Ludwigshafen
Radwegepaten geben ihr Amt auf: Von der Stadtverwaltung frustriert
„Der Radverkehr hat nicht unbedingt Priorität und zersplitterte Zuständigkeiten bei der Verwaltung führen zu großem Zeitverlust bei der Umsetzung von Projekten.“ Es ist eine offene und ehrliche Bilanz, die Manfred Lauer fast drei Jahre nach Beginn des Projekts Radwegpaten in Edigheim/Oppau/Pfingstweide zieht. Im Kleinen haben er und sein Kollege David Williams in den nördlichen Stadtteilen durchaus Positives erzielt: Wünsche, die etwa eine neue Beschilderung betreffen, sind zwischen 2020 und 2022 in sieben Fällen umgesetzt worden, neue Bodenmarkierungen sind auf Anraten der Radewegpaten in drei Fällen erfolgt. Die große Herausforderung bleibe aber das Bohren dicker Bretter, erzählt Lauer im RHEINPFALZ-Gespräch.
Ganz wichtig zu betonen, ist dem 70-jährigen, passionierten Radfahrer dabei Folgendes: „Am Engagement einzelner Mitarbeiter wie etwa Baudezernent Alexander Thewalt (parteilos), Ortsvorsteher Frank Meier (SPD) oder auch Verkehrsplaner Rüdiger Schmidt und Beate Roesner liegt das nicht.“ Problematisch beim Thema Radwege sei jedoch die unübersichtliche Organisationsstruktur aufseiten der Verwaltung. Neben den Verkehrsplanern seien so zum Beispiel die Abteilung Tiefbau sowie die Straßenverkehrsbehörde involviert, „und dann werden dazu noch Subunternehmer beauftragt, die wiederum etwas tun, wovon am Ende aber weder die Planer noch das Tiefbauamt in Kenntnis gesetzt sind“, beschreibt Lauer seine Erfahrungen.
Schulweg asphaltieren
Hinzu komme außerdem, dass der Stadtverwaltung inzwischen offenbar so viel Personal fehle, dass sogar die Beantragung von Fördergeldern ein Problem darstellen könne. Als Beispiel nennt Lauer die aus seiner Sicht notwendige Verbesserung der von Schülern stark genutzten Radverbindung zwischen Notwende/Melm sowie Oppau und dem Schulzentrum Edigheim. „Ein besserer Bodenbelag erscheint uns hier unabdingbar, denn besonders bei Regenwetter oder Schnee wird diese Verbindungsstrecke zum Matschweg.“ Insgesamt 400 Meter Feldweg müssten asphaltiert werden, um mehr gehe es im Grunde nicht. Die Baukosten für die Stadt wären dabei überschaubar, und man hätte für dieses Vorhaben auch schon längst einen 90-prozentigen Zuschuss beantragen können, meint Lauer. Trotzdem äußere sich die Stadtverwaltung in solchen Fällen nicht selten im Sinne von: „Wir schauen mal und versuchen es.“ Was im Grunde fast gleichbedeutend damit sei, dass aus der Sache erstmal nichts wird.
„Ich kann damit leben, wenn man mir sagt: Das ist nicht machbar, aus diesem oder jenem Grund“, sagt der 70-Jährige, der Mitglied im Verkehrsclub Deutschland (VCD) und im Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) ist. Dass die Stadtverwaltung den ehrenamtlichen Radwegpaten aber teils keinerlei Rückmeldung gegeben habe, sei unzufriedenstellend. Was Lauer auch vermisst, ist eine Aktualisierung des Verkehrsentwicklungsplans. „Der Gesamtverkehrsplan 2020 für die Stadt Ludwigshafen ist im Jahr 2005 erstellt worden – etwas Neueres gibt es derzeit nicht.“
Die Kohl-Allee kreuzen?
Nach wie vor sei zum Beispiel unklar, wie eigentlich der Pendlerradweg von Worms kommend die künftige Helmut-Kohl-Allee kreuzen soll. „Dies zu planen, hat man offenbar vergessen“, ärgert sich Lauer. Auch bereits lange angepeilte Projekte wie zum Beispiel der Radweg zwischen Friesenheim und Oppau entlang der Langgartenstraße oder jener in der Wollstraße hinkten in ihrer Umsetzung seit Jahren hinterher beziehungsweise seien gefühlt bereits auf das Jahr 2030 verschoben. „Von der Planung bis zur Umsetzung von Radwegen darf es nicht so lange dauern“, meint Lauer, „in Ludwigshafen wird teils so langfristig geplant, dass es am Ende dann fast schon wieder irrelevant erscheint.“
Insgesamt ist Manfred Lauer vom Projekt Radwegpaten übrigens immer noch überzeugt. Dessen wesentliche Kennzeichen: quartalsweise angesetzte Treffen der Ehrenamtler mit Baudezernent, Ortsvorsteher und Verwaltung, damit ein gemeinsames Verständnis für das Machbare entwickelt werden kann. Per Fotodokumentation und interaktiver Karte haben die Radwegpaten dabei Verbesserungsvorschläge und Wünsche geäußert, wobei die Schwerpunkte auf den Themen Rheinradweg, Einbahnstraßen und Fahrradstraßen lagen.
Und trotzdem haben die beiden Männer ihr Ehrenamt jetzt zunächst einmal bis Sommer 2024 auf Eis gelegt. „Weil die vereinbarten Treffen nicht regelmäßig stattgefunden haben, die Kommunikation seitens der Verwaltung nicht ausreichend und auch die Stelle der städtischen Radverkehrsbeauftragten wegen einer Langzeiterkrankung derzeit nicht besetzt ist“, fasst Lauer zusammen. Ein „Weiter so“ erzeuge beidseitig leider nur Frust. Wie die Stadtverwaltung auf Anfrage mitteilt, ist die Radverkehrsbeauftragte Susanne Abel inzwischen seit zirka zwei Wochen wieder im Dienst.
Verwaltung winkt ab
Rund zwei Drittel dessen, was die Radwegpaten bisher erreicht haben, sei Baudezernent Alexander Thewalt zu verdanken, schätzt Manfred Lauer. Damit das Thema Radwege aber nicht nur dann so präsent ist, wenn der Dezernent sich persönlich einsetzt, ist seiner Ansicht nach ein Überdenken der Verwaltungsstrukturen notwendig. „Zersplitterte Zuständigkeiten beim Thema Radwegeplanung können wir uns einfach nicht mehr leisten“, meint Lauer angesichts der Unerbittlichkeit des Klimawandels, der die Verkehrswende aus seiner Sicht am Ende schlicht und ergreifend erzwingen wird.
Kurzfristig ändern wird sich aufseiten der Verwaltung am aktuellen Ist-Zustand aber dennoch nichts. Die Stadt teilt mit: „Die Befassung mit dem Themenkomplex Radverkehr ist auf einige Bereiche und Abteilungen in zwei Dezernaten verteilt. Die hier teilweise bewusst geschaffenen aber auch gewachsenen Strukturen sind teils gewollt und teils gewachsen. Hier gilt es behutsam zu prüfen und gegebenenfalls Veränderungen umzusetzen – vor dem Hintergrund der erforderlichen Haushaltskonsolidierung keine Aufgabe, die in diesem Jahr umgesetzt werden kann.“
Die Serie
E-Mobilität, Car-Sharing, ÖPNV, Rad- und Fußverkehr: Wie sieht die lebenswerte Stadt der Zukunft aus? In den kommenden Monaten widmen wir uns immer wieder dem Thema kommunale Verkehrswende in Ludwigshafen.
Weitere Teile der Serie:
– Bei E-Ladesäulen hinkt LU hinterher
– Es ist noch Strom da: Die TWL zur Auslastung ihrer E-Ladesäulen
– Wie die BASF in ihrem Fuhrpark auf E-Mobilität setzt
– Mein Auto, dein Auto: Carsharing in Ludwigshafen
– Verbände fordern mehr Platz für Menschen in der City
– Was die RNV gegen Billigtickets hat
– Radpendler: Mit Tempo 45 auf die Arbeit
– Radwegeplanung: Die Hoffnung stirbt zuletzt
– Warum fürs Bewohnerparken rund 180 Euro pro Jahr im Gespräch sind