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Dienstag, 11. September 2018 Drucken

Ludwigshafen: Kultur Regional

Mannheim: Zweiter Guitar Summit im Rosengarten

Von Gereon Hoffmann

Fachsimpeln in einer ruhigen Atmosphäre: Auf dem Stockwerk mit den akustischen Gitarren ging es noch am lautesten zu. (Foto: Hoffmann)

Matthias Eklundh mit seiner achtsaitigen Gitarre. (Foto: Hoffmann)

Ralf Gauck aus Worms mit einer Bassgitarre. (Foto: Hoffmann)

Der zweite Guitar Summit im Rosengarten in Mannheim, ein „Gipfeltreffen“ aller Liebhaber dieses Instruments, ist mit neuen Ideen und Angeboten noch größer als im Vorjahr geworden. Erklärtes Ziel der Organisatoren war es, eine Veranstaltung für Gitarristen und Bassisten zu bieten, auf der der Austausch und das gegenseitige Lernen genau so wichtig sind wie die Präsentation von Produkten durch die Hersteller.

„Etwas für die Community bieten“, davon sprach Dieter Roesberg, Sprecher und Leiter des Veranstaltungsteams, immer wieder. Das ist offenbar gelungen. Waren es im Vorjahr 4500 Besucher, sind es in diesem Jahr nach ersten Schätzungen weit über 6000 Saitenzupfer, die sich aus nah und fern nach Mannheim aufgemacht haben. Die ruhige Atmosphäre wird von Musikern, Ausstellern und Besuchern gleichermaßen geschätzt.

Entspannter und mit weniger Lärm

 

„Wir unterhalten uns normal und müssen uns nicht anschreien“, sagt Ralf Gauck. Der Bassist aus Worms ist spezialisiert auf Solo-Bassgitarre und hat schon viele Auszeichnungen für sein außergewöhnliches Schaffen erhalten. Am Stand von Franz Bassguitars, einer kleinen Manufaktur für elektrische Bassgitarren im Schwarzwald, stellt er ein Instrument vor, das für seine besonderen Anforderungen gebaut wird. „Auf anderen Messen herrscht immer viel Lärm, und das ist sehr anstrengend. Dagegen ist hier alles wunderbar entspannt“, freute sich Ralf Gauck.

 

„Das wird hier der wichtigste Anlaufpunkt für Gitarristen und Bassisten in Europa“, ist Bastian Ortner überzeugt, der Mitarbeiter von Christian Stoll, einem im Taunus ansässigen Spezialisten für akustische Gitarren und Bässe. Das gute Rahmenprogramm aus Workshops und Musik trage sicher auch zur Popularität des Guitar Summits bei, meint Ortner.

Die "Silent Stage"

 

Im Erdgeschoss steht eine Frau auf der Bühne, der man die Rockmusik schon von Weitem ansieht. Sie hält eine E-Gitarre, holt weit aus und haut kraftvoll in die Saiten. Und man hört – nichts. Zumindest wenn man keinen Kopfhörer trägt. Denn das hier ist die „Silent Stage“, auf der alle Instrumente in eine Anlage gespeist werden, die den Sound drahtlos auf die Kopfhörer überträgt. Auch dort, wo elektrische Gitarren und Bässe gezeigt werden, gibt es überall Verstärker mit Kopfhörer-Ausgängen. So kommt es zu der unerwarteten Situation, dass das Stockwerk mit den akustischen Instrumenten am lautesten ist. Hier wird geschrammelt, gezupft und geslidet, und es gibt von der preiswerten Anfängergitarre von der Stange bis zu höchst exklusiven Einzelstücken mit besonderen Hölzern und Bautechniken einfach alles.

 

Um die Ecke ist gerade Peter Bursch dabei, Anfängern die ersten zwei Akkorde auf der Gitarre zu zeigen. Bursch wurde mit seiner Gitarrenschule ohne Noten in den 70er Jahren zum Gitarrenlehrer der Nation. Generationen von Lagerfeuer-Gitarristen haben von ihm gelernt.

Workshops und Expertengespräche

 

In den unzähligen Räumen des Rosengartens werden an den drei Tagen des Summits insgesamt 160 Workshops gehalten. Experten sprechen über Geräte und Instrumente, aber auch über Spieltechniken, Songwriting, Aufnahmetechnik. Kurz, fast jedes denkbare Thema wird behandelt.

 

Spannend sind die vielen „kleinen“ Gitarrenschmieden, die in einem Jahr so viele Gitarren bauen, wie die Industriegiganten in einer Stunde produzieren. Tanja Spalt ist Organisatorin und Sprecherin der European Guitar Builders. Nach Mannheim sind Gitarrenbauer aus Portugal, Italien, Belgien, der Schweiz und den Niederlanden angereist, dazu einige Deutsche. „Man trifft sich, man kennt sich, wir passen auch mal auf den Stand des Nachbarn auf“, sagt Spalt.

Kristall-Gitarre und Do-it-yourself-Workshops

 

Jens Ritter hat mit Sicherheit die funkelndste Gitarre dieser Veranstaltung am Stand. Der Korpus ist komplett mit Swarovski-Kristallen besetzt. Lady Gaga besitzt Modell Nummer zwei, hier ist Nummer eins zu sehen. Seine Bassgitarren werden auch von Kunstsammlern geschätzt, das Smithonian Institute hat einen Bass für seine Sammlung gekauft.

 

Neu in diesem Jahr sind Do-it-yourself-Workshops. Teilnehmer können aus einem Bausatz einen Röhrenverstärker zusammenlöten oder eine E-Gitarre bauen. „Es ging offenbar ohne größere Verletzungen ab“, witzelt Dieter Roesberg, der noch schnell feuerfeste Unterlagen besorgt hatte.

Acoustic Party mit Nachwuchstalenten

 

Natürlich gab es beim Guitar Summit auch reichlich Musik auf der Bühne im Mozartsaal. Am ersten Tag stieg hier die Acoustic Party. Da sind aufsehenerregende Nachwuchstalente ebenso dabei wie Stars der Akustik-Gitarre. Marcin Patrzałek ist ein junger Gitarrist, der gerade in Polen die Castingshow „Must Be The Music“ gewonnen hat. Er spielt den modernen Akustik-Stil, bei dem viel mit Perkussion auf dem Gitarrenkorpus gearbeitet wird und auch öfter beide Hände auf dem Griffbrett spielen. Zudem verwendet er einige elektronische Effekte, wie etwa Echos. Höhepunkt des Abends ist der Auftritt von Jon Gomm, dem internationalen Virtuosen, dessen spektakuläres Spiel dank Youtube populär wurde.

 

Am nächsten Tag ist die Electric Party. Marcus Deml macht hier mit seinen Blue Poets den Auftakt. Er spielt ebenso gefühlvoll wie virtuos den Blues. Thomas Blug, selbst ein toller Gitarrist und Entwickler von Instrumenten und Verstärkern, stellte dann mit seiner Rock Anarchy die Backing Band für die anderen Gäste. Darunter waren Tom Quale und Martin Miller aus der jüngeren Generation, Bon Jovi Gitarrist Phil X, der Schwede Mattias Eklundh, der auf seiner achtseitigen E-Gitarre höchst melodische Instrumentalstücke spielte. Altmeister Uli Jon Roth, Mitgründer der Scorpions, schaute ebenfalls vorbei. Er steht für die erste Generation der großen Gitarrenhelden.

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