Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Baijens macht Defizite weg

Dani Baijens schrieb mit der niederländischen Handball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft im Januar einige Schlagzei
Dani Baijens schrieb mit der niederländischen Handball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft im Januar einige Schlagzeilen.

Seit vier Spielen sind die Eulen in eigener Halle ungeschlagen. Heute (19 Uhr) kommt der Tabellenfünfte ASV Hamm-Westfalen, der auswärts nur zweimal verlor. Daran hat ein Spieler Anteil, der zuletzt Historisches schaffte.

Diesmal hatte er es sehr eilig. Das erste Training nach dem Wochenende stand am vergangenen Montag auf dem Plan. Und Dani Baijens kam vom Wochenend-Besuch bei seiner Freundin in Dänemark. Die Übungseinheit war anders. Denn nach den Corona-Fällen in den Tagen zuvor war es das erste Mal, dass Trainer Michael Lersch wieder auf seinen kompletten Kader zurückgreifen konnte. „Wir wollen jetzt die drei Einheiten vor dem Spiel in Ludwigshafen intensiv nutzen“, sagt Dani Baijens. Mehr war in den letzten Tagen nicht möglich.

Es ist der Start ins neue Jahr 2022. Die erste Partie gegen den HC Empor Rostock am vergangenen Samstag musste abgesagt werden. Der 23 Jahre alte Niederländer, in Rotterdam geboren, gilt als der Kopf im Angriffsspiel der Westfalen. Er kam zu Saisonbeginn vom TBV Lemgo. Mit ihm als Spielmacher geht es in der Mannschaft aufwärts. Dabei gelten die Handballer aus dem Nordosten des Ruhrgebietes als besonders auswärtsstark. Nur zwei Niederlagen gab es in der bisherigen Spielzeit – in Essen und Eisenach.

Die dritte Niederlage wollen sie in Ludwigshafen vermeiden. Leicht wird diese Aufgabe keinesfalls. Davon ist Dani Baijens, der schon mehrmals die Stimmung in der Eberthalle erlebt hat, überzeugt. „Wenn die Halle hinter den Eulen steht, dann wird es verdammt schwer“, sagt Baijens: „Wir müssen erst mal nach den vielen Corona-Fällen auf uns schauen, um gut ins Spiel zu kommen.“ Auch die geplanten Testspiele vor dem Start nach der Europameisterschaft fielen wegen der zahlreichen Corona-Infektionen im Team aus. „Wir müssen nun das Beste aus der Situation machen. Das geht aktuell allen Mannschaften so. Aber ich bin optimistisch“, sagt Baijens. Mit 69 Feldtoren ist er bisher der erfolgreichste Torschütze der Westfalen. Er fühlt sich fit und ist hochmotiviert. Dass er mit 1,82 Meter etwas zu klein für einen Handballer im Rückraum ist, sieht er nicht als Handicap. „Der Handball hat sich geändert in den letzten Jahren“, sagt er: „Das Spiel ist heute viel schneller geworden. Auf Mitte kannst du das mit Schlagwurf oder Schnelligkeit auflösen.“ Das sind auch seine Stärken.

Kader verstärkt

Das Ziel ist klar: Der ASV Hamm Westfalen will wieder zurück in die Bundesliga. Deshalb wurde der Kader zu Beginn der Saison mit sechs Akteuren aufgerüstet. Bis spätestens 2023 soll der Aufstieg geschafft sein. Es kann aber auch früher sein. Deshalb wurde in der Winterpause Kreisläufer Benjamin Meschke vom TVB Stuttgart verpflichtet. Der Ex-Leipziger soll jetzt schon in die Mannschaft integriert werden, da Jan Brosch zum Saisonende den Verein in Richtung TBV Lemgo verlassen wird. „Diese Saison ist ein Probejahr, aber die Mannschaft ist jetzt schon bereit“, verspricht Baijens.

Der Spielmacher will sich mit einer Aufstiegsfeier verabschieden. Der Niederländer macht dann von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch und wechselt zum HSV Hamburg in die Bundesliga – und wieder näher an die Heimat seiner Freundin. „Manchmal ist es besser, einen Schritt zurückzumachen, um dann wieder einen nach vorne zu machen“, sagt Baijens: „Hamburg ist ein geiles Projekt, das ich als junger Spieler mitgestalten möchte. Der HSV will in einigen Jahren wieder ganz oben mitspielen.“ Ein gutes Omen für den Aufstieg mit dem ASV Hamm könnte auch seine Rückennummer sein. Er trägt die 77, eben jene Nummer, die Chen Pomeranz, der frühere Spielmacher getragen hatte, als Hamm letztmals 2010 den Aufstieg ins Oberhaus geschafft hatte. Dabei liebäugelte Baijens mit der Sieben. „In Flensburg durfte ich die aber nicht nehmen, weil diese Nummer die Vereinslegende Anders Eggert früher getragen hat und die nun nicht mehr vergeben wird. In Lemgo hatte sie Isaias Guardiola schon. Darum habe ich mich entschieden, die beiden Nummern von meinem Opa und Vater, die auch beide die Sieben getragen haben, zusammen zu nehmen“, erzählt der sympathische Niederländer.

Gute Entscheidung

In Hamm läuft es bislang gut für Baijens. „Meine Entscheidung nach Hamm zu gehen, habe ich nicht bereut. Als junger Spieler ist es wichtig, dass man Spielpraxis bekommt.“ Baijens blieb bisher von Corona verschont und hat schon sechs Partien im neuen Jahr absolviert. „Ich bin fit, ich fühle mich gut und ich freue mich, dass es wieder losgeht.“ Der Handballer war im Januar mit den Niederlanden bei der EM und erreichte dort Historisches. Nach dem Sieg im Eröffnungsspiel gegen Gastgeber Ungarn, folgte der nächste Paukenschlag mit dem Sieg gegen Portugal. Das bedeutete den Einzug in die Hauptrunde. Und dort überraschten Baijens und Co. erneut. Mit dem Erfolg über Montenegro sowie einem Unentschieden gegen Kroatien. Mit dem zehnten Platz schafften die Niederlande bisher das beste Ergebnis bei einem internationalen Turnier. „Das war einfach cool. In der Mannschaft steckt viel Potential. Jetzt wollen wir auch im kommenden Jahr zur WM“, sagt Baijens. Mit dem Oranje-Team trifft er in der zweiten Runde der Qualifikation am 13. und 17. April auf den Sieger der Partie Schweiz gegen Portugal.

Zu diesem Zeitpunkt dürfte bereits eine Vorentscheidung über einen möglichen Aufstieg ins Oberhaus gefallen sein. Doch so weit denkt der Niederländer noch nicht. Die erste Aufgabe im neuen Jahr heißt Eulen Ludwigshafen. Und diese ist schwer genug …

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