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Freitag, 14. Dezember 2018 Drucken

Mannheim und Region

Mannheim: Polizei schlägt nach Radfahrer-Kontrollen Alarm

Von Jan Millenet

Momentaufnahme in der Fressgasse: Radfahrer riskieren oft die eigene Unversehrtheit.

Momentaufnahme in der Fressgasse: Radfahrer riskieren oft die eigene Unversehrtheit. ( Archivfoto: Kunz)

Die Polizei hat in Mannheim und Heidelberg vier Wochen lang Radfahrer kontrolliert. Mehr als 400 davon wurden verwarnt oder angezeigt. Insgesamt gab es über 1500 Beanstandungen. Rote Ampen zu ignorieren, ist offenbar an der Tagesordnung. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) hat seine eigene Sicht auf dieses Thema.

„Wir gehen davon aus, dass eine deutliche Mehrheit der Radfahrer in Mannheim und Heidelberg die Verkehrsregeln respektiert und sich rücksichtsvoll schwächeren Verkehrsteilnehmern gegenüber verhält“, sagt Klaus-Dieter Lambert vom Mannheimer ADFC. Allerdings zweifele der Club die Zahlen der Beanstandungen nicht an. Wie die Polizei zusätzlich mitteilte, sind viele der kontrollierten Radfahrer uneinsichtig gewesen und forderten „reflexartig“, doch erst einmal die Verstöße der Autofahrer zu ahnden.

Eine Reaktion, die der ADFC nachvollziehen kann. Aus folgenden Gründen, wie Lambert erklärt: „Der Radfahrer ist gegenüber dem Autofahrer der schwächere Verkehrsteilnehmer. Das heißt, bei einem Fehlverhalten von Autofahren steht beim Radfahrer immer die körperliche Unversehrtheit auf dem Spiel. Radfahrer gefährden bei Fehlverhalten überwiegend sich selbst, Autofahrer gefährden andere.“ Radler bezahlten schlimmstenfalls sogar mit ihrem Leben, für Autofahrer sei die größte Strafe in der Regel der Führerscheinentzug, so Lambert weiter. „Außerdem werden viele Verstöße von Autofahrern im Zusammenhang mit Radfahrern nicht oder kaum kontrolliert und geahndet, zum Beispiel der Mindestabstand von 1,5 Metern beim Überholen von Radfahrern oder das Zuparken von Fahrradwegen“, findet er.

"Riss in der Gesellschaft"

Ein großes Problem ist laut Polizei die fehlende Fahrradbeleuchtung, die gerade in der dunklen Jahreszeit wichtig ist. Auch der ADFC zeigt dafür kein Verständnis. „Wir führen zur Förderung guter Beleuchtung am Rad regelmäßig selbst organisierte Aktionen durch“, betont Klaus-Dieter Lambert. „Allerdings lehnen wir die Forderung nach einer Helmpflicht ab, und sehen auch die Forderung kritisch, auffällige Kleidung wie beispielsweise Warnwesten zu tragen.“ Sowohl Polizei als auch ADFC sprechen von einem Riss in der Stadtgesellschaft: „Radfahrer gegen Autofahrer.“ Die Ursache erklärt Lambert aus Sicht des ADFC folgendermaßen: „Sie liegt in einer jahrzehntelangen verkehrsstrukturellen Bevorzugung des Autoverkehrs gegenüber dem Radverkehr, die erst in den letzten Jahren etwas bröckelt. Es hat sich ein Besitzstandsdenken unter Autofahrern aufgebaut, was dazu führt, dass jede Fahrradstraße, jede für Radfahrer freigegebene Einbahnstraße und jeder neue Radstreifen, der die Fahrbahn für Kraftfahrzeuge verengt, zu Frustration und in der Folge oft zu Aggression führt.“

Doch liegt seiner Meinung nach die Schuld nicht nur bei den motorisierten Verkehrsteilnehmern. Ein weiterer Grund sei, dass Radfahrer zunehmend ihre Rechte im Straßenverkehr einfordern – auch mit dem Risiko, von einem Auto verletzt zu werden. Aus diesem Grund verweist die Polizei in ihrer Bilanz auf den Paragrafen 1 der Straßenverkehrsordnung, der ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme aller fordert.

ADFC: Benachteiligung an Kreuzungen

Was kann also getan werden, damit das in Zukunft besser klappt? Die Polizei empfiehlt allen Verkehrsteilnehmern, sich bewusst fünf Minuten mehr Zeit zu nehmen, um defensiv und regeltreu ans Ziel zu kommen. Der ADFC empfiehlt unter anderem eine fahrradfreundlichere Verkehrsführung, um zum Beispiel „das Über-Rot-Fahr-Problem“ einzudämmen. Denn da gibt es aus seiner Sicht noch Nachholbedarf, vor allem weil Radler an Kreuzungen oft benachteiligt wären: „Will der Radfahrer geradeaus fahren und muss zuerst die rechtsabbiegenden Kraftfahrzeuge in gleicher Fahrtrichtung passieren lassen sowie anschließend die querenden Autos, hat er also pro Kreuzung zwei Rotphasen“, kritisiert Lambert. Eine fahrradfreundlichere Verkehrsführung könnte zu weniger Rotlichtverstößen führen.

Was die Geisterfahrerei betrifft, empfiehlt der ADFC hingegen mehr Platz für Zweirichtungsradwege. Oder die Verkehrsführung für Radler so zu gestalten, dass Umwege und Wartezeiten minimiert werden.

Mannheim hat schon damit begonnen, den Straßenverkehr für Radfahrer attraktiver zu gestalten und das Radwegenetz auszubauen. Doch das braucht seine Zeit.

Ludwigshafen-Ticker