Ludwigshafen
Die Ludwigshafener Kümmerer: Wilhelm Wißmann ist mehr als nur Ortsvorsteher
Der Titel Ortsvorsteher wird Wilhelm Wißmann nicht ganz gerecht. Rheingönheimer Bürgermeister wäre irgendwie passender. Denn für den 73-Jährigen ist das Ehrenamt ein Vollzeitjob. Mit viel Herzblut setzt er sich für seinen Stadtteil ein. Zurzeit hat er besonders die jungen Familien im Blick.
Wochentags ist Wilhelm Wißmann entweder in seinem Dorf unterwegs. Oder er sitzt an seinem wuchtigen Schreibtisch im Gemeindehaus. Der gebürtige Rheingönheimer hat sich im Jahr 2017 nach dem überraschenden Rücktritt von Julia Appel (SPD) nicht darum gerissen, für das Amt zu kandidieren. Als es dann aber schon ein gutes Jahr später darum ging, ob er bei der Kommunalwahl im vergangenen Mai erneut antreten würde, bekannte er fröhlich: „Ich habe Geschmack daran gefunden.“
Wißmann ist ein Kümmerer wie er im Buche steht: Er ist freundlich, hemdsärmelig, ein richtiger Pfälzer, der gerne feiert, den Konflikt nicht scheut und mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hält. Die Parteizugehörigkeit spielt für ihn im Ortsbeirat keine große Rolle. Dem Garten- und Landschaftsbauer im Unruhestand geht es vielmehr um gute Lösungen für den südlichen Stadtteil, in dem knapp 8200 Menschen leben. Tendenz steigend.
Weiteres Neubaugebiet geplant
Denn nach den Neubaugebieten „Neubruch“ und „Im Sommerfeld“ will die Stadtverwaltung nun noch ein weiteres Areal Im Kappes für neue Einfamilienhäuser erschließen. Eine Eigentümerversammlung habe bereits stattgefunden, berichtet Wißmann über den Sachstand. Die CDU sei darüber nicht so erfreut. Sorgen macht ihm dabei vor allem die angespannte Raumsituation in der Mozart-Grundschule. Die vorgelegten Ausbaupläne hält Wißmann nicht für vorausschauend. „Da gibt es keine Reserve.“ Als Unternehmer sei er da ganz anders geprägt, habe bei großen Projekten stets auch die Zukunft im Blick gehabt. Das fehlt ihm nun vor Ort angesichts der steigenden Schülerzahlen. Mit dem Stückwerk und den oft langatmigen Prozessen bei städtischen Bauvorhaben hadert er. Aber er hat längst gelernt, dass man oft Kompromisse machen muss.
Das gilt zum Beispiel auch bei einem größeren Bauprojekt in der Hauptstraße. Weil ein Privatmann hier seit dem Sommer ein Mehrfamilienhaus errichtet, ist seit Monaten die zentrale Verkehrsachse nur einspurig befahrbar. Dagegen hatten einige Rheingönheimer, darunter auch betroffene Geschäftsleute, heftig protestiert. Mittlerweile habe man sich arrangiert, bilanziert Wißmann. Nun sei das Haus fast fertig, und ein Ende der Sperrung hoffentlich bald in Sicht.
Kritik am Filmfestival und Hafenfest
Hartnäckiger ist der Vater zweier erwachsener Söhne und Opa von vier Enkeln dagegen mit seiner alljährlichen Kritik am Ludwigshafener Filmfestival und dem Hafenfest im Nachbarstadtteil Süd. Die beiden beliebten Ereignisse fallen nämlich ebenso wie das Rheingönheimer Straßenfest auf das letzte Wochenende im August. Und das passt dem 73-Jährigen gar nicht in den Kram. Schließlich sei es für die Ehrenamtlichen in den Vereinen ohnehin schon nicht leicht, etwas auf die Beine zu stellen und Besucher zu locken. Die Konkurrenz in der direkten Nachbarschaft schmeckt dem Christdemokraten daher gar nicht. Und damit hält er auch nicht hinterm Berg.
Mit seinem großen Einsatz für den Stadtteil steht Wilhelm Wißmann nicht allein da. Gerade erst hat eine Initiative Unterschriften für den Erhalt des Laubfroschwäldchens gesammelt, das nach den Plänen der Stadt der Erweiterung der Bauschuttdeponie geopfert werden sollte. Eine andere Initiative macht ich für die Aldi-Filiale im Gewerbegebiet „Mörschgewanne“ stark. „Rheingönheim ist ein engagiertes Dorf“, findet der Ortsvorsteher.
Rote Karte für soziale Netzwerke
Während Wißmann im wirklichen Leben fast überall in seinem Umfeld mitmischt – vor allem setzt er sich als Vorsitzender für den Förderverein Wildpark, den Gesangverein Germania und den VdK ein – hat er mit sozialen Netzwerken nicht viel am Hut. „Da mache ich nicht mit“, sagt er streng. Er habe nicht den Eindruck, dass er da etwas verpasse. Aber er habe sich gerade erst einen leistungsstärkeren Computer gekauft, um sich über das Ratsinformationssystem der Stadtverwaltung gut für die Ortsbeiratssitzungen zu informieren.
Die Serie
In dieser Reihe stellen wir die zehn Ortsvorsteher in Ludwigshafen vor, wie sie ticken und was sie sich vorgenommen haben.