Ludwigshafen Die Kistenjongleure

Umzüge sind bei der Spedition Spitzer ein fester Bestandteil der Familiengeschichte. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Mosbach (Baden-Württemberg) wurde 1903 gegründet und wird nun in der vierten und fünften Generation von den Spitzers geführt. Aktuell stehen Vater Andreas sowie die Söhne Ferdinand und Philipp an der Spitze des „Gemischtwarenladens“, wie Philipp Spitzer (30) das Unternehmen beschreibt. „Wir kümmern uns um Projektumzüge, also solche von Unternehmen und Behörden, und um private Umzüge, bieten aber auch Möbelverkehr mit unserem Fuhrpark und Montageservice an“, sagt Spitzer. Die Firma ist deutschlandweit tätig und verfügt außer dem Hauptsitz in Mosbach noch über Außenstellen in München, Dortmund und Hannover. Für ihn und seine Mitarbeiter – pro Umzug kommen gut 25 Leute zum Einsatz – wird es am Freitag und Samstag ernst, wenn im ersten Schritt Baudezernent Klaus Dillinger (CDU) und sein Team als erste Verwaltungsmitarbeiter den maroden Rathausturm verlassen und ab Montag dann gegenüber im Postgebäude arbeiten. Vier weitere Umzugstermine folgen bis eine Woche vor Weihnachten. Spitzer krempelt dabei vor allem freitags ab 12 bis samstagabends die Ärmel hoch. Dass der Umzug in fünf Häppchen zu jeweils etwa 60/70 Mitarbeiter aufgeteilt worden ist und pro Wochenende immer nur ein Ausweichstandort (Postgebäude, Rhein-Center, Faktorhaus) angesteuert wird, erleichtere die Arbeit, betont Philipp Spitzer. Sein Unternehmen arbeite gut mit dem Umzugsplaner CML (siehe Serien-Folge 3) zusammen und ist Dienstleister der Stadt. „Wir sind bei dem ganzen Projekt ein wichtiges Puzzleteil“, beschreibt Philipp Spitzer seine Rolle. Den Auftrag selbst nennt er dank der Aufteilung als „gut stemmbar“. Es sei aber schon eine „größere Aufgabe, weil wir einen Umzug mit Mobiliar, Archiven und Akten haben“. Dennoch: Die Spedition habe auch schon Umzüge von 850 Personen auf einen Rutsch bewältigt. Philipp Spitzer kann die Aufgaben schnell und einfach beschreiben: „Wir transportieren alle Kartons und das Mobiliar und kümmern uns um die Einrichtung der Halteverbotszonen für die Umzugstage. Außerdem entkabeln wir Telefone und Computer und verkabeln wieder alles in den neuen Büros.“ Ganz zentral dabei sei, dass „unsere Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind“. Ehe am Freitag und Samstag dann tatsächlich Kisten geschleppt werden – Spitzer selbst spricht lieber von „Kisten jonglieren“ –, müssen schon einige Vorarbeiten erledigt sein. Spitzer hat die Verwaltung am Freitag mit Kartons versorgt. „Die Mitarbeiter packen ihre Sachen selbst ein“, sagt Spitzer. Alle Kartons sind mit bunten Aufklebern versehen. Die Farben helfen bei der Orientierung: Durch sie ist festgelegt, welche Stücke zuerst transportiert werden. Außerdem ist auf den Kartons an zwei Stellen notiert, wohin diese gebracht werden sollen. Auch das Mobiliar werde entsprechend für den Umzug beklebt und beschriftet. „Unsere Leute kommen dann in die Räume und wissen beispielsweise, alles was rot und blau markiert ist, muss raus und dann zum Ziel x gebracht werden“, erläutert Spitzer. Die Kistenjongleure verladen alles in Rollwägen, die erst in den neuen Büros wieder ausgeräumt werden. „Auch Computer und Telefone werden so transportiert, für sie gibt es ausgepolsterte Rollwägen, damit nichts passiert“, sagt der Experte. Spitzer arbeitet bei solchen Projekten zu 95 Prozent mit eigenem Personal und kann auf eine große Auswahl an firmeneigener Ausstattung zurückgreifen. Die Umzugstage beginnen laut Spitzer mit der „Absicherung des Gebäudes“. Soll heißen: „Wir kleben die Aufzüge ab, sichern Kanten und bringen Schutzfolien an, damit wir während des Transports keine Schäden verursachen.“ Wenn das erledigt sei, gehe es in die Büros. Zunächst werden Computer und Telefone abgeklemmt und verpackt. Dann werden die Tische und Stühle abgebaut und begeben sich auf die Reise in die neuen Büros. Dort werden diese dann auch gleich ausgepackt und aufgebaut. Als nächstes gehen die Computer und Kartons der Mitarbeiter auf die Reise. In den neuen Büros werden die Kartons entsprechend aufgestellt und Telefone und Computer verkabelt. „Das geht rasch, weil wir ja die Aufkleber mit Quell- und Zielort haben“, sagt Spitzer. Zudem gebe es detaillierte Listen, auf denen „jeder Karton nachvollziehbar ist“. Im Zweifelsfall könne man da nachsehen und die einzelnen Schritte abhaken. Spitzer beruhigt: „Das ist alles gut steuerbar.“ Er selbst sei auch vor Ort. Einfach, damit sein Team und auch die Rathausleute „immer einen kompetenten Ansprechpartner haben“. Am Ende des Samstags könne die Verwaltung auch gleich prüfen, ob Telefone und Computer funktionieren. „Wir haben sogar festgehalten, wie die Computer ausgerichtet waren. Entsprechend stellen wir sie wieder auf.“ Und dann? Spitzer: „Die Mitarbeiter kommen montags an ihren neuen und eingerichteten Arbeitsplatz. Sie müssen dann nur noch ihre Kisten auspacken. Diese holen wir dienstags und mittwochs ab. Damit sind die Flure leer, der Umzug ist erledigt.“
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