufstellung getragen. Nicht ganz uneigennützig, räumte er bei der Vorstellung ein: „Wenn es um die Beratung zu Fördergeldern oder die Finanzierung der neuen Anlagen geht, sind wir für die Kunden da.“

Zehn Millionen Euro für neues Förderprogramm

Das Stichwort der Fördergelder nahm Staatssekretär Griese gerne auf. „Vor vier Wochen hat das Land ein neues Solar-Speicher-Förderprogramm verabschiedet.“ Darin stehen im Haushalt für 2019 und 2020 je fünf Millionen Euro bereit. Je fünf Kilowattstunden Speicherung stehen Privatpersonen und Kommunen dafür 100 Euro Förderung zu. „Der Maximalfördersatz sind 10.000 Euro.“ Wichtig sei dabei der Energiespeicher, „damit die Sonne auch nachts scheinen kann“.

Feinjustierung auf den Dächern

Das neue Kataster sei „das erste Instrument für Privatinitiative“, sagte Steinruck. Landrat Clemens Körner (CDU) sieht das neue Instrument rundherum positiv. „Vor allem, weil wir jetzt auch an Osten und Westen denken und damit eine Feinjustierung auf den Dächern vorgenommen haben.“ Für das Handwerk in den Kommunen sei das verstärkte Augenmerk auf nutzbare Dächer ein kleines Konjunkturprogramm. Körner nannte ein Beispiel: „Wir wollten eine Photovoltaikanlage auf einem Hallendach in Mutterstadt montieren und haben dabei gemerkt, dass wir vorher auch das Dach sanieren müssen. Den Dachdecker hat es gefreut.“ So werde das Programm zu einem Wirtschaftsfaktor für lokale Unternehmen.

Investitionsrisiko leicht zu bestimmen

Wie genau das neue Solarkataster funktioniert, erklärte Klärle am Beispiel der IGS Edigheim. „Hier wird sogar die Verschattung des Gebäudes durch die benachbarten Bäume berücksichtigt.“ Und auch für die Kreditinstitute sei das neue Kataster ein gutes Instrument, weil sich damit das Investitionsrisiko leicht bestimmen lasse.

So sind alle Seiten froh über den landesweiten Vorreiter, den Thomas Griese gerne auf das ganze Land übertragen würde. „Wenn wir in Rheinland-Pfalz 25 Prozent der Dachflächen für die Energiegewinnung nutzen würden, könnten wir 100 Prozent des privaten Stromverbrauchs decken“, rechnete er vor.

Im Netz

Das neue Solarkataster 2.0 ist unter www.solarkataster-rpk.de oder www.ludwigshafen.de/solarkataster freigeschalten.

Kommentar: Sonnige Aussichten

Das neue Solarkataster ist ein attraktives Angebot. Jetzt sind Privatleute, aber auch Verwaltungen und Firmen am Zug.

Die Region bietet mit fast 2000 Sonnenstunden im Jahr beste Voraussetzungen für die umweltschonende Energiegewinnung. Und das nicht nur für Bürger, sondern auch für Kommunen und Unternehmen, denn die größten Dachflächen befinden sich in der Region nun einmal nicht auf Wohnhäusern, sondern auf Schulen, Supermärkten und Industriebauten. Da passt es gut, dass BASF-Chef Martin Brudermüller erst am Dienstag erklärt hatte, sein Unternehmen komplett auf Ökostrom umstellen zu wollen. Im Gegenzug kommen auf Stromanbieter wie die TWL spannende Zeiten zu, wenn Unternehmen, Schulen und Privathaushalte ihren eigenen Strom produzieren.

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