Ludwigshafen
Ludwigshafen: Hochschule erforscht, wie Umstieg auf Rad oder Bahn gelingen kann
Damit Pendler vom Auto aufs Fahrrad oder auf die Bahn umsteigen, braucht es Anreize – oder Druck. Das hat die Befragung „Klimafreundliche Mitarbeitermobilität“ der Hochschule ergeben. In Zeiten einer gesperrten Hochstraße Süd erhalten die Ergebnisse eine besondere Brisanz.
Nun hat die Realität die Umfrage eingeholt. Seit Oktober 2017 gibt es das Projekt „Klimafreundliche Mitarbeitermobilität“ an der Hochschule Ludwigshafen. Es untersucht, welche Faktoren bei Arbeitnehmern den Umstieg auf ein anderes Verkehrsmittel begünstigen. Also, wie es für Pendler attraktiver werden könnte, mit Fahrrad oder Öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV) statt mit dem Auto zur Arbeit zu fahren. Dabei kam laut Projektleiter Philipp Tachkov unter anderem heraus, dass sogenannte Push-Faktoren besonders stark wirken. Sie „pushen“, also drängen die Menschen dazu, ihr Verkehrsmittel zu wechseln. Und nun ist die Hochstraße Süd gesperrt.
14.800 Arbeitnehmer befragt
Rund 14.800 Mitarbeiter von sieben großen Ludwigshafener Arbeitgebern hat die Projektgruppe des Instituts für Management und Innovation befragt, darunter auch zwei Verwaltungen: die der Stadt Ludwigshafen und die des Rhein-Pfalz-Kreises. Die Ergebnisse liegen vor. Was nun noch fehlt, ist der Abschlussbericht.
Für 59 Prozent der Befragten ist das Auto das liebste Verkehrsmittel auf dem Weg zur Arbeit. Weit abgeschlagen dahinter folgt mit nur 13 Prozent der ÖPNV, mit zwölf Prozent das Fahrrad. Und um zur Hochstraße zurückzukommen: „Die Straßenverkehrssituation hat den stärksten Einfluss auf die Veränderung der Verkehrsmittelpräferenz“, sagt Tachkov. Wenn’s also zu sehr stockt und staut, steigt man eher um. Bei plus 30 Minuten Fahrzeit verringere sich der Anteil der Pendler, die das Auto bevorzugen um fast 60 Prozent. Das sieht Philipp Tachkov auch als Chance.
Spontanität wichtig
Als die Umfrage erstellt wurde, ging man in erster Linie von der Hochstraße Nord aus. Dass deren Abriss für deutliche Verzögerungen auf dem Weg zur Arbeit sorgt, damit rechnen knapp 77 Prozent der Befragten. Bereits Gedanken darüber gemacht, deshalb auf ein anderes Verkehrsmittel umzusteigen, haben sich laut Umfrage 38 Prozent der Teilnehmer. Wobei Tachkov sagt: „Ich finde das gar nicht so niedrig, fast 40 Prozent.“
Neben den Faktoren, die Pendler pushen, also zum Wechsel auf Bahn oder Rad drängen, gibt es auch Pull-Faktoren. Sie „ziehen“ den Pendler zum Umsteigen. Das bedeutet: Sie machen den Umstieg attraktiver. Einzelne dieser Pull-Faktoren seien nicht so wirksam wie die Push-Faktoren – es sei denn, man kombiniere sie, sagt Tachkov. Die stärksten Anreize geben dabei laut „Klimafreundlicher Mitarbeitermobilität“ die direkte Anbindung vom Wohn- zum Arbeitsort ohne Umsteigen und ein möglichst schneller ÖPNV-Takt. „Dann kann man spontan sein“, erklärt Tachkov und ergänzt: „Da sind wir ja vom Autofahren gewohnt.“
Radschnellweg wäre ein Plus
Und dann sagt Tachkov noch, dass Ludwigshafen und Region ja eigentlich „eine tolle Radmobilitätsgegend“ sei. „Die Entfernungen sind nicht weit, es ist flach“, zählt er auf. Doch 55 Prozent der Radpendler in und nach Ludwigshafen sehen auf ihrem gewohnten Weg Problem- oder Gefahrstellen. Auch wurde in der Befragung erhoben, welche Art von Radweg als wie nützlich bewertet wird – angefangen vom einfachen Radstreifen bis zum Radschnellweg. „Der Nutzen vom Radschnellweg wird sehr hoch bewertet“, sagt Tachkov.
„Manche Ergebnisse sind überraschend, weil sie sehr banal sind“, ergänzt der Projektleiter. Nach dem sicheren, schnellen und durchgängigen Radweg gibt nämlich den zweitstärksten Umstiegsanreiz in Sachen Rad die Infrastruktur beim Arbeitgeber selbst. Dazu gehören Duschen, Umkleiden und Spinde. „Das zieht bei den Betroffenen unheimlich“, sagt der Hochschul-Mitarbeiter. „Mit einfachen Maßnahmen kann man sehr viel rausholen.“
Wenn Ende September die Projektergebnisse abschließend vorgestellt werden, sollen mehrere dieser „Maßnahmen“ genannt werden. Daraus werden dann nicht nur die sieben Arbeitgeber lernen, die beim Projekt als Partner dabei waren. Auch andere sollen davon profitieren. Und wie geht es dann weiter? Die Projektpartner – also Arbeitgeber und Verwaltung – wollen sich weiterhin treffen. Das wertet Tachkov als besonderen Erfolg. „Die haben sich jetzt gefunden“, sagt er. Sicher nicht verkehrt angesichts der Herausforderung Hochstraßen.
Im Netz
Unter www.imi.hwg-lu.de gibt es weitere Infos zum Projekt. Ab Ende September können dort auch alle Ergebnisse im Projektbericht eingesehen werden.