Ein Bild und seine Geschichte
Ein Haus mit ungewöhnlichen Perspektiven
Geschaffen hat das Bild die spanische Künstlerin Cinta Vidal. Die 40-jährige Malerin hat schon etliche Hauswände auf der ganzen Welt verschönert. Wandbilder (Fachbegriff: Murals) von ihr finden sich unter anderem in Hongkong, Calgary, Kobe, Los Angeles sowie in Barcelona oder Valencia. „Ich male schon seit meiner Kindheit“, schreibt sie über sich auf ihrer Homepage. Sie hat in Barcelona studiert und große Bühnenbilder für internationale Opernhäuser und Theater gemalt. „In meiner Arbeit habe ich nicht damit aufgehört, zu experimentieren“, sagt Vidal. Ihre Kunstwerke auf Häuserwänden haben häufig einen 3D-Effekt, der den Blick des Betrachters lenkt. „Ich spiele mit multiplen Perspektiven und unterschiedlichen Blickwinkeln“, erläutert sie ihre Vorgehensweise.
Der Direktor des Wilhem-Hack-Museums, René Zechlin, hat die renommierte Künstlerin dafür gewinnen können, eine ganze Hausfassade in der Saarlandstraße im Stadtteil Süd zu bemalen. Das Motiv wurde speziell für dieses Gebäude entwickelt. „Normalerweise werden für Murals Gebäudefassaden ohne Fenster genutzt. Bei diesem Objekt gibt es sehr viele Fenster, und die Künstlerin hat sie genutzt“, erläutert Zechlin.
In zwei Wochen gestaltet
Vidal hat auf die Fassade dreidimensionale Häuser und Architekturelemente gemalt, die vorhandene Fenster integrieren und aus der Wand herausragen zu scheinen. Auch die Farbgebung sei typisch für die Spanierin, die sie dem Stil des Gebäudes angepasst habe, sagt Zechlin. Vidal habe einen detaillierten Plan gehabt. Die Fassade sei von links nach rechts innerhalb von zwei Wochen bemalt worden. Zusammen mit zwei Helfern und mit einer Arbeitsbühne sei so das Mural entstanden.
Die Fassade zur Verfügung gestellt hat nach Zechlins Angaben die BASF, die als Eigentümerin das Gebäude als Gästehaus nutzt. Bisher sei Cinta Vidal in der Metropolregion noch nicht aktiv gewesen. Ihr Mural ist das mittlerweile 20. Wandbild, das im Straßenkunstprojekt des Hack-Museums entstanden ist. „Wir bringen damit Kunst auf die Straße und erreichen viele Leute. Statt im Museum wird auf der Straße über Kunst gesprochen und diskutiert“, erläutert Zechlin den Hintergrund.
Projekt läuft seit 2018
Die Auswahl der Künstler und ihrer Entwürfe trifft das Museum gemeinsam mit Hauseigentümern, die Wandflächen zur Verfügung stellen. Bei der Finanzierung ist die BASF der Hauptsponsor. Mit an Bord ist auch die kommunale Wohnbaugesellschaft GAG, die viele Flächen zur Verfügung gestellt hat. Bisher habe nur ein Privateigentümer im Hemshof beim „Maffenbeier“ eine Hauswand für ein Mural zur bereitgestellt, erzählt Zechlin. Weitere Wandbilder seien in Ludwigstraße in der Stadtmitte geplant. In Mannheim und Heidelberg gebe es schon länger Murals, aber Ludwigshafen hole nun auf. Etwa ein bis zwei Wandbilder sollen jährlich hinzukommen. „Wir bieten eine Ergänzung und setzen auf Künstler, die sonst noch nicht in der Region zu sehen sind“, sagt Zechlin.
„Muralu“ nennt sich das Projekt des Wilhelm-Hack-Museums, das 2018 an den Start gegangen ist. Die Bezeichnung setzt sich aus dem englischen Mural (Wandgemälde) und LU (Ludwigshafen) zusammen. Das Kunstprojekt hat sich in der Szene herumgesprochen. „Mittlerweile melden sich Künstler auch bei uns, und Hauseigentümer bieten Wände an“, sagt der Museumschef. Nachdem mittlerweile genug Wandbilder zusammengekommen sind, hat das Hack-Museum vor Kurzem einen „Muralu-Tag“ veranstaltet, um die Straßenkunst stärker ins Bewusstsein der Bürger zu rücken. Ein Stück Identität mit dem Stadtviertel soll jeweils auch damit geschaffen werden. Das Feedback sei sehr positiv gewesen, berichtet Zechlin.
Ortsvorsteher begeistert
Das Mural in der Saarlandstraße kommt ebenfalls gut an. „Mir gefällt das sehr gut. Ich finde das toll“, sagt Süd-Ortsvorsteher Christoph Heller (CDU), der auch Malermeister ist. Er weiß, wie viel Farbe und Arbeitszeit in so einem Wandbild stecken. Da gegenüber des Kunstwerks der Parkplatz eines großen Supermarkts liegt, werden viele Menschen die Straßenkunst wahrnehmen. „Es erfordert wirklich großes Können, um auf so einer großen Flächen ein gutes Bild zu malen“, unterstreicht Zechlin.
Wer sich selbst ein Bild von der Straßenkunst in Ludwigshafen machen will, sollte einfach mal hinfahren und staunen. Die anderen Standorte finden sich auf einem „Muralu“-Stadtplan, den es im Museum oder auf dessen Homepage gibt.