Interview
Jens Spahn: „Kontakte zu unterbinden, fand ich am schwierigsten“
Herr Spahn, Sie als Bundesgesundheitsminister sagen immer wieder, dass es keine Impfpflicht geben wird, auch nicht im Bereich Krankenhaus und Pflege. In Ludwigshafen setzt das Klinikum ungeimpfte Mitarbeiter unter Druck: unter anderem mit dem Verweigern von Fortbildungen und der Androhung von Probezeitkündigungen. Wie bewerten Sie das?
Ich kenne den Einzelfall nicht und kann ihn deshalb nicht bewerten. Grundsätzlich ist das eine mögliche privatrechtliche Entscheidung von Arbeitgebern oder Veranstaltern. Es kann also sein, dass zum Beispiel Restaurants oder Fußballclubs nur noch Genesene und Geimpfte einlassen. Entscheidend ist, dass der Staat mit seinen Institutionen und Angeboten für Ungeimpfte weiterhin genauso da ist wie für Geimpfte.
In Ludwigshafen haben Hilfsorganisationen wie die DLRG bereits angekündigt, dass sie sich in den kommenden Wochen aus dem Testen zurückziehen. Wie gewährleisten Sie, dass im Oktober die dann kostenpflichtigen Schnelltests noch angeboten werden?
Wir sind in Gesprächen mit der Apothekerschaft, den Ärzten, aber auch mit anderen Test-Anbietern und schauen, unter welchen Bedingungen möglichst flächendeckend Corona-Tests angeboten werden können. Klar ist aber auch: Der Staat bietet für alle kostenlos und flächendeckend eine Impfung an. Die Gemeinschaft kann dann aber nicht dauerhaft auch noch die enormen Kosten für die Tests übernehmen. Das wäre nicht fair.
In Baden-Württemberg spielen die Inzidenzahlen keine Rolle mehr als Wegweiser für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, in Rheinland-Pfalz wird über einen neuen Mix von Inzidenz und weiteren Parametern, wie etwa der Anzahl von Covid-19-Patienten in Krankenhäusern nachgedacht. In welche Richtung sollte es Ihrer Meinung nach jetzt gehen?
Bund und Länder haben miteinander vereinbart, dass 3G - geimpft, genesen oder getestet - gelten soll, um gut durch Herbst und Winter zu kommen. Dass Baden-Württemberg das wie andere Länder auch umsetzt, kann ich nur begrüßen. Unser Ziel ist, mit 3G, den AHA-Regeln und mehr Impfungen die Pandemie im Griff zu behalten.
Welche Entscheidung war für Sie als Bundesgesundheitsminister in dieser Pandemie die schwierigste?
Menschen brauchen Menschen. Kontakte zu unterbinden, fand ich am schwierigsten. Besonders wenn man weiß, wie hart solche Entscheidungen zum Beispiel Pflegebedürftige oder Kinder treffen. In den Heimen sind Menschen vereinsamt. Und Kinder und Jugendliche konnten nicht mehr ihre Freunde treffen, nicht mehr zur Schule oder in die Kita gehen. Ich möchte nicht, dass wir das noch einmal erleben.